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 Chris
Rice
"amusing"

( 2005 eb+flo / INO Records /
Asaph Musik; online )
»Soll sich die Welt je ändern, müssen wir wie irre lieben.« (aus "Love Like Crazy")
Neues Label – neues Album – neues Publikum

Krachende E-Gitarren, harte Beats, Rap mit Slang ... da tritt nach dem
Drücken auf Play ein ziemlich ungewohnter Chris
Rice aus den Lautsprechern – zumindest im Eröffnungstrack "Love
Like Crazy", zu dem Gitarrenveteran Duane Eddy ein rotziges Prelude
und seinen typischen Twang beisteuert. Es ist ein geballter Aufruf, als
Christen wirklich Salz in dieser Welt zu sein und selbstlose Liebe zu
zeigen, wie sie Jesus vorgelebt hat. Wer frühere Lieder wie "Everything’s
OK" oder "Me and Becky" mag, wird auf "Amusing"
aber auch viel Vertrautes wiederhören. Chris Rice und Produzent Monroe
Jones (Ginny Owens) kreieren einmal
mehr spannungsgeladene Songstrukturen mit humorvollen Details. Sie jonglieren
mit Jazz, Blues, Folk und Rock und schwelgen, besonders in den Gitarren
und BGVs, in beatleskem Neo-70er-Jahre-Sound, der alles andere als verstaubt
klingt. Paradebeispiele sind das warmherzig-naive "Lemonade",
das phantastische "The Final Move" und "Tick Tock".
Die zarte Seite kommt nicht zu kurz, etwa im Loblied "Sleepyhead
Sun", in "Breakfast Table" mit seinen Streichern à la Rondo
Veneziano und im wehmütigen "Amusing".

Mit seinem Wechsel von Rocketown
Records zu eb+flo (INO) hofft Chris Rice ein neues Publikum erreichen
zu können, besonders im säkularen Markt (Anm.: Interview
dazu lesen...). Auch ein Skeptiker, ein zufällig lauschender
Atheist soll angesprochen werden von diesem »Album
voller Optimismus, Hoffnung und Liebe zum Leben« (Chris Rice).
Dabei lässt er keines seiner Lieblingsthemen aus: Gottes Spuren in
der Schöpfung, Jesus Christus, Liebe, unser Umgang mit der Zeit,
Träume, der Himmel und die Macht der Musik. Ähnlich wie einst Rich
Mullins bezeugt er seinen Glauben über Alltagsgeschichten und
Anekdoten. Und obwohl man sich von ihm schon viel Originelles, Herzerweichendes
und Herausforderndes gewohnt ist, staunt man, wie er sogar Trauer und
Einsamkeit in poetische Bilder voller Lebensbejahung zu fassen vermag.
Limonade und Tagträume

Ein Schachbrett ruft in "The Final Move" in Erinnerung, dass
Gott der Lenker unserer Geschicke ist und bei ihm die Liebe den letzten
Zug hat. Ein freigehaltener Platz am Frühstückstisch steht in
"Breakfast Table" für die Hoffnung, einen geliebten Verstorbenen
im Himmel wiederzusehen. Und mit Sprudelwasser, "Lemonade",
vergleicht er in der Rolle des blauäugigen Optimisten ein sorgloses
Leben und die Liebe. "Best Song Ever", selbst einer der besten
Songs des Albums, spielt auf die Macht der Musik und unsere Sehnsucht
nach Vollkommenheit an, um dann den Blick auf den Urheber aller Harmonie
und Klänge zu lenken.

Chris Rice schenkt uns auf "Amusing" mehrere Liebeslieder. Oder
hiesse es besser: Sehnsuchtslieder? Denn auch sie folgen keinem 08/15-Schema.
Wie es sein kann, wenn man überrascht die Zeichen des Verliebtseins
im andern entdeckt, schildert das jazzige "When Did You Fall In Love?"
mit viel Candle-Light-Atmosphäre, die mit Absicht an altmodische
Schnulzen erinnert. Vom Träumen übers Tagträumen bis in
die Wirklichkeit führt "Amusing"; und in "I See The
Moon" sieht nur der Mond die noch unbekannte Gefährtin. Hoffnungslos
romantisch! Aber hey, das ist Chris Rice – immer etwas neben unserer Zeit
und Gewohnheit. Gerade dadurch lässt er aufhorchen: Warum steht dieser
Typ so über den Dingen, gelassen und immer ein wenig amüsiert?
Seine Lieder erzählen vom Schlüssel zu dieser Zufriedenheit
...

Fazit: "Amusing" ist ein funkensprühendes und überraschungsreiches
Album, musikalisch brillant, inhaltlich aber stellenweise etwas oberflächlich.
Der radiofreundliche Retro-Sound dürfte ältere Musikfreunde
nostalgisch stimmen und die jüngeren faszinierend anders dünken.
Mit seinem treuherzigen Erzählwitz und Botschaften von Hoffnung,
Liebe und Zuversicht zaubert Chris Rice hoffentlich so manches Lächeln
auf vorher verkniffene Lippen.
Hinweis: "Amusing" erscheint in Deutschland im Herbst bei
Asaph Musik, Lüdenscheid. In den Staaten ist auch eine Dual-Disc-Ausgabe
mit Making-of-Features (Audio/ Video) erhältlich. Für Oktober
ist zudem die Live-DVD "Inside out" angekündigt.
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