|
 Chris
Rice
"what a heart is beating for"

( 2007 eb+flo / INO Records / Gerth
Medien )
»Vielleicht kommt nichts zu dir zurück verschenk trotzdem dein ganzes Selbst. Dafür schlägt dein Herz, darum bist du am Leben.« (Chris Rice)
Der Herzschlag der Liebe

Chris Rice ist für mich ein Kuriosum. Mal sind seine Texte urkomisch und treuherzig schräg, dann wieder so demütig, innerlich. Auch auf seinem neusten Album unterhält der sanfte Troubadour und Pianoman, der sich 2005 aus der CCM-Box herausgewagt hat, mit ungewöhnlichen Blicken auf das Leben, Gott und die Liebe. Auch wenn sein Glaube nicht mehr so ausdrücklich zur Sprache kommt wie früher, ist er doch die Auftriebskraft für diese verliebt-nachdenklich-witzigen Gedankenflüge. Ziemlich frech veranschaulicht Chris Rice etwa in "Sneakin' into Heaven" (# 10) Gnade mit dem Bild eines geborgten Heiligenscheins: »Wir alle gelangen unter jemandes anderen Namen in den Himmel ...«

Wie schon beim Vorgänger "Amusing" (2005) entspringt den CD-Rillen eine grosse Portion Optimismus und Verliebtheit. Gutgelaunt verwirft der Sänger schon im Opener "So Much For My Sad Song" (# 1) alle Pläne, ein Trauerlied anzustimmen. Er scheint nicht anders zu können! Herzig altmodisch swingt "Here Come Those Eyes" (# 8). "Punch Lines and Ironies" (# 6), ein weiteres Liebeslied, verströmt diese typische Rice'sche Verträumtheit und Wärme. Auch wenn er inhaltlich hierherpasst, fragt man sich, warum der AC-Radio-Hit "Lemonade" (# 7) als unbedeutender Remix nochmals aufgegriffen wurde. Zum Titelsong "What A Heart Is Beating For" (# 2) wurde im Vorfeld ein Video-Wettbewerb auf Youtube veranstaltet, der diesem gemächlich anziehenden Ohrwurm einige Beachtung verschaffte. Allerdings sind die Lyrics eher banal. Anspruchsvoller ist da schon die poetische, gefühlvoll gesungene Klavierballade "Love Is Gonna Break Through" (# 4), die an der Hoffnung festhält, dass die Liebe das letzte Wort hat.
Wer schreit, hat noch lange nicht Recht

Chris Rices ausgeklügelter Studiosound hat schon immer Spass gemacht! Zusammen mit Produzent Monroe Jones folgt er nicht nur seinem Retro-Hang, sondern auch aktuellen Trends. So haben sich die allerorts erschrammenden monotonen Gitarren-Riffs zu beharrlichen Schlagzeug-Rhythmen auch in seine Arrangements eingeschlichen. Zum Beispiel in "You Don't Have to Yell" (# 5), das die Rüdheit im Reality-TV und generell in unserem Umgang miteinander anprangert, und dies betont sanft: »Vieles mag den Kampf lohnen, aber lauter heisst noch lange nicht richtig. Du musst nicht herumschreien« (sinngemäss übersetzt). Jazzig wandert der Bass durch "Pardon My Dust" (# 3), eine grossartige Nummer übers Noch-nicht-fertig-Sein, über ein Leben als Baustelle: »Hab Geduld mit mir! Ich bin noch immer am Fussboden-Fegen. Entschuldige also meinen Staub und ich werd dir deinen verzeihen.« Wie bei Jeremy Casella ist auch hier das Love-Sponge-Streichquartett einige Male im Einsatz.

Irritierend ist die Ähnlichkeit des "I Love You"-Refrains
in "Let The Words Escape" (# 9) mit Scott
Riggans älterem Hit, während die Strophen wiederum Brit-Einflüsse
verraten. Zufall? Aber was Chris Rice aus dem Wort- und Klangmaterial
macht, ist zugegeben zum Träumen schön. Schlicht-hymnisch wie
"Welcome To Our World" oder "Sleepyhead Sun" ruft
"Tell Me The Story Again" (# 11) Jesu Leben und seine Bedeutung
für uns in Erinnerung. "Kids Again" (# 12) beschwört
verspielt die Unbefangenheit der Kindheit. "Baby Take Your Bow"
schliesslich (# 13) richtet sich wie schon "Breakfast Table"
an einen verstorbenen geliebten Menschen. Auch hier gilt: Immer behalten
das Lachen und die Hoffnung die Oberhand. Und wozu schlägt nun unser
Herz, Mister Rice? Um das Leben zu umarmen, mit all seinen Risiken und
Überraschungen. Und um Liebe überströmen zu lassen.

Fazit: Chris Rice ist und bleibt ein Optimist! Auch seine neuen, jazzig angehauchten Songs über den Herzschlag der Liebe verbreiten eine Lebensleichtigkeit, die den Alltag versüsst. Dass hierzulande mit der CD kein signierter Limonade-Pack mitgeliefert wird wie in gewissen US-Shops, wird wohl niemanden wirklich stören ...
|