CCM-Rezis Exklusiv-Interview:
Über
Kombiwagen, Elternschaft und eine gute Saat für die nächsten
Generationen

Online-Interview mit Singer-Songwriter Sara
Groves
(Dies ist eine Übersetzung.
Die englische
Originalversion findet sich hier...)
Monica Seidler: Dein INO-Album "The
Other Side of Something" und das neue, unabhängig erschienene
Eltern-Projekt "Station
Wagon" sind beide gedankenvoll und klanglich sehr experimentierfreudig
- und doch so unterschiedlich. Das erstere eher Pop-Rock, das letztere
Roots-Folk. Du hast Lieder von Chris Eaton und Steve
Hindalong interpretiert und Songs der Folksänger und Liedermacher
Pierce Pettis und John Gorka. Wo ordnest du dich selber als Musikerin
ein? Was sind deine Einflüsse?
Sara Groves: Als ich frisch mit dem Musikmachen begonnen hatte,
waren Troy [ihr Mann] und ich mit einem Freund und Mentor essen, und ich
versuchte während einer Stunde, ihm zu erklären, was wir taten.
Als ich mit meiner sehr ausführlichen Beschreibung zu Ende war, riet
er uns grundsätzlich, wir sollten uns nicht selber definieren. Er
sagte, es sei eines der schwierigsten Dinge, sich einer Etikettierung
zu entziehen, für neue Einfälle offen zu bleiben und sich nicht
kategorisieren zu lassen. Ich weiss, dass ich in keiner Weise revolutionär
bin, aber ich liebe Kreativität - und gute Musik. Ich hoffe, dass
dies der rote Faden in allen meinen Alben ist.

Meine Mutter liebte Barbra Streisand, mein Vater Bebe King und John Sousa.
Ich wurde im Sommer der Jesus-Bewegung geboren [Jesus Movement, z. B.
Explo 72, Campus Crusade for Christ International], daher wuchs ich mit
christlicher Musik auf, als sie sich zu dem entwickelte, was sie heute
ist. Amy Grant, Second Chapter
of Acts und Russ Taff waren meine Grundlage. In der Highschool begann
ich mehr Musik des allgemeinen Marktes zu hören und gewann Sting,
Peter Gabriel, Billy Joel und die Beatles lieb. Auf dem College entdeckte
ich Folk-Rock. Die Indigo Girls hatten in der College-Zeit einen grossen
Einfluss auf mich. Ich dachte mir: Ich möchte genauso ehrlich schreiben,
mit einer christlichen Weltsicht.
Monica: Was bedeutet Musik in deinem Leben?
Sara: Musik ist ein unsägliches Geschenk. Sie ist für
mich immer noch ein grosses Geheimnis, da steckt so viel Macht darin,
Wörter und Musik zusammenzubringen, um eine Geschichte zu erzählen.
Ich habe schon viele Predigten gehört und Stapel von Büchern
gelesen, aber der Liedermacher hat am stärksten zu mir gesprochen:
"Hold me Jesus, I'm shaking like a leaf. You have been king of my
glory, won't you be my Prince of Peace" - Rich
Mullins. Jeder hat ein Ventil. Meins ist es, Musik zu schreiben. Es
ist meine Therapie; denn wenn ich nicht dazukomme, werde ich sehr gestresst.
Ich werde also damit weitermachen, ob man mir zuhört oder nicht.
Monica:
Das neue Album mit
Liedern über (deine) Kinder und über das Elternsein hat dir
schon jahrelang vorgeschwebt. Und du hast auch einige sehr schöne
Lieder über deine Ehe geschrieben ("Fly", "Roll to
the Middle", "Undone"). Wie schaffst ["managst"]
du es, eine erfolgreiche Singer-Songwriter und Ehefrau und Mutter zweier
Kinder zu sein? Hat dich das Muttersein in deinem Künstlertum beeinflusst?
Sara: "Managen" ist ein gutes Wort dafür, denn genau
das tun wir. Wir versuchen, gut mit Zeit, Gaben, Geld und Verantwortung
zu haushalten. Troy und ich haben gute Entscheide getroffen, und wir haben
egoistische Entscheide getroffen; aber wir gehen immer wieder gemeinsam
und vor Gott über die Bücher, um sicherzustellen, dass wir unserer
Ehe und unseren Kindern die Aufmerksamkeit schenken, die sie brauchen,
um heil zu bleiben. Früh schon hatten wir das Gefühl, dass Gott
uns zeigen wird, was "normal" in unseren Leben sei. Nun stelle
ich fest, dass dies für jeden gilt. Ich kann nicht ständig nach
links und nach rechts schauen, was andere Leute tun, sondern ich muss
so vorwärts gehen, wie es für unsere Familie richtig zu sein
scheint. Das Beste an diesem Leben und dieser Laufbahn ist es, dass wir
das Ganze gemeinsam tun. Zuhause ist nicht ein Ort, WIR sind es.
Monica: Wieso der Albumtitel "Station
Wagon"?
Sara: Nun, Carolyn Arends
hat ein Album mit dem Titel "The
Parenthood Project" herausgebracht ... es ist ein grossartiges
Album mit Liedern, die echt Spass machen, und dem perfekten Titel. Es
war schwierig, dieses Album klar zu umschreiben, denn es enthält
Lieder für Mütter, Lieder für Kinder und am Schluss Wiegenlieder.
Carolyns Titel war perfekt, aber bereits vergeben, so studierten wir während
Monaten an einem Wort oder Ausdruck herum, der Elternsein auf einen Nenner
bringen würde. Wir waren irgendwo in einem Hotel, als Troy vorschlug,
wir sollten einen Kombiwagen [amerik. Station wagon] auf das Cover setzen.
Das war's, das Symbol für Elternschaft, ein grosses Auto. Unser Produzent
Don Chaffer schrieb das Lied "Station
Wagon", um den Titel einzubinden, und es gäbe keinen treffenderen,
schöneren Schnappschuss vom Familienleben. Bereits werden uns von
Familien Bilder mit ihren Kombiwagen zugesandt.
Monica: In "Generations" singst
du: "Erinnere mich bei jeder Entscheidung daran, dass Generationen
ernten werden, was ich säe. Ich kann einen Fluch oder einen Segen
an die weitergeben, die ich nie kennen werde." Und der sehr schöne
neue Song "A lot like me" erzählt davon, eine Mutter mit
Schwächen zu sein und dass Gottes Gnade und Hilfe nötig sind,
um deine Kinder grosszuziehen. Was möchtest du für die nächste
Generation aussäen? Und macht dir diese Aufgabe manchmal Angst?
Sara: Angst ist eine Untertreibung. Als Kirby vor viereinhalb Jahren
zur Welt kam, stürzte mich das in eine Glaubenskrise. Angesichts
dieses neuen Schülers, der nun von mir über das Leben lernen
würde, musste ich alles, woran ich glaubte oder nicht glaubte, überprüfen.
Er deckte meinen Unglauben auf so vielfältige Weise auf, und er trieb
mich dazu, mich tiefer mit dem auseinanderzusetzen, was ich als Wahrheit
kenne. Es war ein schmerzlicher, wunderbarer Prozess, der noch immer anhält.

