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Projekt / Verschiedene
"Zweifeln. Staunen. - Die ProChrist-CD"

( 2005 GoGospel Records; Hit'n
Run / Gerth
Medien / Hänssler-Verlag / kawohl Verlag
)
Während die ProChrist-Ereignisse
im Jahr 2006 bereits in die sechste Runde gehen - dieses Mal live
aus München - geht das entsprechende ProChrist-Musikprojekt
in seine dritte Runde. Das Konzept der "Unglaublich."-CD
von 2003 wurde im Prinzip beibehalten, mit deutschsprachigen Glaubensliedern
bzw. Pop-Titeln sowie englischsprachigen Gospel-Stücken.

Für sich genommen, halte ich diese Liedermacher- bzw. Poptitel recht
gelungen, ebenso die Gospels. Was überhaupt nicht gelungen ist: eben
jenes konzeptlose Zusammenwürfeln beider "Richtungen" auf
dieser Platte. Gerade, weil den englischen Liedern der Sinn für das
"Zweifeln und Staunen" - dem neuen ProChrist-Motto - abgeht.
Hinzu kommt das Sich-selbst-kopieren-bis-es-wehtut von Egil Fossums Chorlight.
Es ist musikalisch immer wieder derselbe Aufguß, wie ihn seit Jahren
die GoGospel-Festival-live-CDs bieten.
Langweiligkeit auf hohem Niveau. Zwar wurden einige Lieder davon neu als
Studioversion eingespielt und als Songmaterial verließ man sich
auf Bewährtes von den 'Kurt Carr Singers', 'Reed's Temple Choir'
(beide USA) sowie vier Gospel-Traditionals und eine alte Kirchen-Hymne
("how great thou art"), doch summa summarum sind die Ergebnisse
nicht befriedigend. Vielleicht dachte man sich: für's Massenpublikum
wird es reichen, es ist als Gospel identifizierbar; jedoch richtig feurigen
Gospel, da gibt es inzwischen auch im deutschsprachigen Raum bessere Chöre.
Auf dem Minuskonto kommen fehlende deutsche Übersetzungen der mitunter
nicht sehr deutlichen Lyriks hinzu.-Wie soll da mitten in Deutschland
das biblische Evangelium durch diese Musik kommuniziert werden?

Einen weitaus besseren Eindruck hinterlassen die neun deutschen Lieder:
Als Einsteiger erklingt der Titelsong, das ProChrist-Mottolied für
2006. "Zweifeln und Staunen" wurde vom ERF'ler und langjährigem
ProChrist-Moderator Jürgen Werth
getextet, von Hans Werner Scharnowski komponiert sowie von Jürgen
Werth, Beate Ling, Klaus-André
Eickhoff und Claus-Peter Eberwein (von Hopf)
eingesungen. Es wird bei den Übertragungen jeden Abend vom ProChrist-Chor
erklingen. Beim Liedtext geht es um das Staunen über den allmächtigen,
liebenden Gott, der auch Zweifeler nicht abstößt; alles mündet
in dem einen Satz: »Gott ist nah auf allen Wegen und der Himmel
kommt zur Erde«. Musikalisch kommt das Stück behutsam im
radiogenen, dennoch gemeindegeeigneten Gewand daher. Von Lothar
Kosse erklingt sein 2001er
Beitrag "es scheint ein helles Licht", von Albert
Frey & Andrea Adams-Frey der Beitrag
"die Heilige Schrift". Letzteres ist eine neu produzierte Studioversion,
unter anderem mit dem Celtic-Instrumentalisten Troy Donockley aus Großbritannien.
"Das sollen alle wissen" ist ein evangelistischer Beitrag von
Manfred Siebald, ursprünglich auf
den "Jahresliedern" (2004, kawohl) erschienen, hier neu eingespielt
und eingesungen. Ein deutschsprachiger Gospel vom 2004er GoGospel-Festival
ist "die Erkenntnis"; geschrieben von Hanne Fossum und wieder
gesungen von Bastian Matutis, allerdings auch hier eine neue Studioversion.
Es geht um die Erkenntnis menschlicher Sündhaftigkeit und gleichzeitig
des gnädigen Gottes.

