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Projekt / Verschiedene
"Beziehungen - Fenster in die Welt der Psalmen"

( 2000 Pila Music; Hänssler
Verlag )
Nach den "Begegnungen" (1990) wurde ein "Felsenfest"-es
(1994) Zuhause gesucht, somit war die Zeit für "Folgen"
(1996) gekommen, die nun in den aktuellen "Beziehungen" gipfelten. Das
letzte der Konzeptalben wird nur noch von zweien, nämlich Christoph
Zehendner (Texter) und Manfred Staiger (Arrangeur, Produzent) verantwortet,
wenn auch wieder viele musikalische Gäste (Andrea
Adams, Beate Ling, Sarah
Brendel) mit dabei sind. Thematisch werden Fenster in die Welt der
Psalmen eröffnet, wie der Untertitel der Produktion verrät.

Seit den "Begegnungen" von vor zehn Jahren hat sich nicht sehr viel geändert:
es gibt nach wie vor gediegenen deutschsprachigen Pop, traditionelle Songstrukturen
und die Konzentration auf Mitsingbarkeit und einfaches Nachspielen der
Stücke. Das Neue an der 2000er Ausgabe ist die stärkere Zurücknahme der
Chorelemente und dafür der Einsatz bekannter und neuer Solisten.
Insgesamt sind alle zwölf Stücke im Pop-Genre angesiedelt, es gibt hier
keine stilistischen Ausrutscher. Was mir nicht so gut gefällt, ist der
Möchtegern-HipHop bei Titel 2, 7 und 9. Eigentlich sind das nur Beatbetonte
Lieder, sonst nichts. Theo Eissler
und Sebastian Cuthbert machen ihren Job beim Gesang/Rap gut, allerdings
wollten uns die Werbefritzen der Verlage wieder was für *Hip-Hop*
verkaufen, was wohl eigentlich kein reinrassiger sein sollte!
Fast alle Stücke sind auch recht keyboardlastig, was mich etwas überraschte.
Andererseits sind die 80er aber gerade wieder voll da und es ist ja alles
so massenkompatibel, daß sich auch die Gemeindeältesten noch damit anfreunden
können :-)
Gerade bei den vielen ruhigen Stücken, hätte man aber noch dezenter mit
akustischen Instrumenten arrangieren können. Die Folk-Einlagen bei Nummer
6 hätten noch viel stärker im Vordergrund stehen müssen, ebenso hätte
bei Nummer 8 ein fülliges Orgel-Intro Wunder gewirkt...

Wie bei Christoph Zehendner nicht anders zu erwarten, ist die Textarbeit
wieder hervorragend. Sprachliche Schnitzer sucht man vergebens; ähnlich
wie bei Manfred Siebald spürt man wirklich,
wie lange an den Texten gefeilt wurde. Beim ersten oberflächlichen Anhören
wird vieles noch sehr einfach gestrickt klingen, vielleicht sogar ein
bißchen unpersönlich, fast wie schon zigmal gehört. Erst wenn man genau
und öfters hinhört, merkt man, daß es - wie auch bei den Original-Psalmen
in der Bibel -, sehr tief geht und einen sehr persönlich ansprechen kann.

Das Problem an der CD ist jedoch, das keine Liedtexte abgedruckt sind!.
In dem echt primitiv gestalteten Booklet sind nur die Copyrights, Produzenten
usw. aufgeführt. Es wird nicht einmal angegeben von welchem Psalm die
Lieder entwickelt wurden. - Wenn man dann liest, daß die Firma Pila/Hänssler
die Produktion herausgebracht hat, erklärt sich aber auch dieser Umstand
recht schnell. - Naja, so muß man erst einmal raten, welcher Psalm hinter
welchem Titel steckt: ich vermute Psalm 23 hinter Titel 8 ("In guten Händen"),
Psalm 1 hinter Titel 9 ("Wie ein Baum") und Psalm 22 hinter Titel 10 ("Verlass
mich nicht"). Wie im Booklet geschrieben, bleibt noch die Möglichkeit
ein kleines Taschenbuch mit allen Liedtexten und weiteren Erklärungen
zu erwerben, auch in einer Option als Set mit dem Album zusammen. Da ich
das Buch jedoch (noch) nicht besitze, kann ich dazu natürlich auch noch
nichts sagen... (Ich werde den Zweifel aber nicht los, daß die Verlage
das alles schamlos kommerziell ausschlachten wollen. Außerdem: warum erschien
das Projekt denn nicht wie angekündigt im September, sondern erst einige
Wochen vor Weihnachten?)

Ok, mein derzeitiges Lieblingslied von der CD ist "In guten Händen" (#
8), wo es um den Psalm 23 geht, wie Gott uns in jeder Situation beisteht.
Der neu interpretierte Text wurde auf eine Choralmelodie von Heinrich
Schütz gelegt und dürfte auch wirklich der herausstechende Song auf dem
Album sein. "Ich verdanke dir soviel" ist ein modernes Loblied geworden,
das gut abfetzt und sicher auch seinen Platz in den Gemeinden, Jugendgruppen
(und Liederbüchern) finden wird.

Fazit: Ein zeitloses, qualitativ hochwertiges Musikprojekt, mit inhaltlichem
Tiefgang. Für die Umsetzung in den Kirchen/ Gemeinden ist es ideal geeignet,
da sowohl die Texte als auch die Arrangements ein sehr breites Publikum
ansprechen werden und auch sehr leicht erlernbar sind. Mein Tip ist allerdings,
sich gleich das Textbuch mit zu besorgen, da sonst die ganze Aktion etwas
sinnlos ist...
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