Sollte ich Kirby und seiner Generation einen Gedanken hinterlassen, so
soll es der sein: Die Frohe Botschaft greift über diese Welt hinaus.
Sie geht über Politik, Denominationen, Kulturen, von Menschen gemachte
Religion, alle menschlichen Systeme hinaus. Ich wünsche mir, dass
er ein lebender Beweis für Gottes Reich wird, wie ich es auch sein
möchte. Er soll nicht ängstlich, verteidigend [defensiv], stolz,
überheblich sein, indem er zwar für eine Sache kämpft,
dabei aber sein Mitgefühl für die Menschen verliert. Gott erzählt
eine erstaunliche, ungeheure Geschichte, und wir verkaufen unsere Seelen
so leicht für kleine Nebengeschichten. Diese Nebengeschichten mögen
gut sein, können aber dazu führen, dass wir die GRÖSSE
von dem, was Gott uns zeigen möchte, nicht erkennen. Ich möchte,
dass Kirby die GRÖSSE Gottes sieht. Ich wünsche mir, dass er
Jesus kennen lernt und erkennt, was es heisst, ihm nachzufolgen.
Monica: Welches ist zurzeit dein liebster
Bibelvers?
Sara: Mein Lebensspruch ist Jesaja 41, 9-10, aber der Vers,
der mich im Moment beschäftigt, ist 2. Petrus 1, 5-8: "... eben
deshalb wendet aber auch allen Fleiß auf und reicht in eurem Glauben
die Tugend dar, in der Tugend aber die Erkenntnis, in der Erkenntnis aber
die Enthaltsamkeit, in der Enthaltsamkeit aber das Ausharren, in dem Ausharren
aber die Gottseligkeit, in der Gottseligkeit aber die Bruderliebe, in
der Bruderliebe aber die Liebe. Denn wenn diese Dinge bei euch vorhanden
sind und wachsen, lassen sie euch im Hinblick auf die Erkenntnis unseres
Herrn Jesus Christus nicht träge noch fruchtleer sein."
Monica: Kannst du etwas über dein nächstes
Projekt mit INO Records erzählen?
Sara: Wir werden im Juni oder Juli für eine Herbst-Veröffentlichung
ans Aufnehmen gehen. Die Themen drehen sich darum, was ich Kirby gerne
beibringen möchte... diese grossartige Geschichte, die Gott erzählt,
die Botschaft und die Bedeutung von Jesus Christus und wie das in unserem
täglichen Leben aussieht. Es gibt viele Christen, die davon reden,
was in der Welt falsch läuft, all die Probleme "dort draussen".
Ich denke aber, dass Gottes Reich "hier drinnen" anfängt.
Gottes Reich beginnt, wenn ich respektvoll zu meinem Ehemann spreche,
wenn ich meine Kinder erbaue. Mutter Teresa antwortete einem Mann, als
er sie fragte, wie er grosse Taten vollbringen könne:
»Wenn du Grosses bewirken
willst,
so versuche nicht, grosse Dinge zu tun,
tu kleine Dinge
mit grosser Liebe.«
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