Der Lobpreiser vor dem Herrn, Arne Kopfermann
hat ein neues "Kreuzlied" geschrieben: "an einem Kreuz
(Kyrie Eleison)" ist an und für sich aufrüttelnd, allerding
gefällt mir die Hookline mit "Kyrie Eleison" nicht ganz.
Eventuell hätte man dem Text noch besser eine durchgehende Linie
geben sollen? Danny Plett präsentiert
mit "Jesus am Kreuz" das überzeugendste Lied der gesamten
CD. Gesanglich erstklassig und textlich sehr klar könnte dieser Beitrag
ein neuer Klassiker des gemeindlichen Liedguts in Deutschland werden.
Zumindest wünsche ich mir das von Herzen! Geschrieben von Carola
Laux bietet das Lied "verlorener Sohn" einen griffigen Text
vor dem Hintergrund der biblischen 'Geschichte vom verlorenen Sohn' (Lukas
15). Hier als Popstück von Jo Jasper
(vormals als 'ProJoe' bekannt) interpretiert,
wirkt der Song bisweilen etwas lasch, trotz der starken Aussagen.Carola
Laux bringt ihr Stück auf ihrem
neuen Album eine Idee melodiöser (besonders beim Einsetzen des
Refrains) und atmosphärisch-eindringlicher rüber, vielleicht
hätte man lieber diese Version nehmen sollen?!?

Mit "Bayern" singt der Bayer Jo Jasper einen Beitrag zum Thema
"Heimat & Glaube". Musikalisch durchaus gelungen mit Streichern
und Jodel-Passagen (!) nimmt man dem Künstler dieses Bekenntnis zum
Freistaat, dem "Sitz" des 2006er ProChrist-Übertragunsortes
ab. Textzeilen wie »...von der Liebe, die in mir wohnt«
oder: »der Glaube an den Einen, er macht frei« machen
etwas stutzig, weil ihnen die letzte Deutlichkeit fehlt. Und genau die
erscheint mir an diesen Stellen dringed geboten. Denn Hörer, die
den christlichen Glaube bzw. Hintergrund von Jo Jasper nicht kennen, erschließen
es sich aus diesem Gedicht wohl nicht. Dennoch, ein Lob an den Interpreten,
für den Mut, dieses sehr persönliche Stück Musik mit einer
großen Öffentlichkeit zu teilen.

Ein weiterer Punkt hat bei mir großes Unverständnis hervorgerufen:
Warum wurden bei so einer intensiv beworbenen und prestigeträchtigen
Produktionen die abgedruckten Texte im Beiheft nicht besser geprüft?
Zahlreiche Tipfehler, bzw. fehlende oder falsche Textstücke wirken
nicht professionell. Bei gleich drei herausgebenden Verlagen nicht nachvollziehbar.
Hinzu kommt eine teilweise zweifelhafte graphische Gestaltung, wenn etwa
bei "verlorener Sohn" orangefarbener Text auf orange-braunem
Hintergrund zur reinen Rätselei wird. Bei vielen anderen, ist es
auch schwer zu erkennen, weil einfach lieblos über Hintergrundphotos
gedruckt wurde. Die 2003er war simpler gestaltet, aber professioneller
durchgezogen.Um dieses Manko und die fehlenden Übersetzungen
auszugleichen, gibt es exklusiv bei uns alle
Original-Liedtexte dieser CD sowie alle
deutschen Übersetzungen als PDF-Dateien zum Herunterladen!

Fazit: "Zweifeln. Staunen. - Die ProChrist-CD" enthält
an und für sich recht gelungenes Liedmaterial, besonders bei der
deutschsprachigen Fraktion. Wie gesagt, das Mischungsverhältnis ist
nicht geglückt und der Sinn dafür bleibt weiterhin unerschlossen.
Dennoch erfüllt das Projekt ähnlich wie der Vorgänger ein(e)
evangelistische(s) Funktion bzw. Ziel, wenn auch dieses Mal mit leichten
Abstrichen. Weit besser scheint diese Zusammenstellung für die Chor-
bzw. gemeindliche/ kirchliche Musikarbeit geeignet zu sein. Playback-CD
und Notenmaterial ist selbstverständlich lieferbar. Den geneigten
Fans der beteiligten Interpreten sei das Album sowieso empfohlen, da gibt
es manch Gutes zu entdecken!
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