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 Chris
Rice
"snapshots: live and fan favorites"

( 2005 Rocketown Records / Gerth
Medien )
Nun ist der Überblick vollständig

Offensichtlich war ich nicht die Einzige, die einige Schlüsselsongs von
Chris Rice auf der letztjährigen Best-of "Short
Term Memories" vermisste. Es ist aber auch nicht einfach, den amerikanischen
Troubadour in all seinen Facetten auf CD einzufangen: sein kindlich-ehrfürchtiges
Staunen vor Gottes Plan in unserem Leben - seine feinsinnigen Gedanken
- seine farbigen Momentaufnahmen - seinen Schalk - sein Spiel an Gitarre
und Klavier - seinen freundschaftlichen Vortrag ... Nun hat das Label
Rocketown Records als letzte Zusammenarbeit mit seinem allerersten
Schützling und auf vielfachen Wunsch der Fans eine Art Fortsetzung bzw.
Ergänzung nachgeliefert: "Snapshots: Live and Fan Favorites". Tatsächlich
vervollständigt diese Sammlung von 6 Live-Aufnahmen (1997-2003), 4 weiteren
Hits wie "Naïve" und "Everything's OK", 3 anderweitig veröffentlichten
Liedern und 2 Instrumentals das 2004 angefangene Porträt und ergibt zusammen
mit "Short Term Memories" einen guten Überblick.
Träumereien und Gedankenspiele mit Weitsicht

Chris Rice zählt für mich zur Gilde der originellen und intelligenten
christlichen Liedermacher, die wirklich etwas zu sagen haben und die Herzen
ihrer Zuhörer ansprechen. Die Ohrwürmer "Big Enough To Dream" und "Sometimes
Love" oder die Klavier-Ode "Hallelujahs" überzeugen auch in den Live-Aufnahmen.
Gerade weil er keine Perfektion vortäuscht, nicht auf der neusten Musikwelle
mitreitet (sondern lieber mit der Klangwelt der 70er Jahre spielt) und
weil seine Verse poetisch und zugleich allgemein verständlich sind. Viele
seiner eindrücklichsten Lieder sind Gebete, Gespräche mit Gott - voll
gepackt mit Fragen, die auf lebensverändernde Antworten horchen. So auch
"Prone to Wander" in der hier erstmals veröffentlichten Live-Version aus
dem Nashviller Bluebird Café von 1997, ebenso das an der Gitarre sanft
begleitete "Big Enough" (live) und das jazzige "Naïve". In ihrer nachdenklichen
Art haben sie wohl schon so manches Herz zu eigenem Fragen nach Gott angeregt:
»Bin ich naiv, wenn ich mir für jedes verbitterte Herz eine Arznei
wünsche? Kann ich glauben, dass Du auf alle Frage- ein Ausrufezeichen
bereithältst? Und kann ich den Zeitplan dieses Universums grösseren Händen
überlassen? Und darf ich so kühn sein, Dich zu bitten, Dich zu beeilen?«
(aus "Naïve")

Das schrullige "Questions for Heaven" mit seinen Jahrmarktklängen ist
ebenfalls typisch für diesen treuherzigen Frage-Stil. Auch hier versteht
es Chris Rice, in den Zuhörenden lebhafte Eindrücke und feine Empfindungen
wachzurufen. Der Zugang zu Gott als dem himmlischen Vater ist bei ihm
freimütig, persönlich, und das ist wohl seine wichtigste Botschaft - als
Sänger und als vielbeschäftigter Jugendleiter: »Nichts ausser
Jesu Blut kann mir Frieden mit Gott bringen / ... mich zu Deinem Thron
hinführen.« (aus "Nothin'")
Die Flintstones, Billy Joe McGuffrey und Becky

Seinen Humor und Schalk versprüht er hochdosiert im rasant-witzig-lärmigen
Gassenhauer "Billy Joe McGuffrey" aus dem Soundtrack zu "Jonah: A VeggieTales
Movie" (2002) und im letzten Live-Stück, dem offenbar für ein Fan-Album
unerlässlichen "Cartoons" (als einzige Aufnahme auf beiden Best-of-CDs
zu finden). Tempo und Tiefsinn verbindet "Me & Becky", das die
Wichtigkeit eines evangelisierenden Lebens betont, während "Calling Out
Your Name" als Hommage an den geistesverwandten Rich
Mullins - verhaltener zwar und ohne dominantes Hackbrett, dafür mit
fein tanzenden Gitarrenseiten - in den sehnsüchtigen Ruf der Prärie einstimmt.
Das Album schliesst sanft-entspannt mit zwei seiner Klavierinterpretationen
aus den "Living Room Sessions" (2001).

Fazit: Diese nachgeschobene zweite Kollektion klingt nicht mehr so geschlossen
wie die erste, dafür sind die Schnappschüsse abwechslungsreich und vielseitig.
Im Nachhinein würde ich die 32 Tracks gerne leicht anders aufteilen und
die Studioversionen der beliebtesten Lieder auf der Best-of "Short Term
Memories" vereinen; auf dem Fan-Album "Snapshots" fänden sich sodann alle
Live-Versionen, die bisher unveröffentlichten und neuen Einspielungen
sowie die Raritäten. - Der eindrücklichen Musik selber tut dies jedoch
keinen Abbruch, sie bringt in jedem Setting zum Nach- und Umdenken, Träumen,
Schmunzeln, Erinnern, Mitsummen, Beten und Danken.

Meine Favoriten: "Naïve", "Questions for Heaven", "Prone to Wander".
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