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Schulze
"...zur Erde und zurück"

( 2002 Schulze / Asaph Musik )
Eine Deutschrockband und der russische "Buran" auf dem
Cover, mmh, seltsam. Ach so, bei näherem Hinsehen ist es ja doch ein amerikanischer
"Space Shuttle", der sich gerade im Landeanflug befindet. Paßt das zum
CD-Titel "...zur Erde und zurück"? - Zumindest das "zurück" fehlt in dieser
Visualisierung, na ja, lassen wir das, es soll ja um die Musik gehen hier...

Mit dem Titelsong, der zugleich das Einsteigerlied ist, ist Schulze ein
herrlicher Knaller gelungen. Die Melodie haut voll rein, so richtig zum
Mitpfeifen und Mitsingen. Die Gitarren rocken, der Refrain hat ohne Frage
Hitformat. "Sternenfahrer" (# 10) ist eine nachdenkliche Ballade, während
"ich kenn dich - ich will dich" (# 8) ein schneller Hit ist, der an das
1994er Album "ich häng an dir" (BMG Ariola) anknüpft - allerdings noch
viel rockiger.
Schade, daß sie erst auf ihrem allerletzten Album so super und ausgereift
klingen. Leichte Andeutungen an die Neue Deutsche Welle hört man auf der
Platte raus. Manches klingt entfernt nach Branchenkollegen, wie zum Beispiel
Echt. Allerdings hat Schulze viel schönere Melodien und der Teeniestar-Pathos
fehlt völlig. Obwohl es typische Schulze-Songs sind, gibt es keinen Gleichklang
oder das fast schon "selbst-Kopieren", wie man es in letzter Zeit wohl
von Pur sagen kann.
Eine erste Überraschung hat die Scheibe auch zu bieten: "Kleine Kriege"
(# 5) ist ein Remix vom 1993er Album "Paradiesvogel" (BMG Ariola; vergriffen!).
Die neue Version stampft im fröhlich-sommerlichen Dance-Sound daher! Ganz
ungewöhnlich für die bodenständigen Deutschrocker, aber gut.
Als zweite Überraschung dürfte der Multimediateil gelten. Auf einer rammelvollen
CD-ROM-Spur tummeln sich etliche Videos (inklusive den Clips zu "Morgen"
und "Willkommen in Deutschland"!!!), ein Riesenphotoalbum der ganzen Bandgeschichte
und natürlich Mitgliederbiographien.

Die Liedtexte sind - wie eh und je bei Schulze - ein Streitthema, zumindest
ein vorprogrammiertes aus meiner Sicht. Während vielen Hörern sicher egal
sein wird, was da in den Versen steht, ist das bei mir anders. Wenn ich
unbedingt Liebeslieder am Stück hören will, kann ich das (Schlager-) Radio
anschalten, aber ob ich dann unbedingt ein Schulze-Album von einem frommen
Musikvertrieb auflege, ist bei mir mehr als fraglich.
Nicht das die Band nur Belanglosigkeiten erzählen würde, aber wie es im
Lied Nummer zwei heißt: "viel geredet und nicht viel gesagt", trifft es
doch ganz gut. Texter und Sänger Frieder Sigloch findet immer wieder neue
Zugänge zum Thema Beziehungen. Das gute daran: man nimmt ihm die Geschichten
ab, weil sie nach dem echten Leben klingen. Eben nichts Gekünsteltes,
Texter und Band stehen als Menschen dahinter.
Trotzdem bleibe ich dabei: Mehr thematische Vielfalt und geistliche Tiefe
würde dieser Band auch auf ihrer letzten Etappe gut tun.

Fazit: Zum Bandabschied (allerletztes Konzert 28. März 2003!) gibt es
neun erstklassig produzierte Lieder, die zu den besten der Truppe gehören.
Für alle Fans sind der beachtliche Remix und der erstaunliche Multimediateil
echte Leckerbissen. Trotz der textlichen Kritikpunkte kann ich das Album
für Freunde des etwas anderen Deutsch-Rocks sehr empfehlen.
P.S. Bei der allerletzten Scheibe wurde nun auch endlich mal großer Wert
auf ein schnuckeliges, professionelles Layout bzw. Artwork gelegt. Mein
Auge dankt es ;-)
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