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"Wir können die Antwort auf Gebete anderer Menschen sein"

Shaun Groves im Gespräch

Shaun GrovesShaun Groves hat wohl eine der einprägsamsten Stimmen in der christlichen Musikwelt. Vor vier Jahren startete er seine Laufbahn und hatte prompt großen Erfolg. Jetzt liegt sein inzwischen drittes Album "White Flag" vor. (Hinweis: Das Interview ist eine deutsche Übersetzung und wurde von Gerth Medien zur Verfügung gestellt.)


Greg Webb (CMCentral.com)
Mit seinem neuen Album "White Flag" orientiert sich Shaun Groves am Puls der Zeit und legt eine Sammlung tiefgründiger Songs vor. Der Sound bewegt, ist mal rockig und mal balladesk, die Texte beziehen sich auf bekannte Bibelverse und treffen ins Herz. "White Flag" beweist einmal mehr, dass Shaun Groves wirklich etwas zu sagen hat ...

Frage, Greg Webb (CMCentral.com): Du hast sehr viel Zeit in dein neues Album investiert und dir intensiv Gedanken darüber gemacht. Was hat dich dazu veranlasst, dieses besondere Album aufzunehmen?
Antwort, Shaun Groves: Ich gebe in unserer Gemeinde Bibelkurse für Schüler und junge Erwachsene. Hier nehmen wir die Bibel Satz für Satz auseinander. Irgendwann stießen wir dann auf das 5. Kapitel des Matthäusevangeliums, wo es um die Seligpreisungen geht. Ich habe diese Verse schon unzählige Male zuvor gehört, aber noch nie schienen sie mir so klar und deutlich. Sie sprangen mich geradezu an. Ich hatte die Bibel schon lange studiert, hatte mehr Fragen als Antworten, aber ich habe immer das, was ich wusste, an meine Schüler weitergegeben. Doch im Gegensatz zu anderen Versen habe ich mich auch nach dem Unterricht noch intensiv mit Matthäus 5 auseinander gesetzt. Ich hatte mich echt total daran festgebissen.

Shaun GrovesMein Label hat sehr viel Druck gemacht, damit ich endlich anfange, Songs für mein neues Album zu schreiben. Ich habe es sechs Monate lang versucht und bin gescheitert. Ich zweifelte an mir selbst, und alles, wovon ich anfangs dachte, dass es toll ist, war dann doch einfach nur daneben. Ich bekam Angst, wusste nicht mehr, ob ich den richtigen Job mache und wie ich ihn überhaupt bewältigen sollte ...

Ich betete darüber, sprach mit Freunden und meiner Frau. Was in diesen Gesprächen immer deutlicher wurde, war, dass ich über Matthäus 5 - die Seligpreisungen - schreiben sollte. Gerade weil mich das Thema so intensiv beschäftigte, würden auch die Songtexte tiefgründiger werden, dachte ich. Aber wer würde schon ein Album mit Songs über die Seligpreisungen kaufen? Ich begann also damit, die üblichen Songs zu schreiben – über das tägliche Leben eben ... Dabei kamen allerdings nur einige mittelmäßige Songs heraus.

Als ich mit meinem besten Freund Brian auf dem Weg zu einem Konzert war, erzählte ich ihm: »Hey, ich habe das Gefühl, dass ich total festgefahren bin. Ich bin ziemlich deprimiert, und wenn ich darüber bete, kommt mir nur eines in den Sinn: die Seligpreisungen. Aber darüber wollte ich doch nicht schreiben, weil es sich schlecht verkaufen würde. Und ich weiß auch gar nicht, wie ich diese Thematik in einen 3-Minuten-Popsong packen soll, der sich dann auch noch gut anhört.« Mein Freund gab mir nur eine ganz kurze Antwort: »Schreib einfach über das, was Gott dir in deine Gedanken legt, auch wenn es um Seligpreisungen geht.« Und ich begann loszulegen.

Shaun GrovesEs war viel Arbeit, aber vier Monate später hatte ich eine neues Album. Ich habe mir noch für keines der bisherigen Alben so intensiv Gedanken gemacht wie für dieses. Und ich habe meine Songs in derselben thematischen Reihenfolge angeordnet, wie es auch bei den Bibelversen der Fall ist.

Greg Webb: Was hat dich dazu bewogen, deine neue CD selbst zu produzieren?
Shaun Groves: Eigentlich sprach mehr dagegen als dafür. Ich wollte nie wirklich mein eigener Produzent sein.
Als ich alle Songs geschrieben hatte, erstellten wir eine Liste mit den besten Produzenten, weil es wirklich Zeit wurde, die Songs endlich aufzunehmen. Einige Produzenten sprengten unser Budget, andere hatten einfach keine Zeit. Ich war dann schließlich wirklich der Letzte, der in Frage kam – ich hatte Zeit und war billig. Also fragte ich mich kurzerhand selbst, ob ich mir diesen Job zutrauen würde, und nach kurzer Überwindung ging es los. Ich hatte freie Hand. Ich habe mir meine eigene Band geschnappt und die ganze Crew selbst zusammengestellt, ein Team von Leuten, denen Gott wirklich ein Talent für ihren Job geschenkt hat. Und es hat zum Schluss tatsächlich alles zusammengepasst und es lief wie von alleine.

