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Michelle Tumes - ''michelle tumes'' Michelle Tumes
"michelle tumes"


   ( 2006 Levantar Music / online )

»Es gibt einen heiligen Ort für alle, die umherirren. Es gibt einen Retter im kargen Land der Diebe.«
(~ Introit)

Grandioses Comeback

Michelle Tumes' Solo-Comeback ist grandios gelungen. Hierzu musste sich die Australierin, die in Los Angeles lebt, nicht neu erfinden, sondern vielmehr an ihr Debüt "Listen" (1998) anknüpfen, das mit seinem ätherischen, schmeichelnden Klassik-Pop und poetischen Versen ein ungewöhnliches Hörerlebnis bot. Während mich ihr letztes Album "Dream" (2001) mit seinem gar singsangenden Dance-/Euro-Pop etwas enttäuschte, finde ich auf "Michelle Tumes" wieder die atmosphärische, vielschichtige und orchestrale Musik, die mich einst in ihren Bann zog. Dazu den Upbeat-Schwung von "Center of My Universe" (2000) – und frische Farbtupfer. Was sie am Klavier entworfen hatte, vervielfachte Michelle Tumes zusammen mit Ehemann und Produzent Doug Higgins zu einem vielstimmigen Orchestersound, in dem sich echte Streicher, Band und Keyboard-Programmierung vermischen. Sie selber dirigierte das Prague Philharmonic Orchestra und setzte sich einmal mehr ans Klavier. Musikalisch schöpft sie aus einem reichen Fundus: Sie lässt ihre Liebe für Tschaikowsky, klassische Oratorien, Béla Bartók und europäische Volkstänze ebenso einfliessen wie Pop-Appeal, Ambient und Zigeunermusik.

Mit einem Lächeln in der Stimme

Aber keine Angst, das Ergebnis klingt weder kopflastig noch abstrakt, sondern betörend stimmungsvoll und organisch. Es ist faszinierend, was sich im eindringlichen "Domine" (2), im gefühlvollen "Fair Weather" (4) oder im melancholischen "Gypsy Heart" (6) alles abspielt. Dazu singt Michelle Tumes mühelos wendig, verhaucht und mit charakteristisch gedehnter Aussprache. Mit einem hörbaren Lächeln in der Stimme und ihren typischen kleinen Verzierungen. Alle Songs prunken mit melodiösen Refrains auf und mit interessanten Wechseln in der Instrumentierung. Man kann sich darauf verlassen, dass sich in der Liedmitte Besonderes ereignet. In "Fair Weather" z. B. bauen die Streicher zum wunderbar getragenen Gesang Dramatik auf, die sich zuletzt in elegantem Klavierspiel auflöst, das entspannt in den nächsten Track überleitet. Fröhlichkeit verbreitet La-la-la-"Lovely Day" (7), das wie "Introit" (1) das Vorbild Enya verrät. Ebenso ansteckend fiel das tänzerisch-hüpfende "Yearning" (9) aus. Hohe Vocals setzen in "Gypsy Heart" spritzige und in "Caelum Infinitum" (10) fast schon überirdische Akzente.

Streifzüge durch Seelenlandschaften

Zu diesem abwechslungsreichen, die Phantasie beflügelnden Soundtrack führt uns Michelle Tumes durch eine abenteuerliche Seelenlandschaft mit Wüsten, Wäldern und Seen, Türmen und Engeln, nächtlichen Sternen und Feuern. Die Lyrics warten mit ungewöhnlichem Wortschatz auf, stecken voller Poesie: "I cried an ocean today" ... "I stole the words that were unspoken". Auf den Roman "Der Alchemist" und alte Schriften über eine herumirrende Seele, die fern von Gott vergebens Frieden sucht, bezieht sich "Gypsy Heart". Klassiker wie die "Chroniken von Narnia" und der "Herr der Ringe" inspirierten zu "Break Through" (8). Und die Liedtitel "Introit" (Einzug), "Domine" (Herr) und "Caelum Infinitum" (unendlicher Himmel) stammen aus dem Latein. – Diese Musik hat etwas von alten Inschriften und Verzierungen, von mystischen Versen, Mythen und den symbolbeladenen Geschichten eines C. S. Lewis oder John Bunyan. Michelle Tumes singt über ihren Gott und Retter, ohne sein Wesen zu verflachen. Ehrfürchtig und zugleich kindlich neugierig nähert sie sich ihm und staunt, dass »seine Arme ein Gebet weit entfernt« sind. Innig der Abschluss mit dem am Klavier begleiteten "Hold Onto Jesus" (11), das sie mit 17 schrieb: »Du und ich, wir sollten (uns) an Jesus festhalten.«

Kurz: grossartig! Michelle Tumes' Comeback klingt eingängig und ungewöhnlich zugleich, indem sie an den ätherischen Klassik-Pop ihrer ersten beiden Alben anknüpft und ihn orchestral vervielfacht. In ihren poetischen Liedern führt sie uns durch abenteuerliche Seelenlandschaften und in die Nähe Gottes, der über allem thront und dennoch seine Arme nach uns ausstreckt und unseren ruhelosen Herzen ein Zuhause anbietet.

Highlights: Fair Weather, Gypsy Heart, Yearning, Caelum Infinitum.


—Monica Seidler für CCM-Rezis, Dezember 2006

Daten:
11 Titel / 39 Min.
Musikstil: Klassik-Pop, Ambient
Label(s): 2006 Levantar Music, USA / Infinity Distribution, USA / online
Website: www.michelletumes.com  /  bei myspace

Wo anhören und kaufen?:
auf ihrer Homepage / Amazon (UK) / iTunes

weitere CDs & Interview – siehe Michelle Tumes-Künstlerseite >>
 


» Aus gegebenem Anlaß:

Unser Exklusiv-Interview mit Michelle Tumes über ihr Comeback...
 


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