Jim Stovall
"Das ultimative Geschenk"

( 2007 Verlag Gute Nachricht / Buchhandel )
»Am Ende ist jede Person nur für das bekannt, was sie im Leben anderer bewirkt hat.« (Seite 18)
12-Monate-Crashkurs für ein besseres Leben
 Die Familie des Öl-Tycoons Red Stevens ist ein eindrückliches Beispiel dafür, wie Geld den Charakter verdirbt. Statt mit ihrem Reichtum etwas im Leben anderer zu bewirken, suhlen sich seine Kinder in Luxus, Arroganz ... und der Aussicht auf ein Riesenerbe. Einzig im 24-jährigen Grossneffen Jason ahnt der alte Mann ein Potenzial zum Besseren, doch die Beziehung der beiden ist gestört, Jason auf bestem Weg, ein verwöhntes Ekel zu werden. Doch dann stirbt Red Stevens – und jetzt, buchstäblich aus dem Grab heraus, gelingt es ihm, den jungen Mann auf die wesentlichen Dinge im Leben aufmerksam zu machen.
Am Anfang stehen ein Videoband und die vage Aussicht auf ein überaus kostbares Geschenk. Doch der Weg dorthin entpuppt sich zu Jasons Verdruss, der sich am liebsten bequem ein paar Millionen einstreichen würde, als schwierig, denn er ist mit Aufträgen gepflastert. Als eine Art 12-Schritte-Crashkurs, in dessen Verlauf so ziemlich alles, was Jason bisher geglaubt und erstrebt hat, über den Haufen geworfen wird. Anfangs hält ihn nur die Drohung des Testamentvollstreckers vom Aufgeben ab: »Junger Mann, Sie haben zwei – nur zwei – Optionen. Entweder Sie durchlaufen den Prozess so, wie Red Stevens es für Sie geplant hat, oder Sie brechen einfach hier ab. Aber eines sage ich Ihnen, Ihre Einstellung bringt Sie gefährlich nahe daran, das ultimative Geschenk Ihres Onkels zu verlieren.« Doch mit der Zeit entdeckt er in sich einen Eifer, von dem vorher nur Red Stevens eine Ahnung hatte. Monat für Monat lernt Jason tiefer verstehen, welche Reichtümer das Leben bereithält, die eben nicht mit Geld aufgewogen werden können: Freundschaft, Familie, die Fähigkeit, zu arbeiten, zu lachen, zu träumen, zu geben, zu danken, zu lieben ... Insgesamt 12 Geschenke, wie sie Jim Stovall nennt. Am Schluss des Buchs steht ein veränderter Mensch da mit einem ganz neuen Traum für sein Leben.
Erzählt wird aus der Rückschau, und zwar aus der Perspektive von Mr. Hamilton, dem 80-jährigen Testamentvollstrecker.
Indem kapitelweise je einer der Aufträge behandelt wird, wirkt das Buch episodenhafter als der stark abgeänderte und verdichtete Kinofilm von Michael O. Sajbel. Während der Film Jasons Erlebnisse in Bildern und Dialogen veranschaulicht, wickelt das Buch seine monatlichen Entdeckungen in knappen Berichten ab, die er Mr. Hamilton pflichtschuldig erstattet. Weil wir ihn also nur zusammen mit dem Anwalt erleben, bleibt Jason recht eindimensional (man fragt sich, wie er seine Tage wirklich verbringt); er wirkt oft eher wie ein Junge als wie ein 24-jähriger Jetsetter. Dafür sind die Botschaften des Onkels über die 12 Geschenke sehr viel deutlicher ausgefallen. Hier belehrt der alte Mann seinen Neffen deutlich ab Videoband, hält ihm einen Spiegel vor und betont immer wieder die Wichtigkeit dieser Lebenslektionen, die der junge verwöhnte Mann nachholen soll.
Der Autor, der trotz Blindheit eine bemerkenswerte Karriere als Fernsehmoderator
und Motivations-Sprecher absolviert hat, hegt mit seinem 2001 erstmals
erschienenen Buch eine Vision, die über blosse Unterhaltung hinausreicht
– und laut den Feedbacks voll ankommt. Hinter der Mentorfigur Red Stevens
steht Jim Stovall selber, der uns seine Lebens-Erkenntnisse vermachen
möchte. Obwohl Red Stevens betont, »dass alles, was wir
in diesem Leben jemals tun, wissen oder haben werden, ein Geschenk unseres
guten himmlischen Vaters ist«, entwirft "Das ultimative
Geschenk" kein ausdrücklich christliches "Lebenskonzept".
Veränderung geschieht hier, ohne dass eine Umkehr zu Gott und das
Wirken des Heiligen Geistes sichtbar werden, was natürlich die Gefahr
birgt, dass Gutmenschentum aus eigener Kraft (und die reicht bei uns nicht
weit) verkündet wird. Doch wer sich – auch ohne Aussicht auf ein
Milliardenerbe – neugierig auf Red Stevens’ Vermächtnis einlässt,
wird vielleicht bald selber die 12 Geschenke in seinem Leben bewusst annehmen
und auspacken: Arbeit, Freundschaft, Geld, Lernen, Probleme, Familie,
Lachen, Träume, Geben, Dankbarkeit, das Geschenk eines Tages, Liebe.
Fazit: "Das ultimative Geschenk" ist sicherlich kein Stück
Weltliteratur, aber eine inspirierende, leicht verständliche Geschichte,
die den Leser zum Nachdenken über sein eigenes Leben anregt. Ich
persönlich finde, dass der kompakte Kinofilm
hier für einmal eindrücklicher ausgefallen ist als die Buchvorlage,
die mehr zusammenfasst als erzählt. Dennoch ist "Das ultimative
Geschenk" eine feine Geschenkidee, besonders für Jugendliche.
|