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Scott Phillips - ''next stop Willoughby''Scott Phillips
"next stop Willoughby"


   ( 2007 Blue Fringe Music / online )

Ein Indie-Album der Extraklasse!

»Es gibt da einen Menschen in mir, der bereits frei ist. Und ich warte darauf, bis er und ich aufeinander-treffen. Er ist der, der ich sein sollte. Aber ich warte noch immer.« (~ "A Nursery Song")

Auch auf seinem neusten, von Mitch Dane (Jars of Clay, Bebo Norman, JJ Heller) produzierten Album mit dem neugierig machenden Titel "Next Stop Willoughby" bedient sich Singer-Songwriter Scott Phillips, der sich selber scherzhaft als Hansdampf in allen Gassen bezeichnet, kühn aus dem musikalischen Baukasten. Er jongliert – diesmal wieder mit Unterstützung einer vollen Studioband – mit Folk, Britpop, Volkslied, Rock’n’Roll, Blues und Alternative Rock und verrät dabei Einflüsse wie Keane, Damien Rice, Coldplay oder David Crowder, die er in seinen ureigenen Stil überträgt. Auch an der Gitarre und gesanglich zieht er alle ihm zur Verfügung stehenden Register. Jeder Track ist reich an Details. Abwechslungsreich lösen sich die Instrumente ab und fädeln sich kuriose Geräusche ein, wobei das Ganze sehr organisch klingt. Ich habe mich sogleich in das sehnsüchtige Hoch und Tief von "Hero" und das Sting-ähnliche "The Ashes" verliebt. Das Erste eine verzweifelte Innenschau, das Zweite ein hoffnungsvoller Ausblick. Ganz anders wiederum klingt "Sun", in dem eine singende Säge auftaucht, oder der poppig-eindringliche Ohrwurm "Gold". Und in "Shallow" prangert der Sänger zu ungemütlich düsteren Klängen Showbusiness und Starkult an.

»Ich brauche einen Helden ... jemanden, der mich vor mir selber rettet.« (~ "Hero")

Meist baut Scott Phillips seine erstaunlichen Lyrics um einen Schlüsselsatz oder ein Bild herum auf. Immer wieder anders fasst er seine Sehnsucht nach Lebenssinn und Veränderung, seine Suche nach Wahrheit und Erleuchtung in Worte: "Ich suche überall, ich halte nach einem Zeichen Ausschau. Ich schätze, ich suche Offenbarung, nichts weniger als göttliche. Etwas, was sich nicht bestreiten lässt, was Zweifel nicht wegerklären können. Ich kann nicht länger Geduld fabrizieren, ich muss es heute finden", singt er draufgängerisch in "The Ghost of Jesus", das etwas von der Art David Crowders hat. Sein Ziel ist es, tief zu schürfen, Schichten aufzudecken und nicht nur das Angenehme, sondern auch "die dunkelsten Stellen im Innern" offenzulegen – um so seine Zuhörer zu einem ebenso ehrlichen Austausch einzuladen, damit sie sich und andere verstehen lernen. Ein eindrückliches Beispiel ist "To Keep It Alive", ein traurig und zugleich hoffnungsvoll gestimmtes Lied über ausdauernde Liebe und Treue [mehr dazu in unserem Interview mit Scott Phillips].

»So hast du geblutet und bist gestorben, um mich zu retten – um meine Schuld und Schande wegzuwaschen. Nun sterbe ich vor Sehnsucht, dich kennenzulernen.
Du hast das wohl so geplant ...«
(~ "The Ghost of Jesus")

Scott PhillipsIn Versen, die betroffen machen, warnt der Sänger in "It All Comes Down" davor, dass wir diese Welt mit leeren Händen verlassen, wenn wir uns nur um uns selber drehen: "Wir nehmen uns nicht wirklich die Zeit zu lieben, wie wir sollten." Liebe und Verständnis sind für ihn die Schlüssel zu einem wertvollen Zusammenleben. Dass sich auch ein Christ allein und leer fühlen kann, beschreibt "The Empty", das seine Ehefrau Carol Phillips komponierte, die auch in den BGVs zu hören ist. Sehr speziell ist "A Nursery Song (Fleece)" ausgefallen. Hier verschränkt er das bekannte Kinderlied über das folgsame Lämmlein von Klein Maria mit der Botschaft von Jesus Christus als dem Lamm Gottes. Ein genial gedichtetes, packendes Stück mit warmen Handorgel-Bögen, beschwingtem Gitarrengeschramme und mysteriösen Beiklängen. Der schwermütige Titelsong "Next Stop Willoughby", der von Cello und Klavier mit ungeschliffenem Live-Feel begleitet wird, ist von der "Twilight Zone"-Episode "A Stop At Willoughby" (dt. "Nicht nach Fahrplan") inspiriert. Dieser ungewöhnliche, nachdenkliche Abschluss in der Schwebe zwischen unbefriedigender Wirklichkeit und Wunschziel spukte mir noch lange im Ohr herum ...

Fazit: melodiös, ehrlich, herausfordernd! Ich bin begeistert und berührt und zähle "Next Stop Willoughby" schon jetzt zu den Highlights von 2007. Zusammen mit Produzent Mitch Dane und gleichgesinnten Mitmusikern hat Scott Phillips seine Liedkunst auf ein neues Level gehievt.

Meine Favoriten: Gold, It All Comes Down, Hero, Next Stop Willoughby.


—Monica Seidler für CCM-Rezis, April 2007

Daten:
12 Titel / 47 Min.
Musikstil: genreübergreifender Folk-Rock, Folk
Label(s): 2007 independent, Blue Fringe Music, USA / online
Website(s): http://www.scott-phillips.com  /  bei myspace

Wo anhören und kaufen?: Scott Phillips / CDBaby (USA) / iTunes

weitere Infos & CDs – siehe Scott Phillips-Künstlerseite >>
 


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