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»Sich zu Christus bekennen heisst, Anteil am Los anderer zu nehmen, die leiden«

Sara Groves im Interview mit CCM-Rezis über ihr neues Album

(German / DeutschDies ist eine Übersetzung, englische Originalversion hier...)

Sara Groves Im November veröffentlichte Sara Groves ihr siebtes Album, "Tell Me What You Know". In kreativen, verspielten und sehr radiofreundlichen Popsongs erzählt sie davon, was sie in den letzten Monaten von Menschen gelernt hat, die durch grosses Leid gegangen sind. CCM-Rezis erhielt die Gelegenheit zu einem E-Mail-Interview und erfuhr dabei mehr über die erschütternden und gleichzeitig hoffnungsvollen Geschichten, die den neuen Liedern zugrunde liegen ...

Monica Seidler: Sara, in "Add To The Beauty" hast du uns eingeladen, über Gottes Reich und die Schönheit der Gnade nachzudenken. Dein neues Album setzt sich nun praktischer damit auseinander und beschäftigt sich stark mit sozialer Gerechtigkeit. Was brachte dieses riesige Thema in dein Leben? Und wie sieht für dich als Christin soziale Gerechtigkeit aus?
Sara Groves: "Add To The Beauty" war noch nicht einmal fertig, als ich mich zu fragen begann, auf welche Weise ich wirklich an dieser Art von Schönheit teilhabe. Damals las ich über die Arbeit der International Justice Mission. IJM ist ein Team von Anwälten und Polizisten aus vielen verschiedenen Ländern, die sich dafür einsetzen, Ungerechtigkeit in ihren vielen Ausprägungen zu beenden, und die Menschen Rechtsbeistand geben, die sonst keine Verteidiger hätten. In Afrika setzen sie sich dafür ein, dass Witwen ihr Land zurückerhalten, in Südasien befreien sie Menschen aus Leibeigenschaft, in Südostasien setzen sie sich für die Befreiung von Opfern des Menschenhandels ein. Am Schluss des Buchs "Terrify No More", das von der Arbeit der IJM in Kambodscha handelt, sagt Gary Haugen, der Gründer der IJM, dass er nicht mehr frage, wo Gott sei, sondern zu fragen begonnen habe: Wo sind Gottes Leute?

Dies hat mich zutiefst herausgefordert. Ich hatte Gott angesichts so vielen Leids gefragt, wo er sei, aber er sagte uns, dass wir seine Hände und Füsse sein werden. Da erkannte ich, dass die meisten meiner Glaubensanstrengungen für mich allein gewesen waren. Ich hatte meinen persönlichen Glauben gepflegt und gepflegt, aber mit welchem Ziel? Meine Freunde bei IJM zu sehen, die sich so von Gottes Herz für Gerechtigkeit anstecken liessen, brachte mich dazu, einen genaueren Blick auf mein Leben als Christin zu werfen. Sich zu Christus bekennen heisst, Anteil am Los anderer zu nehmen, die leiden.

Sara Groves - ''tell me what you know''Monica: Mit deinem Albumtitel, "Tell Me What You Know", möchte ich zurückfragen: Was weisst du über Gott und die Welt und die menschliche Seele?
Sara: Mehr als die Hälfte des neuen Albums wurde von einem Mädchen namens Elizabeth inspiriert, das ich in Washington, DC, traf. Mit 15 Jahren wurde sie entführt und von Menschenhändlern verkauft. Jede Nacht betete sie, aber die anderen Mädchen im Bordell machten sich über sie lustig und meinten, Gott könne sie da nicht hören. Einige Monate später wurde sie von einem IJM-Mitarbeiter gefunden und befreit. Als das Team von IJM ihre Sachen holen ging, entdeckten sie den Psalm 27 an der Wand über ihrer Matratze: »Der HERR ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Zuflucht, vor wem sollte ich erschrecken?« Vor einiger Zeit traf ich während eines Aufenthalts in Ruanda auf Überlebende des Völkermords. Sie erzählten mir unglaubliche Geschichten über Vergebung. Elizabeth und diese Freunde in Ruanda kennen meinen Gott auf eine Weise, wie ich ihn nicht kenne. Ich frage sie danach, was sie über ihn wissen, im Bewusstsein, dass ich selber trotz meiner geistlichen "Bildung" sehr wenig weiss.

