Michael O. Sajbel (Regie)
"the ultimate gift" (Movie / DVD)

( 2007 20th Century Fox / online )
Der Film „The Ultimate Gift“ (Regie: Michael O. Sajbel)
nach dem Bestseller von Jim
Stovall bewegt seit seinem Erscheinen in US-Kinos die Herzen Tausender
Zuschauer. Nun ist er auf DVD erschienen und wird demnächst auch
in unseren Breitengraden, wenn auch erst in Englisch, vertrieben. Die
Geschichte über das ungewöhnliche Vermächtnis von Red Stevens
hat eine eigentliche Ultimate-Gift-Bewegung ausgelöst, die mit offenkundiger
Nähe zu biblischen Werten für Tugenden plädiert, die in
unserer Gesellschaft meist mit der Lupe gesucht werden müssen. Ich
möchte euch daher den Film und das seit neustem auch auf Deutsch
vorliegende Buch näher
vorstellen.
Eine geheimnisvolle Erbschaft – ein neues Leben

Jason Stevens scheint alles zu haben: ein Penthouse, teure Schlitten und Motorräder, fashionable Freunde und vor allem haufenweise Geld. Er badet, wie seine übrige Verwandtschaft, selbstgefällig im Reichtum, in den er hineingeboren wurde. Doch dann stirbt sein Grossvater (im Buch ist es der Grossonkel) – und sein ganzes Leben wird umgekrempelt. Denn der reiche alte Mann überschüttet den Enkel nicht wie erwartet mit Dollarbergen, sondern überlässt ihm vorerst nur ein Kästchen voller DVDs und einen Brief. Am liebsten möchte der verzogene Bursche mit dem gelangweilten Blick kehrtmachen und das Ganze ablehnen, doch beim Überschreiten der Schwelle zur Anwaltskanzlei ist er in eine neue, herausfordernde Welt eingetreten. Anfangs widerwillig und misstrauisch, lässt er sich auf die Videobotschaften seines Grossvaters ein, der ihm ein mysteriöses ultimatives Geschenk in Aussicht stellt.
»Something changed inside me broke wide open all spilled out
Till I had no doubt that something changed ...«
Der Weg zu diesem Geschenk führt – als eine moderne Schatzjagd –
über 12 Aufträge, die der Grossvater ab Video vorgibt und die
im Filmplot zum Teil kombiniert werden. Als Erstes geht's nach Texas (gezeigt
in suggestiven Marlboro-Cowboy-Bildern :-), wo Jason auf einer Ranch das
"Geschenk der Arbeit" beinahe verpasst. Etwas mit den eigenen
Händen, im eigenen Schweiss zu erreichen, ist ein ganz neues Gefühl
für den verwöhnten Sprössling. Die Aufgaben Nummer 2 und
3 fordern ihn noch stärker, denn er soll innerhalb eines Monats einen
echten Freund auftreiben. Wie der verlorene Sohn im Alten Testament steht
er plötzlich allein da, als er auf dubiose Art seinen ganzen Besitz
verliert, samt Wohnung, Auto und Kreditkarte. Das Leben wird immer komplexer
und konfrontiert das einstige Glückskind mit handfesten Problemen:
Geldsorgen, Entfremdung von der eigenen Familie, Einsamkeit, Krankheit,
dunkle Stellen in der Vergangenheit, Lebensgefahr ... Da geschieht einiges
– aussen wie innerlich –, bis sich seine Vorstellung vom Wesentlichen
im Leben allmählich verändert und Jason plötzlich hören
muss, er sei ein ganz neuer Mensch geworden ...
»...Never would have believed it till I felt it in my own heart
In the deepest part the healing came ...«
Auch wenn vieles voraussehbar ist, verfolgt man die Prüfungen, die
Jason durchlebt, mit Spannung. Das liegt wohl an unserer unkillbaren Sehnsucht
nach solchen Alles-wird-besser-Geschichten, aber ebenso am lebhaften Spiel
der Darsteller. Drew Fuller, bekannt aus "Charmed", gibt den
ungehobelten Snob Jason Stevens, der alles mit Geld zu erreichen glaubt
und plötzlich ein Wechselbad der Gefühle, bis hin zu Todesangst,
durchlebt, recht gut. Seine Figur steht am Filmende erst am Anfang ihrer
Verwandlung, was glaubwürdig wirkt. Erstaunlich lebendig greift Red
Stevens (James Garner) über seine Videobotschaften in die Gegenwart
ein, nimmt Reaktionen seines Schützlings hellsichtig vorweg und kommt
ihm so nach dem Tode näher als sein ganzes Leben lang. Die 10-jährige
Abigail Breslin ("Little Miss Sunshine") sorgt als Emily mit
ihrer scharfen Zunge und altklugen Sprüchen für manches Schmunzeln.
Jasons "Selbstfindung" hängt stark mit ihr und ihrem tragischen Geheimnis
zusammen. Ihre Mutter Alexia (Ali Hillis aus "Must Love Dogs"),
eine nette junge Frau von nebenan, bleibt dagegen etwas undurchsichtig.
Wie sie über den reichen Stevens-Clan, den sie an Thanksgiving von
der ekligsten Seite erlebt, ja auch über Jason denkt, wird nicht
ganz klar. Sympathische Rollen sind ferner der grossväterliche Anwalt
(Bill Cobbs), dessen Assistentin (Lee Meriwether), der Rancher Gus (Brian
Dennehy) und ein karikaturhafter Clochard.
»...Something so amazing in a heart so dark and dim
When a wall falls down and the light comes in ...«
"The Ultimate Gift" ist ein typischer US-Familienfilm mit dem
Mut zu grossen Träumen, schönen Bildern und Gefühlspathos. Die
Geschichte von Jim Stovall wurde packend in Szene gesetzt und verdichtet,
indem sie u. a. um eine Liebesstory erweitert wurde. Zu den Schwächen
zählen allzu gefühlstriefende Momente und das unglaubwürdige
Ecuador-Abenteuer. Was im Buch gelegentlich banal oder theoretisch ausfiel,
wurde hier dafür überspitzt. Auch verkündet das Happy End
eine andere (materialistischere) Botschaft als das Buch. Obwohl unter
www.theultimategift.com
ein bibelbasierter Diskussionsführer zum Film heruntergeladen werden
kann, ist der Fox-Faith-Movie an sich nur christlich angehaucht. Gott,
der anhand einer Herz-Jesu-Statue in Erscheinung tritt, spielt eine nicht
näher erklärte Rolle. Jasons Verwandlung hin zum Gutmenschen
wird stärker auf die Kraft der Liebe und die Mentorschaft seines
Grossvaters zurückgeführt. Der Soundtrack wird da schon ausdrücklicher,
u. a. mit Bob Dylans "Gotta Serve Somebody" und im Filmabspann
mit Sara Groves' "Something
Changed":
»...And I cannot make it
And I cannot fake it
And I can't afford it
But it's mine
Oh, thank you, Lord! Thank you, Lord!«
Fazit: kurzweilig, amüsant und stellenweise sehr rührend – ein Familienfilm, der es wagt, Werte hochzuhalten. Für einmal fiel die Filmversion, die das moderne Gleichnis von Jim Stovall genüsslich zuspitzt, packender aus als die Buchvorlage. Gebt diesem US-Import eine Chance und schaut, was Red Stevens' Vermächtnis in euch auslöst!
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