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Schulze
"was wäre wenn"

( 2000 Schulze / Asaph Musik )
Dreimal ein W - eigentlich ja das World Wide Web, doch
hier 'was wäre wenn'. Ja, was wäre, wenn Schulze noch einmal zuschlägt.
Das Ergebnis des mehr als dreijährigen Wartens ist aber dann im wahrsten
Sinne des Wortes ein Hammer geworden.
Der leichtfüßige Sound ist unheimlich aktuell produziert, hascht aber
nicht nach Trends, sondern hat zeitlosen Charakter. Dominierend ist an
allen Ecken und Enden ein herrlicher Groove und rockende Gitarren, daß
es eine Freude ist. Soviel Hörvergnügen hat noch kein Schulze-Album zuvor
bereitet. Es ist eben kein hundertfach kopierter Deutsch-Rock mehr, sondern
es ist moderner Rock, wie eben von den Amis & Co.. Bot "schwarz oder weiss"
mehr für Freunde des Akustikrocks (z.B. im Sinne Jars
Of Clays) wurden hier mehr kleine Elektronikspielereien und Studioeffekte
eingebaut, die das Album leben lassen. Man hatte nun endlich einmal genug
Zeit im eigenen Studio und konnte in aller Ruhe, nach den passenden Klängen
streben. Und noch was: hier klingen sogar die deutschen Texte,
denn Frieder Siglochs Stimme paßt hervorragend zum Gesamteindruck.
Wie immer bei Schulze sind die Texte das "Problem": Deutlichkeit aus traditionell-christlicher
Sicht ist an vielen Stellen genau das, was fehlt - die Aussagen können
praktisch alles oder nichts heißen, jeder kann sich seinen eigenen Sinngehalt
zusammenbasteln. An bestimmten Abschnitten wird es schon recht nachdenklich
und man wird angesprochen, eben weil Schulze das Leben vertont, aus den
selbst gemachten Erfahrungen. Nur: würde man nicht durch andere Quellen
wissen, daß die Bandmitglieder Christen sind, durch dieses Album erfährt
man es jedenfalls nicht.
Ansonsten sind die Texte aber aus Songwriter-Perspektive überdurchschnittlich,
wie schon fast immer bei der Formation. Der Titelsong kann auch als Anfrage
an Christen gesehen werden, wo der Schlüsselvers lautet: "Du glaubst nur,
was du siehst" - also hinterfragen wir in Zukunft stärker eingefahrene
Schemen! "Das Leben" (# 3) ist der Oberknaller auf der CD, ein genialer
Rocker, mit einem Text mit aus dem und über das - Leben. Bei "Eigenartig"
(# 7) gelingt der Spagat zwischen Schlagerschnulze und Anspruch ganz gut,
na ja ein Liebeslied kann eben unberechenbar sein. Auf die Reime bezogen
liefert Songschreiber Frieder Sigloch interessante Sachen ab, man hat
es nicht schon hundertmal gehört - eindeutig ein Eintrag auf dem Pluskonto!
Sehr nachdenklich wird's bei "Der alte Mann und das Meer" (# 11; frei
nach Hemingway...) sowie bei "Dornen und Rosen", wo der intellektuelle
Tiefgang vom Vorgängeralbum wieder spürbar wird. Gut bei Schulze ist wie
eh und je ihre Echtheit. Zum Abschluß bringt die Band noch einige sehr
wichtige Gedanken ins Spiel, in "Unsere Zeit ist vorbei" (# 12) geht es
um Ewigkeit, Sterben und alles, was damit zusammenhängt, die Kernzeile
hier ist "wir haben nie begonnen, in Ewigkeit zu denken". Wiederum können
dies Christen als Herausforderung an den eigenen Glauben sehen, und sich
klar werden, was ewiges Leben eigentlich heißt, denn es beginnt ja schon
hier.
Ohne Zweifel ist es das bisher beste Album von Schulze. Es vereint den
modernen Sound von "schwarz oder weiss" (1997) und den Mitsingcharakter
von "ich häng an dir" (1994).
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