Monica: Ich wüsste gerne mehr über den Knaben und den Mann aus dem Lied "In The Girl There's A Room" ...
Sara: Nagaraj war Ehemann, Vater von drei Knaben und Sklave. Er arbeitete in der Ziegelbrennerei eines extrem strengen Besitzers, der Nagaraj und dessen Frau täglich sechzehn Stunden schuften liess, sieben Tage die Woche. Als Nagaraj sah, wie auch seine Söhne auf ein Sklavenleben hin abgerichtet wurden, begann er Hilfe zu suchen. IJM ermittelte gegen die Ziegelbrennerei und stiess auf 80 versklavte Arbeiter. Sie informierten die Obrigkeit darüber und führten eine Razzia zur Befreiung aller 80 Menschen durch. Dank Unterstützungsgeldern besitzen die befreiten Sklaven jetzt ihre eigene Ziegelbrennerei und arbeiten für sich selber. C. S. Lewis sagte, dass wir niemals einen blossen Sterblichen angetroffen hätten, sondern dass alle Menschen das Gewicht von Gottes Herrlichkeit trügen. Ich versuchte mir vorzustellen, wie Nagarajs Knaben angeleitet wurden, immer mehr und mehr Ziegel zu schleppen, und fragte mich: Was war schwerer – das Gewicht dieser Ziegel oder das Gewicht der Herrlichkeit, das sie als Abbild des allerhöchsten Gottes trugen?

Sara Groves Monica: Viele deiner Lieder sprechen davon, sich einander zuzuwenden. In "All Right Here" hast du gesungen: »Jedes Herz birgt so viel Geschichte. Dies ist mein liebster Ausgangspunkt. Setz dich eine Weile zu mir und erzähl mir von dir. Ich habe keine Angst davor, wer du bist.« ... Aber war es nicht doch erschreckend, diese Geschichten über Unterdrückung, Gewalt, Leiden und Armut anzuhören?
Sara: Doch. Zuerst ging es darum, ob ich mit diesem Austausch überhaupt umgehen kann. Ich hoffe, dass ich nicht immun gegenüber den Geschichten geworden bin, aber nun, da ich die Wirklichkeit dahinter kenne, beschäftige ich mich weniger mit mir selbst und damit, wie ich klarkomme, sondern mehr damit, was ich zu lernen habe und welche Rolle ich spielen kann, um einen kleinen Beitrag zur Veränderung zu leisten.

Monica: Ich liebe die rhythmischen Experimente, die farbigen Klanglandschaften und den Drive deiner neuen Lieder. Dein neues Album hat mehr Ecken und Kanten als "Add To The Beauty". Was treibt deine Kreativität an?
Sara: Ich hörte mir Paul Simons letzte CD, "Surprise", an, und sein kreativer Sound hat mich inspiriert. Er ist nun 60, und trotzdem ist seine neue Musik so kreativ wie alles in seiner bisherigen Karriere. Ich versuche mit schöpferischen Menschen zusammenzuarbeiten, ich lese viel, und ich höre mir eine Menge ganz verschiedener Musik an, um neue Ideen freizusetzen. Ich liebe auch, was ich mache, und gebe mein Bestes, um die Sache frisch und unterhaltsam zu halten.

Sara GrovesMonica: Was sollen deine Zuhörer durch deine Musik erfahren?
Sara: Es hat verschiedene Themen auf diesem Album, die ich dem Zuhörer mit nach Hause geben möchte. Zum einen spricht es von der Unzerstörbarkeit von Hoffnung und davon, was wir von Menschen lernen können, die viel erlitten haben. Zum anderen von der Wichtigkeit des einzelnen Menschen, wenn wir bei Krankheit und Armut mit Massenzahlen konfrontiert sind. Und schliesslich denke ich, dass es an der Zeit ist, dass wir uns ehrlich darüber austauschen, wo wir als Gläubige stehen, in unserem persönlichen Leben, in unseren Kirchen und letztlich in der Rolle, die wir in der Welt spielen.

Monica: Wenn ich mir deine Geschichten, deine Liedtexte und den Klang auf dem neusten Album anhöre, habe ich den Eindruck, dass du noch stärker überzeugt und inspiriert bist als 2004, als du dich "auf der andern Seite von etwas" wiedergefunden hattest ...
Sara: Genau, es ist alles eine Fortsetzung dieser Reise. Im Lied "Like A Skin" fragte ich danach, ob ich mich wirklich verändern kann. Auch wenn ich noch mit vielem Mühe habe, so habe ich mich in den letzten paar Jahren auch stark verändert und bin gewachsen. Ich bin so dankbar dafür, dass Gott mich immer weiter lehrt.

Monica: Herzlichen Dank, Sara Groves, für dieses Interview und für deine Musik!



— Monica Seidler für CCM-Rezis, Dezember 2007

Erscheinungsdatum online:
30.12.2007
Redakteur(e): Monica Seidler für CCM-Rezis. Copyright bei Sara Groves und der Autorin, Fotos von INO Records. Übersetzung von Monica Seidler.

weitere Infos & Rezensionen – siehe Sara Groves-Künstlerseite >>
 


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