Soundtrack / Various - ''Extreme Days''Soundtrack / Various
"Extreme Days"


   ( 2001 Forefront Records / Gerth Medien )

Filme und Soundtracks scheinen jetzt in der christlichen Subkultur das nächste große Ding zu werden. Nachdem sich ja nun die "christliche Musikindustrie" über Jahre hinweg etabliert hat. Oder habe nur ich den Eindruck, daß man nun endlich auch Hollywood "knacken" will?
Nun gut, Hollywood bringt mit "Extreme Days" im April 2001 ein neues Road Movie für den Jugendmarkt in die US-Kinos. Die Botschaft und die Aufmache des Films ist nicht christlich, aber dafür "positiv", was immer das heißen mag. Da es ja oft "abenteuerlich" und fetzig-spaßig zugehen soll, muß auch die passende Musik dazu geliefert werden. Hier bekam nun das fromme Plattenlabel Forefront Records den Zuschlag. Was immer auch das wieder heißen mag...

Die Auswahl der Titel und Interpreten ist sehr vielfältig und erhöht insgesamt den Spaßfaktor. Toll, daß auch einigen unbekannteren Independent-Künstlern bzw. Newcomern eine Chance gegeben wurde. Jamie Rowe (Guardian!), East West, Fold Zandura und .rod laver liefern dann auch mit die besten Tracks der Platte ab!
Eine Überraschung ist der Titeltrack des Albums, gleich ganz am Anfang: Toby McKeehan liefert sein erstes Solostück ab. Es ist der Oberknaller der Platte und wird sicherlich einer der Jahresfavoriten bei den Fans werden. Das Lied ist schnell, rockig-kantig, und das Beste überhaupt: TobyMac rappt wieder! Und gleich noch einer liebt die Selbst-Verwirklichung: Michael Tait, auch noch so ein dc Talk-er. Er liefert mit seiner "Tait Band" ein spritziges Ohrwurm-Stück ab (manche Melodiebögen erinnern allerdings stark an "lucky one" von Amy Grant...). Man darf gespannt sein auf mehr, wenn in diesem Jahr die Soloplatten der drei dc Talk-Herren erscheinen werden. Eine Vermutung meinerseits geht dahin, daß sie die Bandalben wohl alle drei um einiges übertreffen werden. Nachdem, was man hier hört, ganz sicher.

Obwohl Toby einen Knaller abliefert, gefällt mir persönlich der Song "king planet" von Fold Zandura musikalisch am besten. Einfach eine geniale Synthese aus Alternative-Rock und Elektronika. Mehr kann man nicht sagen, daß sollte man hören!
East West überraschen mit einer guten Mischung aus altbewährten Hard-Rock und ein bißchen Crossover - toller Refrain! Leider ist das Vergnügen schon nach zwei-dreiviertel Minuten wieder vorbei. Fanmail sind eine personelle und klangliche Kreuzung aus Plankeye und MxPx und liefern hier einen schnellen, spaßigen Surf-Punktitel ab. Dabei bleibt dann aber (typischerweise?) jede sinnvolle oder gar christliche Textbotschaft auf der Strecke. Von der gleichen Sorte ist der Beitrag von PAX217: Musik top, Text Flop! Da hilft es dann wohl auch nichts, wenn sie im Film sogar selber mitspielen - nämlich sich selbst. Was will uns diese Band mit ihrer Musik sagen?
John Reuben ist als HipHopper schon fast wieder die Ausnahme auf der CD, aber auf jeden Fall eine erfrischende Abwechslung. Der Song haut rein, auch wegen seiner Lässigkeit und den eingebauten Rock- und Popelementen, aber vielmehr wegen seines ansprechenden Textes über Gottes Liebe. Übrigens wirkt hier auch TobyMack wieder rappenderweise mit. Den besten Songtext und auch einen der besten Hooklines und Intros liefern wieder mal die Newsboys ab. "Entertaining angels" beschreibt, wie man auch als darniederliegender, ausgebrannter Konsument der westlichen Wohlstandsmedienwelt Gottes Nähe und Eingreifen wieder als Lebensrealität erfahren kann. - Gottes Engel freuen sich auch über einen Sünder, der umkehrt und Buße tut. Hey, dann werden die Heerscharen des Himmels Lobgesänge anstimmen! (Vielleicht so ähnlich wie das geniale Streicher-Intro, oder? :)

Außerdem gibt es noch zwei spannungsgeladene Instrumentals, passend zum Film - hier im Bereich Pop und "leichter" Dance angesiedelt. Dafür verantwortlich zeichnet ein Mann namens Klaus Badelt. Stellt sich mir daher nur die Frage, ob hier auch Deutsche mitgemischt haben? Ja, denn Klaus kommt aus Frankfurt am Main, ist Soundtrack-Komponist von Beruf und arbeitet auch mit dem "Imperium" vom deutschen "Soundtrack-Papst" Hans Zimmer (wohnhaft in Hollywood) zusammen. Ob er allerdings obendrein noch Christ ist, konnte ich bisher nicht in Erfahrung bringen.
Der Rest der Interpreten rekrutiert sich aus folgenden Acts: Earthsuit, Audio Adrenaline, SonicFlood, P.O.D. und Bleach. - Allesamt wirklich solide und passend, aber da schon von den Bandalben bekannt, natürlich auch nichts neues.

Fazit: Musikalisch gesehen eine hervorragende Zusammenstellung mit einigen "glorreichen" Überraschungsmomenten und Smashhits. Textlich betrachtet allerdings oft ein Fehlgriff, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Die Exteme vereinigen sich...


—David Decker für CCM-Rezis, Februar 2001

Daten:
17 Titel / 66 Min.
Musikstil: Modern-Rock, Dance-Rock, Crossover, Dance-Pop
Label(s): 2001 Forefront Records, USA / Gerth Medien, Asslar; online
Website: http://www.extremedays.com

Wo kaufen?:
bestellen im Gerth-Shop...
 


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