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CCM-Rezis
Exklusiv-Interview:
»Gewiß habe ich
eine Botschaft als Christ!«

Neal Morse im Interview
(Dies ist eine Übersetzung.
Die englische
Originalversion findet sich hier...)
Nach seiner Hinwendung zum christlichen Glauben
und dem Ausstieg der von ihm mitgegründeten Band Spock's Beard, hat
sich das schon zuvor gestartete Solo-Schaffen des Neal
Morse weiter gesteigert. Die Veröffentlichung mehrerer Studio-Konzeptalben,
darunter neuerdings auch Worship-Projekte, wurde von Konzertauftritten
und einer live-DVD des US-Künstlers
begleitet. Diese Auftritte führten den anerkannten Vertreter des
Progressive-Rock auch nach Deutschland - wohin er besondere Verbindungen
hat. CCM-Rezis sprach mit ihm in einem Exklusivinterview über dieses
Verhältnis, seine Ansichten zur Christenheit sowie natürlich
über seine Musik.
Frage, David Decker, CCM-Rezis (D.D.): Wir
sind ziemlich neugierig, denn wie in aller Welt ist es möglich so
viele qualitativ hochstehende Alben in so kurzen Zeiträumen zu veröffentlichen?
Antwort, Neal Morse: Nun, es freut mich, daß du sie als "high
quality albums" einschätzt, Danke! Gut, wenn man von der Musik
lebt, so wie ich, kann man eine ganze Menge schaffen. Ich denke wir sind
zu viel mehr befähigt/ talentiert, als was wir denken - wenn
wir Gott wirklich wirken lassen! Denk daran, zu wieviel Kreativität
Gott fähig ist. Und wenn du Sein Instrument bist, denke ich, daß
Er sehr viel tun kann. Er kann viel mehr tun, als wir uns je vorstellen
können.
CCM-Rezis, D.D.: Bis jetzt weiß ich
noch nicht sehr viel über Progressive-Rock (Entschuldigung? :-) -
wie würdest Du jemandem wie mir Deine Musik erklären? Worum
geht es?
Neal Morse: Ich beschreibe es so: Es sind ganz viele Musikstile
"zusammengeworfen" zu einer Sache. Da gibt es etwas Pop,
etwas Rock, einige klassische Elemente, ein bißchen Jazz. Und für
gewöhnlich durchbricht es die normalen Songstrukturen - es ist eben
nicht nur Vers-Chorus, Vers-Chorus. Ich benutze etwas mehr Instrumente,
stecke da musikalisch mehr drin bzw. rein. Manchmal, naja eigentlich öfter
werden auch sehr ungewöhnliche Noten verwendet... Aber das wichtigste
ist eben, daß viele Genres zusammen eine neue Sache bilden, und
deshalb liebe ich es so sehr, denn ich kann sehr frei schreiben, weil
ich nicht daran denken muß, in welchem Genre ich mich gerade befinde.
Freiheitliches Songschreiben, daß gefällt mir daran!
CCM-Rezis,
D.D.: Deine neuesten Songs (Album "?
(question mark)" 2005) basieren sehr stark auf der Bibel - was
bedeutet die Bibel für Dich heute bzw. in diesem Zeitalter?
Neal Morse: Ich denke, die Bibel ist jenseits der Zeit. Die Bibel
sagt, ein Tag des Herrn sind Tausend Jahre und Tausend Jahre sind
ein Tag. Sein Konzept der Zeit ist anders; ich denke, die Bibel
überschreitet die Zeit: sie ist für uns heute genauso relevant
wie sie es seit jeher war. Und das ist so großartig daran. Ich hörte,
daß man im Altertum die Bibel mit einem Diamanten verglich, an dem
man ganz viele Flächen sieht, und wenn man ihn bewegt, reflektiert
jede davon das Licht etwas anders. Und so ist es mit verschiedenen Bibelstellen,
wenn man eine von verschiedenen Perspektiven ansieht, dann reflektiert
sie das Licht etwas anders. Es gibt so viele Dinge, die wir in Gottes
Wort erkennen können.
