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Neal Morse - ''?'' ['question mark' 2005]Neal Morse
"?" ['question mark']


   ( 2005 Radiant Records; Inside/Out; SPV /
           'Plattenläden'; online; Asaph Musik )

Nach den beiden Konzeptalben zur Bekehrung sowie zur Heilsgeschichte legt Neal Morse mit "?" ['question mark'] nun bereits sein drittes Themenalbum vor. Bereits das Coverbild mit dem rauchumschlungenen Fragezeichen markiert den erneuten Genialitätsausbruch des geschätzen U.S.-Künstlers. Und es ist abermals ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk geworden; diesmal mit einigen Besonderheiten. So sind zwar zwölf Tracks auf der CD abgetrennt worden, dies dient jedoch nur dem Hörer-Komfort, eigentlich sind es 57 Minuten Musik aus einem Guß gewebt - ineinander übergehende Passagen und Motive. Daher möchte ich auch nicht einzelne "Songs" beschreiben oder herausgreifen, sondern mehr einen Gesamteindruck vermitteln.

Thematisch ist es in gewisser Weise eine Fortsetzung von "one", nur dieses Mal spezieller. Es geht einerseits um die Gegenwart Gottes, in Person oder durch Seinen Geist, weiter um Seine Heiligkeit; anderseits wird der Opferkult des Alten Testamentes (Alter Bund) sowie das vollkommene Opfer in Jesus Christus aus dem Neuen Testament (Neuer Bund) beleuchtet. Das Spezielle ist nun die Verschmelzung zu einem Stück. Morse hat die Bibel versucht zu interpretieren und hörbar zu machen. Was ihm meines Erachtens sehr gut gelang. Leider sind die Texte im Booklet sehr schlecht zu lesen, weshalb wir eine PDF-Datei zum Herunterladen anbieten! Um seine biblische Inspiration glaubhaft zu belegen, hat der Künstler die entsprechenden Bibelstellen direkt neben die Verse gestellt - was auch geistlich gesehen die Verquickung bzw. Einheit von Altem und Neuem Testament hervorragend verdeutlicht. Ein erstaunliches Zeugnis! Herkömmliche Songstrukturen mußten dabei einfach zerstört werden, kompositorische Freiheit war vonnöten (Vgl. unser neues Interview!).

Für mich symbolisiert das Fragezeichen die erste, spontane menschliche Wahrnehmung auf das göttliche Wirken. Genau wie es Gott dem Volk Israel mitteilte, war Er bei dessem Auszug aus Ägypten in einer Feuersäule oder Wolkensäule immer anwesend (Vgl. Die Bibel, Buch Exodus [2. Mose]). Die sogenannte Stiftshütte (ebenfalls im Coverbild integriert!) inklusive dem Allerheiligsten darin, war Sein Bild für Seine direkte bzw. "geistige" Gegenwart inmitten des lagernden Volkes. Suchen dieser Gegenwart und dieses Geistes ist Morse sehr wichtig, das Motiv ist durchgängig im Werk vorhanden. Die Ablösung bzw. Weiterführung der alten Opfer im vollendeten Opfer Jesu Christi ist ein zweiter Aspekt: durch Jesu Stellvertretertod ist die Schuld ein für allemal bezahlt. Und nur dieses Opfer kann vor dem heiligen und gerechten Gott bestehen.—Die auf der Coverrückseite erneut auftauchenden "Rucksacktouristen" (Vgl. Hülle von "one" - nun aber zwei!), die sich dem Canyon-Massiv bzw. dem hellen Horizont nähern, sollen wohl die von Morse erwünschte menschliche Kontaktaufnahme symbolisieren. Und: der persönliche, "einzelne" Aspekt dieser Beziehung wird herausgestellt.

