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 Bebo
Norman
"try"

( 2004 Essential; Provident /
Gerth Medien )
Mit seinem 5. Album seit "The Fabric of Verse"
(1996) schlägt der mittlerweile verheiratete Bebo Norman, einst Vorzeige-Single
und wie Andrew Peterson einer der markantesten
College- Troubadours, neue Wege ein: in der Wahl der Produzenten (Mitch
Dane, Matt Bronleewe und Brown Bannister statt Langzeitfreund Ed Cash),
in der Zusammenarbeit mit anderen Liederschreibern (u. a. die seit "City
on a Hill" allgegenwärtigen Steve Hindalong und Marc Byrd)
und mit einem polierten, durchgestylten Sound mit viel schmelzenden Streichern,
der jedoch Gesang und Gitarre immer obenauf schwingen lässt - "organische
Beschränkung" nennt es der Singer-Songwriter selbst.

Wie ein heller Sonnenstrahl, der morgens durchs Fenster fällt und
einen schönen Tag verkündet, eröffnet "Finding You"
mit wunderbar vielen Gitarren inkl. Pedal Steel und Wurlitzer-E-Piano
das 12-Track-Album. Mit von der Partie bei diesem beschwingten Liebeslied
für Bebos endlich gefundene Gefährtin, Roshare, sind unter anderen
Kenny Meeks sowie Charlie Lowell und Steve Mason von Jars
of Clay. Dass ein neuer Tag anbricht, schildert auch "Standing
in Your Silence" (mit Jill Phillips
in den BGVs), das poetisch vage am Anfang auf Gottes Vergebung bezogen
werden kann, am Schluss aber wiederum mit Lovesong-Wortschatz aufwartet.
Auch "Try", das persönlichste Lied des Albums mit einer
Brise Norman’scher Melancholie zu Beginn, berichtet vom Lebensauftrieb,
den die Liebe (zu) seiner Frau verleiht.
Geradlinigkeit statt poetische Vieldeutigkeit

In einem Interview mit ChristianityToday sprach Bebo Norman davon, seine
früher manchmal etwas mysteriöse, vieldeutige Poesie zähmen
und stattdessen direkter über das, was sein Leben und seinen Glauben
ausmache, singen zu wollen. "How You Love Me", eine Akustik-Miniatur
von eineinhalb Minuten, nennt den Hauptgrund seines Musizierens: von Hoffnung
und von Gottes Liebe zu singen. Und so singt er mit angerauter, kräftiger
Stimme von seinem Heiland, der für ihn gestorben ist, für seine
Seele kämpft und ihn durchträgt ("Soldier" von Brandon
Heath). Der ihn auch auffordert, ihm nachzufolgen ("Yes, I Will").
Er beschreibt Gefühle der Einsamkeit, Lebensangst oder Ziellosigkeit
("Drifting"). Doch da ist ein Gott, der - bildlich gesprochen
- seine Hand ergreift, um ihn weiterzuführen, in diesem Dasein und
in die Ewigkeit hinein ("Other Side of Day"). Dieser Gott, der
ihm Halt, Sinn und Hoffnung gibt, solle in seinem Leben noch wichtiger
und sichtbarer werden (#1-Hit "Disappear" von Chad und Jess
Cates). Ähnlich aufmunternd wie Fernando Ortegas
"Take Heart, My Friend" ist schliesslich das brüderliche
Angebot des Überflieger-Songs "Borrow Mine": »Fass
meine Hand und geh mit mir ein Stück, denn mir scheint, dein Lächeln
hat dich verlassen ... Du kannst dir meine ausleihen, wenn dich deine
Hoffnung im Stich gelassen hat ... Der Gott, der uns errettet hat, wird
uns nie vergessen.«
Ohne Gott nichts

Besonders schön ist "Nothing Without You", das als Track
2 in einer schlanken, gitarrenreichen Version und als Bonus am Schluss
der CD auch noch in einem opulenteren Arrangement samt Streichern zu hören
ist, wobei schwer zu entscheiden ist, welche Vertonung nun besser ist.
Der Sänger befand sowohl die "small" wie die "grand"
Einspielung für hörenswert. Es ist ein Gebet um Hingabe, der
Wunsch, sich Gott völlig anzuvertrauen und ihn wirken zu lassen.
Wie kostbar, wenn diese Worte das Gebet des Zuhörers werden! (Lead
Sheet zum Selbersingen findet sich hier.)

Fazit: "Try" ist – mit diesem Team! - kein "Versuch",
sondern ein gelungenes, wenn auch nicht aussergewöhnliches Album mit einer
schönen Ausgeglichenheit zwischen wohnzimmerhaftem Akustik-Folk (Nashviller
Prägung) und melodiösem, kraftvollem bis stürmischem Pop.
Bebo Norman wählt vermehrt eine leicht verständliche, bildhafte
Sprache, um seinen Zuhörern Jesus Christus nahezubringen, der ihn
staunen, beten, bekennen, nachfolgen, hoffen lässt.

Anspieltipps: Nothing Without You, Try, Drifting, Borrow Mine.
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