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 Michael
W. Smith
"healing rain"

( 2004 Reunion Records / Gerth
Medien )
Auf diese neue "Pop"-Platte von Michael
W. Smith mußte man fast genau fünf Jahre warten. In der
Zwischenzeit war der universell begabte Unterhaltungskünstler nicht
untätig, was eine lange Liste von Veröffentlichungen zeigt.
Die Erwartungen an "healing rain" sind extrem hoch unter seiner
Anhängerschaft und die Verlautbarungen seines Labels bzw. seiner
Vertriebe haben nicht wenig dazu beitragen. Das Titellied war mir bereits
vorab bekannt und ich lernte es bereits sehr schätzen: eine überdurchschnittliche
Poprock-Hymne, die durchaus mit zu seinen Top-Titeln gehört (bzw.
in Zukunft gehören wird). So weit, so gut. Nun muß ein ganzes
Album als Album überzeugen, nicht einzelne Singleauskopplungen.
Dazu kann ich nur raten: Zwei-, dreimal sollte man die Platte schon komplett
anhören, um einigermaßen mit ihr klar zu kommen, denn sie ist
ganz anders, als was man vielleicht bisher vom Herrn "Ich-bin-Ende-vierzig-und-sehe-aus-wie-Ende-zwanzig"
Schmidt kannte. Teilweise ist er in einigen Songpassagen richtig rockig
geworden, bisweilen fast schon alternativ - grunchige, rauhe Gitarren...
Anklänge an Stücke wie "live the
life" werden ganz entfernt wach. Trotzdem, ich hab noch immer
das Gefühl, daß hier der rote Faden fehlt: Kaum eingängige
Popsongs, irgendwie lustlos zusammenproduziert. Der "Spirit"
vergangener Tage scheint völlig abhanden gekommen. Der CD-Titel ist
auch kein durchgängiges Thema des Werkes, sondern "nur"
auf das Titellied beschränkt. Es gibt also einige Neuerungen bei
Mr. Smith. Ob die allen seinen Anhängern (-Innen!) gefallen, bezweifle
ich doch sehr. Wie auch immer, Smitty kommt einfach anders rüber,
als vielleicht viele erwartet hätten - was nicht sofort "schlechter"
heißen muß! Keine Bombast-Sounds, keine Schnulzen, kein Techno,
kein 80er-Jahre-Revival: Er macht eine "zurückgezogene",
fast unscheinbare - aber daher manchmal auch belanglose - Popmusik. Zeitlose
Klänge ja, aber keine zeitlosen Songs. Man muß sich aufmerksam
den Liedern widmen, sie in sich aufsaugen, um sie für sich einzunehmen
(am besten laut unter Kopfhörern...). Nach fünf Jahren Pop-Abstinenz
hätte man durchaus mehr Songqualität erwarten dürfen. Zumal
ja eines der elf Stücke noch ein Cover ist. Ein sehr sehr gutes zwar,
aber doch auch ausgelutscht, da es in den letzten Jahrzehnten bereits
tausendfach aufgenommen und gecovert wurde.
Michael hat wieder mit einigen Leuten zusammengearbeitet, die ihm Liedtexte
schrieben. Er ist dazu sogar nach England zu Martin Smith (von delirious?)
gereist; aber auch mit altbekannten Kollegen wie Wes King und Wayne
Kirkpatrick entstanden neue Tracks. Textlich beschreitet der konservative
Popinterpret teilweise neue Wege, bleibt scheinbar seinen letzten Worship-Produktionen
treu. Für mich wirkte das jedoch eher wie ein entspanntes "Spiel"
mit dieser Art zu texten und Lieder aufzubauen. Letzten Endes läßt
er in den Liedtexten nichts anbrennen und serviert auf sprachlich traditionell
hohem Niveau unterschiedliche Themen: Es geht um Hingabe ("here I
am"), um Gemeinschaft und Himmelserwartung ("live forever";
"all I want"), aber auch um Vertrauen auf die Kraft Gottes ("eagles
fly"), Seine Liebe und Gnade ("healing rain"; "I am
love").