In gewaltig-bombastischer Theatralik und Dramatik, aber auch mit zartem Einfühlungsvermögen, wurde nun dieses eine Stück vertont. Das Klangsprektrum reicht sehr weit, die Ausführung ist in Teilen roher als auf den Vorgängern. Neben mehrstimmigen Gesangssätzen, Breakbeat-Elementen und manchen chilligen Sphären-Sounds, wissen auch die feinen Melodieansätze zu überzeugen. Außerdem kommt hier der, in "one" bereits leicht durchscheinende, bisweilen technisch anmutende Sound gerade recht! Dadurch bekommt dieses Konzeptalbum den richtigen "Schliff". Interessant, daß sich bestimmte Hooklines, besser Passagen, wie eine Art Thema/ Motiv in jeweils verändertem Outfit wiederholen. Diese kompositorische Technik ist von der Klassik und der elektronischen Musik sowie vom Metal her bekannt - und in der Tat, hier schieben sich Einflüsse aus Klassik nebst Elektronica ein. Eben quirkt es noch aus der Ecke, plötzlich hämmert ein Gitarrenbrett, funkt eine heftige Bassline dazwischen, säuselt eine Akustikgitarre oder mischt erstmals sogar ein Chor die Karten neu ("the glory of the Lord", # VII). Sicher genau der Grund, warum bereits viele Prog-Freunde dieser Platte applaudierten und warum es in Zukunft gewiß weit mehr tun werden. Für eine stabile Umsetzung der einzelnen musikalischen Themen und des Gesamtkonstrukts sorgte wieder das bereits Morse-bewährte Ensemble, unter anderem mit Randy George (Baßgitarre), Mike Portnoy (Schlagzeug, bekannt von Dream Theater), Wade Brown (Chorleitung, bekannt vom Indie-Worshipalbum), Chris Charmichael (Violine & Cello), Bruder Alan Morse, Steve Hackett und Mark Leniger (bekannt von der live-DVD). Lediglich Rick Altizer wurde heuer eine Pause gegönnt :-)

Fazit: Da muß erst ein Neal Morse kommen und der verschlafenen, zaghaften und bekennerscheuen "christlichen Musikszene" zeigen, was es heißt selbstverständlich, offensiv sowie kreativ für die biblische Botschaft einzustehen. Richtig, Morse bekommt nicht nur Applaus, bisweilen kantiges Kontra, aber insgesamt wird sein Werk mehr als anerkannt - und die biblischen Elemente nicht verschwiegen. Bleibt mir nur noch, darauf hinzuweisen, daß es einige Zeit braucht, sich in vorliegendes Werk einzuhören und einzuarbeiten. Wünschenswert wäre eine nachfolgende Betrachtung in der Originalquelle, der Bibel, Gottes Wort. Nämlich, damit aus Fragezeichen Ausrufezeichen werden!


—David Decker für CCM-Rezis, Dezember 2005


in "musix-Plattenbox" November 2005:
»Das neue Solo-Album "?" des ehemaligen Spock´s-Beard-Masterminds Neal Morse ist zwar immer noch Progressive Rock, aber trotzdem auch für normale Rock-Ohren zugänglich. Morse geht es auf "?" nicht ganz so vertrackt und ausufernd an wie sonst und hat auch viele sehr eingängige Melodien am Start. Durch die Mitwirkung von Instrumental-Cracks wie Mike Portnoy (Dream Theater), Randy George und Gäste wie Jordan Rudess (Dream Theater), Steve Hackett (Genesis), Roine Stolt (The Flower Kings) und Neils Bruder Al (Spock´s Beard) ist "?" allerhöchste musikalische Qualität, die aber auch nicht ganz so kompliziert strukturierte Musik-Konsumenten anspricht.«

—musix-Plattenbox, 11/2005
Hinweis: Hier dargelegte Meinungen von Gastautoren müssen nicht die Meinung der CCM-Rezis-Redaktion wiedergeben.

Daten:
12 Titel / 57 Min.
Musikstil: Progessive-Rock; Konzeptalbum
Label(s): 2005 Radiant Records, USA / Inside/Out Music, USA / InsideOut
               Music, Kleve / SPV Recordings, Hannover / 'Plattenläden'; Asaph
               Musik, Lüdenscheid; online
Website: http://www.nealmorse.com  /  bei myspace

weitere CDs – siehe Neal Morse-Künstlerseite >>
 


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