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Projekt / Various - ''one silent night'' Projekt / Various
"one silent night"


   ( 2000 Myrrh Records / Free Records Music )

Wie jedes Jahr war auch 2000 Weihnachten wieder die schönste Zeit (in) der Musikindustrie. Und wie alle Jahre wieder war es Zeit für ein schönes, nettes Weihnachtsprojekt. Die Firma Myrrh Records war an der Reihe und hat ein Multikünstler-Projekt vorgelegt. Doch bevor ich hier in irgendeine alte Leier verfalle, lieber gleich zu dem was bei "one silent night" anders ist:
Es sind nur Sängerinnen vertreten und auch nur welche aus der christlichen Rock- und Popszene. Ganze sieben Titel von dreizehn sind Neukompositionen geworden und die restlichen sechs Traditionellen sind auch so anders eingespielt, daß es durchaus viel Neues daran zu entdecken gibt. Der Sound ist insgesamt dem Popspektrum zuzordnen, hat jedoch Einflüsse aus Rock, Soul und Celtic zu bieten. Damit wird klar, daß es sich nicht um eine weitere X-mal gehörte Balladenmischung handelt, sondern wirklich um ein liebevoll zubereitetes Musikprojekt zum Genießen.
Nach einem klassich-instrumentalen Auftakt mit "o come o come Emmanuel" tritt Cindy Morgan an mit "joy". Dies ist eine fulminante Hymne - poppig, rockig mit Klavier an den wichtigen Stellen und Cindys prägnanter Stimme sowie einigen Backgroudchören. Selten gab es ein besseres modernes Weihnachtslied! "When the time is right" wird von der begabten Ginny Owens gesungen, im Popgewand der Jahrtausendwende. Rachael Lampa liefert gleich in der Tradition ihres Debutalbums eine schöne Soulpop-Ballade ab. Die vielfach arg unterschätzte Erin O'Donnell singt das bekannte "Mary, did you know" - und zeigt damit, was wirklich in ihr steckt.
Keine Weihnachts-CD ohne "Stille Nacht". So auch hier - man muß ja auch seinem Albumtitel gerecht werden - egal, Jaci Valesquez legt eine Latino-beeinflußte Version hin, wo man einfach nur noch dahinschmelzen braucht... Amy Grant hat "child of God" beigesteuert. Auszusetzen gibt's an diesem Beitrag eigentlich nichts, gewohnte Amy-Qualität halt. Danach kommt eine kleine Überraschung: Leigh Nash, Sängerin bei Sixpence None The Richer, steuert zur Abwechslung auch ein Weihnachtslied bei. Und was für eines! Geschrieben von The Choir setzt "babe in the straw" viele neue Akzente in Musik und Text.
Einem weiteren Instrumentalstück ("o little town of Bethlehem") im Klassikstil schließt sich Crystal Lewis an mit "o holy night". Gibt man Crystal gutes Liedgut wird sie praktisch unschlagbar - was sie hier mit ihrer Wahnsinnsstimme rausholt, ist unglaublich. Einer der Newcomer des Jahres 2000, Nicole C. Mullen, knüpft vom Arrangement her mit "sister of my soul" genau an ihr selbstbetiteltes Album an - ähnlich wie schon Rachael Lampa. Sogar Máire Brennan ist mit auf der Platte vertreten, "rose of Bethlehem" ist ihr Beitrag im aktuellen Celtic-Pop-Stil. Zum Schluß kommt dann noch mal ein absoluter Knaller: Die beiden Damen von Anointed (ihren Bruder haben sie diesmal außen vor gelassen...) gehen bei "angels we have heard on high" in die vollen! Endlich wurde dieser Song mal als Soul-Dance-Version eingespielt mit stampfenden Beats. Spätestens wenn der Gesang einsetzt zu "Gloooooria, in excelsis..." will man einfach mittanzen und -singen. Genau, denn Weihnachten ist ein Fest der Freude und die muß auch mal raus - nicht immer hat man Lust auf besinnliche Lieder. Gut, daß dieses Stück am Ende des Albums platziert wurde, so "stört" der musikalische Kontrast zu den anderen Stücken nicht so stark.
Zu den Texten soll auch ein Wort verloren werden: Nachlesen kann man sie im Booklet alle, ebenso wie zwei Bibelstellen aus dem Propheten Jesaja. Besonders die neugeschriebenen Lieder drücken in aller Deutlichkeit in der Sprache der heutigen Zeit die Botschaft von Weihnachten aus. Man wird also auch noch mal zum Nachdenken herausgefordert und nicht nur zum Mitsingen bei den bekannten Liedern...
Fazit: Wirklich, eines der besten Pop-Weihnachts-CDs, die ich bisher hören durfte. Aus meiner Sicht sind alle Songs auf sehr hohem Niveau und rechtfertigen einen Kauf des Albums ohne Frage. Besonders positiv überrascht haben mich persönlich die Songs von Cindy Morgan, Leigh Nash und den beiden Anointed-Schwestern. - Keine stille Nacht?!


—David Decker für CCM-Rezis, Dezember 2000


Daten:
13 Titel / 56 Min.
Musikstil: Pop, Soul, Alternative-Pop, Dance - Weihnachten
Label(s): 2000 Myrrh Records, Word Entertainment, USA / Free Records Music,
               Haan; online - Version 2
Website: http://www.onesilentnight.com  /  'Myrrh'  /  'Word'

 


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