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Zeichen der Zeit (Projekt/Verschiedene) - ''Zeichen der Zeit''Zeichen der Zeit (Projekt/Verschiedene)
"Zeichen der Zeit"


   ( 2004 BATB Music/Sony / 'Plattenläden'; online )

Reichlich drei Monate nach der ersten - und kommerziell erfolgreichen - 'Zeichen der Zeit'-Single, "du bist nicht allein", erschien das zugehörige Projektalbum. Relativ einfallslos ist es genauso wie das Projekt betitelt... Wie schon bei der Single geht die Initiative wieder von der Band Allee der Kosmonauten um Mischa Marin aus. Auf diesem Album sind nun viele der Künstler, die an der Single mitwirkten, mit vollen eigenen Liedern vertreten, es gibt aber auch zwei gemeinsame Tracks zu hören. Davon ist einer natürlich "du bist nicht allein" (# 18), desweiteren hört man den Titelsong "Zeichen der Zeit" (# 1).

Es ist ein sehr zwiespältiges Album geworden, welches verschiedene Stile, Textarten und Sprachen unter einen Hut kriegen muß, was leider im Ergebnis nur halb gelungen ist. Von der Musik her ist das Meiste im Bereich trendiger, souliger Pop-Rock anzusiedeln. Es erklingt jedoch auch Jazziges und ein bißchen Hip-Hop. Paddy Kelly (ja der von der Kelly Family!), The Flames und Allee der Kosmonauten sind die einzigen "richtigen" Modern-Rock-Ausreißer. Musikalisch ist es sehr abwechslungsreich und bietet viele aktuelle Sounds. Es ist daher auch ein idealer Überblick über zur Zeit nicht so bekannte Künstler (ausgenommen die Acts Catterfeld, Nuo und Naidoo) aus Deutschland, die dennoch ihr Handwerk verstehen. Wer also neue Entdeckungen machen möchte oder neue Songs seiner Lieblinge sucht, bekommt mit dem Projekt guten Nachschub für seinen Player.

Wie fast schon erwartet, ist "Zeichen der Zeit" kein christliches Album geworden, auch wenn der abgedruckte Bibelvers aus dem Johannes-Evangelium Kapitel drei, Vers sechzehn manchen Betrachter/ Hörer dazu verleiten könnte. Dazu sind die inhaltlichen Divergenzen einfach zu groß! Angeblich sollen sich ja hier Musiker, wegen dem (bzw. "ihrem") christlichen Glauben zusammenfinden und dem "kleinsten gemeinsamen Nenner Sinnsuche". Weit gefehlt meine ich. Den Vogel schießt Higheads feat. Cappucino mit seinem Rap "ich schreib mir die Bibel" (# 15) ab: Es geht darin um Selbstliebe, Selbstverwirklichung die Forderung dieser "Neuen Bibel", nur die Menschen zu lieben. Echt blasphemisch und sicher für viele Christen sehr bitter, so was auf einer CD zu hören, die auch im christlichen Markt vertrieben wird und zusammen mit christlichen Interpreten entstanden ist! The Flames beschäftigen sich in "St. Antonio" (# 17) ebenfalls mit sich selbst und nicht mit Gott/ dem Glauben; gleiches gilt für die Songs von Yvonne Catterfeld und Patrick Nuo. Bei den Titeln von Yvonne Betz, Paddy Kelly und Ben sind Interpretationen auf den Glauben hin möglich. Auf jeden Fall ist es aber bei den Stücken von Beatbetrieb, Judy Bailey, W4C feat Rolf Stahlhofen (von den Söhnen Mannheims) und Sarah Brendel möglich. Apropos Sarah Brendel: "Turn" (# 7) ist musikalisch einer ihrer bisherigen Top-Titel, hätte wunderbar auf ihr Album "under the fire" gepaßt ;-)

Etwas konfus-avantgardistisch kommt Allee der Kosmonauten mit ihrem "wohin" (# 9; bereits von der Single bekannt!) an. Es fragt, "wohin die Reise" geht und hat am Songausklang sogar ein Zitat aus Psalm 139. Xavier Naidoo beginnt in seinem Stück "alle Zeichen" (# 10) gewohnt konfus, jedoch mit religiösem Pathos. Was die ersten beiden Strophen und der Refrain aussagen sollen, kann ich mir bis jetzt nicht erklären, es ergibt irgendwie keinen Sinn. Dagegen setzt er in den beiden letzten Strophen des Songs zu nachvollziehbarer gesellschaftlicher und religiöser Kritik an. Wessen Religion und Glauben er meint, verschweigt er jedoch. Bisweilen gleitet er in Pauschalurteile und Klischees ab, wenn er behauptet, wir wären in einer "tatenlosen Zeit" und es gäbe "zu wenig Hallelujah auf den Herrn" - offenbar kennt er ja die Lobpreisbewegung noch nicht...