CCM-Rezis, D.D.: Da Du ja Christ bist, hast
Du auch Kontakte in die sogenannte christliche Musikszene (Stichwort "Nashville")?
- Ich hörte, Du hast bereits mit Rick Altizer gespielt, gibt es noch
mehr Verbindungen?
Neal Morse: Oh ja, Rick Altizer ist ein guter Freund von mir.Mehr
Verbindungen, yeah: Phil Keaggy!
Ich arbeitete mit Phil Keaggy am "one"-Album
zusammen, was echt super war. Es gibt noch einige mehr, jedoch bin ich
nicht wirklich verbunden mit der ganzen "christlichen Musikwelt",
echt! Ich komme aus dieser Welt des Progressive-Rock, deshalb bin ich
nur im Sinne der Szene als ein "Geschäft" mit ihr in Kontakt.
...doch ich hatte das Vergnügen mit Kerry Livgren von Kansas zusammenzuarbeiten
- ja wirklich mit einigen sehr unterschiedlichen und großartigen
Menschen. So freue ich mich darauf, mit mehr und anderen Leuten zusammenzuarbeiten,
die in der Nashviller christlichen Musikszene drin sind, und auch von
ihnen zu lernen.
CCM-Rezis, D.D.: Dein Independent-Worshipalbum
klingt sehr frisch. Was hat Dich inspiriert, dieses Projekt zu machen?
Neal Morse: Oh ja mein Independent-Worshipalbum - ich war inspiriert!
Wir kamen rüber nach Deutschland, um einige Anbetungskonzerte in
verschiedenen Kirchen und Gemeinden und an Universitäten zu spielen.
Und ich wollte etwas haben, was ich ihnen geben konnte. Vielleicht
etwas, was sie mitnehmen konnten, was ihnen helfen würde, den Herrn
anzubeten und das ganze in Ihm fortzusetzen. Also machte ich das Album
im letzten Jahr, für diese Menschen, um ihnen zu helfen, wirklich
nahe zum Herrn hingezogen zu werden/ sein. Dies hat mich inspiriert, es
zu machen.
CCM-Rezis,
D.D.: Bist Du vertraut mit diesem "Worship-Trubel" (bzw.
'großen Geschäft') in den Kirchen/ Gemeinden heutzutage? Oder
ist das etwas, wo Du eine Abneigung spürst?
Neal Morse: Meinst du diese Modern-Rock-Sachen, die man zum Beispiel
im Fernsehen sehen kann? Oh, ich weiß nicht, ob ich eine Abneigung
habe. Einiges davon mag ich, anderes nicht. Manches berührt wirklich
mein Herz, anderes läßt mich innerlich kalt zurück. Ich
glaube es ist wie mit jeder anderen Musik: einiges davon mag ich, aber
anderes erreicht mich nicht. Was ich tatsächlich nicht mag, sind
die Sachen im Fernsehen, die so aussehen wie ein normales Rockkonzert.
Sogar, wie sie es geschnitten haben, als wäre es "MTV".
Diese echt schnellen Schnitte und Bewegungen - mmh, mich bringt es nicht
dazu, Gott anzubeten, das ist eine ziemlich weltliche Sache. Daher
mag ich dies einfach nicht, doch ich mag das Wort, das ich
so viele Male höre. Das Wort Gottes selber ist sehr kraftvoll dort.
Es ist eben einfach eine visuelle Sache.
CCM-Rezis, D.D.: Ein ganz anderes Thema:
In der Vergangenheit warst Du bereits in Deutschland und hast auch diesem
Jahr einige Auftritte gespielt. Was denkst Du über die deutsche Kultur?
...und was von der deutschen Musik (mit deutschsprachigen Texten)?