Mitten in diesem geistlich-intensiven Terrain erheben sich einige persönliche
und gesellschaftspolitische Standpunkte. "Human spark" spricht
von zwischenmenschlichem Haß und Verletzungen und rührt unmittelbar
von den Terroranschlägen 2001 in New York her. Ein Weckruf für
ein leidgeplagtes und oft wie fluchbeladenes Afrika ist "we can't
wait any longer" (feat. . Jeder verantwortungsbewußte Christ
hat da ein großes Handlungsfeld vor sich! Lebensmut und -freude
drückt "hang on" aus, eine heldenhafte Durchhaltehymne,
die dem Hörer selber Mut machen möchte im Leben. Für eine
von Michaels Töchter wurde "fly to the moon" geschrieben,
wo sie mit poetischen Worten und einer bildhaften Sprache aufgefordert
wird, ihren Traum zu leben. "Bridge over troubled water" schließlich,
wurde nicht von einem Christen geschrieben, Smitty bringt es aber durch
seine intime Interpretation fertig, diesem Lied sehr viel geistliche Relevanz
zu verleihen. Dadurch bekommt der Text plötzlich eine ganz andere
Perspektive; es geht um Trost, gegenseitige Hilfe und Nächstenliebe.
Fazit: "Healing rain" ist in gewisser Hinsicht sehr anspruchsvoll,
man muß sich intensiv damit auseinandersetzen. Je mehr man dies
aber tut, desto mehr wächst einem die Platte ans Herz und plötzlich
entdeckt man viele positive Seiten an ihr. Vielleicht gibt es dieses Mal
nur eine Singleauskopplung in Ermangelung von radiotauglichen Killer-Hooklines,
dafür erwartet den Hörer insgesamt eine niveauvolle Poprock-Scheibe,
die besonders inhaltlich viel zu sagen hat. Ein Künstler wie Michael
W. Smith hat bereits alle kommerziellen Erfolge gehabt, muß niemand
etwas beweisen - er kann es sich getrost leisten, so ein Künstler-orientiertes
Werk vorzulegen, was garantiert nicht sein Massentauglichstes ist.
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x-report CD-tip:
»Michael W. Smith ist einer der bekanntesten
christlichen Musiker der Gegenwart. Sie 25 Jahren macht der 47jährige
Musik. Seine CDs verkauften sich über neun Millionen Mal, und er erhielt
34 "Dove Awards", diverse "Grammy Awards" und "American
Music Awards". Dennoch bleibt er bescheiden: "Die Auszeichnungen
bedeuten mir vergleichsweise wenig. Für mich ist es das Größte,
die Möglichkeit zu haben, mich in das Leben anderer zu investieren."
So gründete der 5fache Familienvater bereits vor 10 Jahren den Verein
"Rocketown", eine Anlaufstelle für vernachlässigte Jugendliche.
Auf seiner neuen Produktion "Healing Rain" widmet er das Lied
"Wir können nicht mehr länger warten" den 7.000 Kindern,
die täglich an Aids sterben. Gemeinsam mit dem "Uganda Children's
Choir" fordert er zur Hilfe auf. »Bitte, jemand muß
uns befreien«, sagt ein ugandischen Mädchen am Ende des Liedes
in seiner Muttersprache. "We can't wait any longer", "Hang
on" und "Fly to the moon" sind die einzigen Stücke,
die schnell und rockig sind. Ansonsten ist Smith's 18te CD eher ruhig und
mit vielen Klavierstücken unterlegt. "Ich
werde älter und glaube nicht, daß ich noch am Puls der Zeit bin",
gibt der Musiker zu. Deshalb holte er sich für manche Stücke Hilfe
von jüngeren Kollegen wie den Sänger von "Delirious?".
Die Arbeit an den Liedern begann vor fünf Jahren - gleich nach seinem
letzten Popalbum "This is your time". Das Album beginnt und endet
mit einem Gebet: »Gottes Freund zu sein, ist alles, was ich begehre.
Alles, was ich will, ist treu sein. Alles, was ich will, bist du.«
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