|
 Michelle
Williams
"heart to yours"

( 2002 Columbia Records, Sony
Music / Integrity /
Asaph Musik;
'Plattenläden'; online )
Im Januar 2000 riefen zwei Mädels bei einer jungen,
gestandenen Gospelsängerin an, weil sie Verstärkung für
ihre Mission brauchten. Die beiden Mädels waren von der säkularen
Girlgroup Destiny's Child und die Gospeldame, das war Michelle Williams.
Seit sie bei der Band ist, kursieren ständig Berichte, über
eine gewisse "Christlichkeit" von Destiny's Child, wohl ausgelöst
durch Michelles Religiosität - und verfremdet von den Medien.

Wie dem auch sei, Michelle machte erste öffentliche gesangliche Erfahrungen
- wie sollte es anders sein - in einer Gospelkirche. Die Whitney Houston-Geschichte.
Wieder einmal. Nur das Michelles Vorbilder dann doch mehr die christlichen
Gospelsänger waren, wie zum Beispiel Kirk
Franklin, Yolanda Adams und - wie sie meint, ihr männlicher Lieblingssänger
- Marvin Winans. Mit der Zeit hatte sie sich hochgesungen und einen Namen
gemacht und ist eben jetzt prominentes Mitglied einer der erfolgreichsten
Soul-Girlgroups weltweit.

Michelle Williams möchte 'ohne wenn und aber' ihren Weg gehen, deshalb
war es klar, daß sie neben der Bandarbeit auch ein Gospelalbum veröffentlichen
würde. Im Frühsommer 2002 war es nun soweit. Es wurde gleichzeitig
auf dem säkularen und christlichen Markt veröffentlicht; der
Vertrieb scheint hier mal reibungslos zu klappen. Einen großen Wehrmutstropfen
gibt es allerdings, denn Sony Music hat der Platte seinen Kopierschutz
"Key2Audio" auferlegt, was bedeutet, daß im PC anhören
leider nicht funktioniert. Auch bei den Audio-Geräten, wie Stereo-Anlage,
Autoradio usw. sollte man vorsichtig sein, im schlimmsten Fall gehen die
Geräte kaputt! Wegen dieser Kundenfeindlichen Borniertheitsstrategie
sollte man Sony eigentlich boykottieren!

Zurück zur Musik: Die ist erste Sahne. Als Gäste wirken mit
Mary Mary, die Gospelgruppe Men Of Standard,
Gospelqueen Shirley Caesar, Gospelking Carl Thomas und natürlich
ihre beiden Bandkolleginnen von Destiny's Child. Die Duette sind allesamt
super gelungen, das Gospelfeeling kommt auf und glaubhaft rüber.
Wenn Michelle solo singt, wird es meist etwas souliger! Meine Lieblingsstücke
auf dem Album sind "so glad" (# 3; mit Mary Mary veredelt!),
"better place" (# 5; ein Lied zum 11. September 2001), "change
the world" (# 6) und das herrliche Gospelmedley (# 11). Der Titelsong
(# 1) stellt eine gesungene Liebeserklärung an Gott dar und ist purer
Soul. "Heard a word" (# 2) ist sehr poporientiert und stellt
die Verbindung zur Popszene dar.

Inhaltlich kann die CD als christliche- bzw. Gospel-CD durchgehen, auch
wenn nicht bis ins letzte klar ist, wie fest Michelle an Jesus glaubt.
Jedenfalls zeugt sie vom Herrn und Seiner Liebe. Ich frage mich eben nur,
wie sie das mit manchen Dingen in ihrer Bandkarriere vereinbart... Oder
ist das etwa ein neuer Trend, daß die großen Leute des Popgeschäfts
jetzt reihenweise Gospel-Platten herausbringen? Einige andere gibt es
ja bereits, z.B. Barbara Streisand vor einigen Jahren. Der Maßstab
für eine Bewertung kann aber nur Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit
sein, im Verhältnis zur "anderen" Karriere!
Michelle hat hier bei vier der zwölf Tracks mitgeschrieben, die anderen
wurden von bekannten Größen aus der Gospel- und Popszene beigesteuert.
Insgesamt ist die Stimmung des Werkes sehr positiv - Hoffnung und Freude
sind zentrale Begriffe. Michelle drückt ihre Freude über ihre
Beziehung zu Gott aus und deren lebens- bzw. weltverändernde Kraft.
Ihr Herr ist ihr alles und Er kümmert sich um sie singt sie.

Fazit: Ein sehr souliges und modernes Gospelalbum mit dem Herz am rechten
Fleck. Wer dieses Genre liebt, für den ist die neue von Michelle
Williams ein Pflichtkauf. Wer dagegen bereits Fan von Destiny's Child
ist, der sollte unbedingt vorher reinhören, um keine Überraschung
zu erleben.
|