Neal Morse: Ich habe nicht so viel deutsche Musik mit deutschsprachigen
Texten gehört! Die meiste Zeit, was ich am meisten höre, hat
englische Texte - seltsamerweise! ;-) Sogar, als ich in den deutschen
und holländischen Kirchen/ Gemeinden war, sangen sie in Englisch!
Oh, sie sangen einige Sachen auf holländisch oder in deutsch, doch
sehr viel war auf Englisch! Also ich habe das ganze noch nicht richtig
aufgedeckt...

Mir gefällt die deutsche Kultur, ich liebe die Deutschen! Ich bin
sehr eng mit Deutschland verbunden, mein Bruder lebt da, ich habe einen
Neffen in Deutschland und viele viele gute Freunde dort. Ich fühle
mich auf eine bestimmte Weise zu Deutschland hingezogen - ich denke der
Herr ist hier dabei. Interessanterweise habe ich drei Jahre Deutschunterricht
genommen, einfach aus anderen Gründen, aus komischen Gründen,
echt. (Lacht!) So, damit ich in diese besondere
Schule konnte, nahm ich drei Jahre lang Deutschunterricht, damals als
ich noch jung war, in der Schule! Nicht, daß ich mich noch an vieles
erinnern würde, doch es half mir schon ein bißchen.
CCM-Rezis, D.D.: Es wird hier oft heiß
diskutiert - was denkst Du darüber, wenn sich die Musik-Kultur mit
Gesellschaft und Politik verbindet? Hast Du irgendeine politische Botschaft
als Musiker oder als Christ?
Neal Morse: Gewiß habe ich eine Botschaft als Christ. Ich
weiß nicht wie es mit einer politischen Botschaft ausschaut? Ich
glaube, ich denke über diesen Punkt ziemlich anders als viele Leute.
Ich sehe Jesus nicht als unser Beispiel, sich in der Politik zu engagieren.
Für mich sagt Er: 'Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott,
was Gottes ist.' [Vgl. Die Bibel, Matthäus-Evangelium
22,21b -D.D.] Also die Dinge der Politik erscheinen mir so, als
gehörten sie auf diese Welt. Das Reich, welches Jesus regiert,
ist nicht von dieser Welt. Also ich strebe nach den Dingen, die oben
sind und nicht nach denen, die hier sind. Mmh, ich denke in diesem
Sinne bin ich nicht politisch, weil ich nicht gegen Politik, aber jetzt
nicht auf sie konzentriert bin. Du weißt, ich bin auf die seelischen,
geistlichen Dinke fokussiert. Definitiv habe ich eine Botschaft als Christ,
aber keine Politische, zumindest denke ich, daß es so ist.

Wenn Menschen spüren, daß dies ihre Berufung ist, sollten sie
ihr nachgehen, soweit wie Politik geht! Vielleicht fühlen sich Leute
von Gott berufen, sich da zu engagieren. Doch ich sehe für mich selber,
daß mich dies [die Politik] nicht sehr interessiert.
CCM-Rezis,
D.D.: Was siehst Du eigentlich als die Aufgabe der Kirche/ Gemeinde
in der heutigen Zeit?
Neal Morse: Die Aufgabe für die Kirche/ Gemeinde ist dieselbe,
die sie immer hatte: Sie soll Überwinder hervorbringen. Menschen
dahin führen - eben ganz normale Leute - sie zu Menschen verändern,
die Sünde überwinden und gemeinsam die Braut Christi bilden;
Menschen herausbilden, die für Gott als Söhne und Töchter
akzeptiert/ annehmbar sind. Und dies ist die Aufgabe der Kirche/ Gemeinde
- ein Ort zu sein, wo der Geist Gottes wohnt, wie im Allerheiligsten in
der Stiftshütte in der Wüse. Das war der Ort - sie bauten ihr
Lager um das Allerheiligste herum auf, weil da Gottes Gegenwart war. And
das soll die Kirche/ Gemeinde heute sein, wo Gottes Gegenwart herrscht.