Greg Webb: Erzähl uns doch ein bisschen mehr über "Sad Song". Wann hast du das Lied geschrieben?
Shaun Groves: Den Song habe ich erst vor kurzem geschrieben. Er ist eine ganz besondere Ballade, und so war es sehr schwer, dieses Lied und den Song "Heaven Hang On" zwischen all den anderen rockigen Songs unterzubringen. Das Lied ist sehr zeitgemäß und spiegelt sehr viel von dem wider, was ich nach den Anschlägen vom 11. September 2001 empfunden habe. "Sad Song" ist der zweite Song auf dem Album und bezieht sich auf den zweiten Vers der Seligpreisungen: »Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.«

Shaun GrovesGreg Webb: Und was hat es mit „Heaven Hang On“ auf sich? Was hat dich zu diesem Song inspiriert?
Shaun Groves: "Heaven Hang On" ist eine wahre Geschichte. Meine Frau steckte während ihrer Schulzeit in einer furchtbaren Beziehung fest. Sie musste so ziemlich alles über sich ergehen lassen, von körperlichem bis emotionalem, verbalem bis zu sexuellem Missbrauch. Irgendwann wachte sie auf und stellte fest, dass sie sich völlig von Gott und ihrer Familie entfernt hatte. Sie war allein und verängstigt, doch Gott sei Dank gab es immer noch genug Christen, die für sie beteten, sie liebten, ihr vergaben und sie wertschätzten. Diese Menschen retteten ihr das Leben.

Als ich nach Nashville zog, wurde ich irgendwann Zeuge, wie einer meiner Nachbarn vor seiner Einfahrt bedroht wurde. Zunächst tat ich nichts, aber dann ging ich dazwischen. Ich tat es nur, weil ich an meine Frau denken musste. Ich wusste genau, wie es sich anfühlt, wenn alle zusehen und niemand hilft. Ich bin in einer sehr armen Familie aufgewachsen. Oft wussten wir nicht, wie wir den nächsten Monat bestreiten sollten, und niemand aus unserer Gemeinde hat uns geholfen.

Der Song spiegelt all das wider und soll uns daran erinnern, dass auch wir die Antwort auf viele verzweifelte Gebete anderer Menschen sein können, wenn wir einfach nur einmal dazwischengehen und helfen würden. Die Antwort auf die Gebete meiner Frau waren Menschen, die sie mit Gottes Hilfe vor ihrem brutalen Freund retteten. Ich hätte es mir so sehr gewünscht, dass auch jemand meine Familie vor Armut und Angst gerettet hätte.

Greg Webb: Mit welcher Musik bist du aufgewachsen?
Shaun Groves: In unserem Haus gab es weder Fernsehen noch Radio. Nicht, weil wir übertrieben religiös gewesen wären, wir waren einfach nur sehr arm. Meinen Eltern war Musik eigentlich ziemlich gleichgültig. Wir haben ab und zu mal was von Buddy Holly, Elvis oder Kenny Rodgers mitbekommen. Ich hatte sogar selbst eine Platte von Buddy Holly, aber auch nur, weil das in Texas so Sitte war. Aber viel war bei uns in Sachen Musik nicht los.

Erst in der Highschool ging es ein wenig wilder zu. Ich hatte lange Haare, fand Kurt Cobain klasse und besaß ein altes Auto mit Radio. Ab da hörte ich so ziemlich alles, was gerade in den Top 40 war. Von dieser Zeit an war Musik ein fester Bestandteil meines Lebens.

Shaun GrovesGreg Webb: Wer hat deinen Glauben am meisten geprägt?
Shaun Groves: Diese Frage hat es wirklich in sich. Ich glaube, da gibt es vor allem zwei Personen in meinem Leben. Die erste ist Steve. Er leitete meine Bibelkurse in Texas. Wenn ich Durchhänger hatte, war er für mich da. Wir waren oft bei ihm zu Haus, aßen Pizza, schauten uns Videos an und unterhielten uns. Es ging dabei nicht einmal um Gott, wir verbrachten einfach nur Zeit miteinander, aber genau das war die Antwort auf meine Gebete und schenkte mir letztendlich Vertrauen zu Gott.

Mein Vater ist zwar ein sehr gläubiger Christ, aber wie es oft der Fall ist, hatte ich wohl nicht genügend Respekt, um von ihm zu lernen. Es half mir also sehr, jemanden außerhalb meiner Familie zu haben, der Christ war. Steve war ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann, er bezahlte meine Schule und gab mir im Sommer einen Job. Er war wie ein Vater für mich, und bei ihm fand ich an den Tagen, an denen ich am liebsten alles hingeworfen hätte, auch immer Hilfe.

Die zweite Person ist - ganz klar - meine Frau. Wir begegneten uns, als ich gerade 19 war. Zu dieser Zeit hatte ich noch keinen großen Plan davon, was ich einmal beruflich machen sollte. Ich wusste nur, dass ich irgendwas mit Musik machen wollte. Wir waren lediglich Freunde, aber sie rüttelte mich immer wieder wach und ermutigte mich, das Beste aus mir herauszuholen. Sie wies mich auf meine Fehler hin, lobte mich aber auch für Erfolge. Sie war sehr einfühlsam und genau das, was ich in dieser Zeit brauchte. Eine weitere Antwort auf meine Gebete. Heute ist sie meine Ehefrau und ich kann noch viel von ihr lernen.

Greg Webb: Gibt es etwas, das du den Menschen gerne hinterlassen würdest?
Shaun Groves: Ich glaube, es war Rich Mullins, der einmal sinngemäß sagte: »Wenn du dein Leben in der Absicht führst, Großes zu hinterlassen, wirst du nur große Absichten hinterlassen.« Ich glaube, das ist wahr. Ich möchte nur ein guter Vater und Ehemann sein. Ich möchte meinen Kindern so viel wie möglich von Gott zeigen und hinterlassen, ihnen Vorbild sein und sie bewahren.



Das Interview führte Greg Webb von CMCentral.com (USA).
Zur Verfügung gestellt von Gerth Medien, Asslar.

Erscheinungsdatum online:
22.9.2005
Redakteur(e): David Decker für CCM-Rezis

weitere Rezensionen - siehe Shaun Groves-Künstlerseite >>
 


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