Überrascht hat mich das Lied "dass du kein Zufall bist" (# 12), eine Reflexion über Sinnsuche und Zweifel, getextet von Mischa Marin. Inhaltlich orientiert es sich an biblischen Texten, z.B. Psalm 139. Eingesungen hat es die Newcomerin Silvia Dias - von dieser schönen Soul-Pop-Stimme mal ein Soloalbum zu hören, würde ich begrüßen ;-) Weiterhin hat mich auch das Auftauchen der deutschlandweit bekannten Jazzcombo Jazzkantine erstaunt. Die hätte ich hier nun gar nicht erwartet. Doch deren Beitrag "emonition" (# 13) klingt gewohnt niveauvoll, mit einem entspannten Rap und ebensolchem Arrangement. Zum Thema des Liederzyklus scheinen sie dagegen nichts beizutragen, ihr Text ist eher aus dem Bereich Fun, denn Glaube. Bleibt als Letztes eine Anmerkung zu dem Track von Dino Merlin feat. Edo Zanki, "verletzt" (# 14). Dieses spanisch-deutsche Machwerk klingt erst mal originell, fällt neben den rein deutschen bzw. englischen Beiträgen etwas aus der Reihe, macht jedoch inhaltlich seinem Titel alle Ehre... Da geht es um innere Verletzungen, um Frust und Herzenshärte. Leider kann ich das Spanische nicht übersetzen, dafür jedoch die beiden deutschen Verse kommentieren: Der Frieden läge in weiter Ferne und die Seele wird/ will nicht heilen. Da kann ich als Rezept eben wieder nur Jesus Christus empfehlen, der tragfähige Antworten auf solche Fragen hat und alle Seelen heilen kann!

Interessant ist das Bonusmaterial auf der Platte: Es gibt damit Internetzugriff auf den kompletten Videoclip zu "du bist nicht allein" sowie außerdem auf den Audiotrack "ein weiterer Morgen" - der ja später bekanntlich die zweite 'Zeichen der Zeit'-Single wurde.

Fazit: Ein musikalisch interessantes und inhaltlich oft fragwürdiges Projektalbum. Mögen manche Beiträge noch so schön gelungen und originell sein, werden sie durch andere völlig verkorkste Aussagen bei manchen Songs wieder aufgewogen. Bei aller Kritik, muß ich dennoch Anerkennung zollen, daß in der deutschen Szene überhaupt so eine Zusammenarbeit zwischen "Konkurrenten" möglich war, auch und gerade über religiös orientierte Themen. Damit kommen sie wenigstens einmal aus der Privatsphäre heraus! Wer an den genannten Künstlern interessiert ist, sollte auf jeden Fall vor dem Kauf in die gesamte CD reinhören, um keine unangenehmen Überraschungen zu erleben... So, bleiben jetzt eigentlich nur noch meine Anspieltips zu nennen: Sarah Brendel mit dem wundervoll-atmosphärischen "turn" (# 7), Patrick Nuo mit dem kraftvollen "underwater" (# 6), Silvia Dias mit dem Mutmacher "dass du kein Zufall bist" (# 12) und last but not least Yvonne Betz mit der 'erlösenden' Soulhymne "salvation" (# 16).


—David Decker für CCM-Rezis, September 2004


x-report CD-tip:
»Musiker machen sich auf die Suche nach Gott und den Sinn des Lebens. Das ist die Idee, die hinter dem Projekt "Zeichen der Zeit" steht. Nach der ersten Single "Du bist nicht allein", die es im vergangenen Winter bis auf Platz 8 der deutschen Charts geschafft hat, ist jetzt das Album erschienen. 16 Interpreten haben zusätzlich zu den Stücken "Du bist nicht allein" und "Zeichen der Zeit" je ein eigenes Lied beigesteuert. Mit dabei sind Größen wie Xavier Naidoo, genauso wie unbekannte Namen. Künstler wie Sarah Brendel oder "Allee der Kosmonauten", die sich klar zu ihrem Glauben stellen, und andere, deren persönlicher Standpunkt auf diesem Album unklar bleibt. Textlich reicht die Bandbreite der musikalischen Beiträge von kitschiger Inhaltslosigkeit (Yvonne Catterfeld) bis zu überraschenden Bekenntnissen (Ben: "Herr, laß mich nicht zweifeln"). "Zeichen der Zeit" ist ein Sammelsurium guter Gedanken und hochkarätiger Musik und eine Anregung für viele lange Gespräche.«

—Doro Wiebe für x-report/ideaSpektrum 17/2004
Hinweis: Hier dargelegte Meinungen von Gastautoren müssen nicht die Meinung der CCM-Rezis-Redaktion wiedergeben.

Daten:
18 Titel / 72 Min.
Musikstil: Deutsch-Pop, Soul
Label(s): 2004 beats around the busch music GmbH, Mannheim / Sony Music
               Entertainment, Köln / 'Plattenläden'; online
Website: http://www.zeichen-der-zeit.com

weitere CDs - siehe 'Zeichen der Zeit'-Projektseite >>
 


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