Und wir schlagen unser Lager ringsherum auf und beobachten, wie sich die
Wolke bewegt. Und wir werden geleitet, geleitet durch den Geist Gottes
innerhalb der Kirche/ Gemeinde.
CCM-Rezis, D.D.: Eine etwas intimere Frage,
was hat Dich Gott in der letzten Zeit gelehrt?
Neal Morse: Ich glaube eine Sache, die Gott mit mir in letzter
Zeit macht, ist, mir zu zeigen, worauf das Evangelium sich konzentriert.
Es ist so darauf bedacht, hier in der kirchlichen Welt in Amerika, daß
andere Menschen gerettet werden, es scheint die erste Perspektive der
Kirche/ Gemeinde zu sein: damit Leute gerettet, eben andere erreicht
werden. Ich denke, das ist gut, es ist auf keinen Fall eine schlechte
Sache. Es ist gewiß etwas, worum es Jesus ging. Er sagte, 'Ich kam,
um das Verlorene zu retten'. Doch wenn man wirklich das Evangelium,
die Evangelien, ja, das ganze neue Testament liest, die Lehren
des Paulus und der Apostel - die Hauptsache, die gelehrt wird, handelt
nicht davon, wie Menschen gerettet werden sollen, sondern wie man selber
sicher gerettet sein kann ("how to be saved yourself"). Bei
dem, was Paulus lehrt, geht es hauptsächlich darum, wie man ein christliches
Leben lebt, wie man den Weg geht. Es geht um ein nach innen gehendes (innerliches)
Wirken. Und was Jesus seinen Jüngern hauptsächlich lehrt, wie
wir Söhne Gottes werden, wie man richtig/ rechtschaffen mit Gott
lebt. Es ist mir wirklich deutlich geworden, denn die meisten Anweisungen
im Neuen Testament sind für uns, für unser Leben und
unser Herz und nicht dazu... - also es gibt nur sehr wenige Anweisungen,
wie jemand gerettet werden kann. Paulus erzählt der Gemeinde in Korinth
darüber nichts, er erzählt ihnen, wie sie den Weg gehen
sollen, wie sie mit allen in der Gemeinde umgehen sollen, wie sie leben
sollen, wie sie lieben sollen und alles solche Dinge. Mir ist dies einfach
neulich so bewußt aufgefallen.
CCM-Rezis, D.D.: Noch eine letzte Frage,
hast Du eine besondere Botschaft für unsere Leser oder Dein Publikum
in Deutschland?
Neal Morse: 'Liebe Gott, mit deinem ganzen Herzen, deiner ganzen
Seele und deinem ganzen Verstand und liebe deinen Nächsten wie dich
selbst. Darin sind alle Gebote erfüllt.' [Vgl.
Die Bibel, Matthäus-Evangelium 22,37+39+40 -D.D.] Also daß
haben wir nötig zu tun! Und begehrt/ verlangt nach dem Geist Gottes
- mit eurem ganzen Herzen, sucht Gottes Geist! Paulus sagt das: 'Es
ist durch den Geist, daß wir das Fleisch überwinden.' [Vgl.
Die Bibel, Galater-Brief 5,13-26 -D.D.] Und ich glaube, es gibt
keinen anderen Weg! Wir brauchen mehr vom Geist Gottes, dem Geist und
der Wahrheit.

Gott segne euch!
Vielen Dank für Deine Antworten, Neal!
Gott segne Dich und Deine Familie, Deine Band und Deinen Musik-Dienst!

Herzliche Grüße sendet
~ David Decker & CCM-Rezis-Team
Ein besonderer Dank geht an Matthias Bölsing,
der dieses Interview ermöglichte sowie an Neal Morse selbst, für
die prompten und direkten Reaktionen.
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