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Neal Morse - ''one''Neal Morse
"one"


   ( 2004 Radiant Records; Inside/Out; SPV /
           'Plattenläden'; online; Asaph Musik )

Zuerst kamen die hörbaren "Bekenntnisse" (testimonies) des Neal Morse in Form eines bombastischen Doppelalbums, daran anknüpfend die Sichtbaren. Und dies alles geschah binnen weniger Monate! Umso erstaunlicher war im November 2004 die Veröffentlichung eines neuen Konzeptalbums unter dem Titel "one" - bei gleichbleibender Qualität seiner Kunst! Während "testimony" Morse' Weg zum christlichen Glauben kreativ thematisierte, behandelt "one" nun das generelle Verhältnis der Menschheit zu Gott. Dabei ist der Titel "one" (dt. "Eins") bereits Hauptthese, denn einst war es eine Einheit im urparadiesischen Zustand, der in Zukunft wieder hergestellt sein wird (engl.: "reunion" - dt.: "Wiedervereinigung/ Versöhnung").

Entsprechend diesem Grundgedanken erfolgte die Auf- bzw. Einteilung des Werkes: Beginnend bei Gottes Schöpfung, wird der Sündenfall, Vertreibung und Entfremdung des Menschen besungen. Der Darstellung seines Schicksals - von der Wiege zum Grab - folgend, tritt der Ausblick auf die Erlösung und Versöhnung zunehmend in den Raum, wobei mit dem Gleichnis vom verlorenen Sohn (Vgl. Lukas-Evangelium, Kapitel 15) Gott als dem "Vater der Vergebung" durch Jesus Christus entsprechende Würdigung zuteil wird. Dieser heilsgeschichtliche Abriß auf biblischer Grundlage ruht im Kern auf drei überlangen Tracks (# 1, "the creation" / #4, "the separated man" / # 8, "the reunion"), die jeweils in verschiedene thematische Akte bzw. musikalische Themen untergliedert wurden. Leider sind diese Untergliederungen nicht im CD-Player einzeln anwählbar, sondern nur das komplette Stück. Doch so wird man "gezwungen", sich mit dem ganzen schöpferischen Prozeß des Künstlers auseinanderzusetzen. Beigestellt sind diesen Kerntracks zwei weitere Stücke in Überlänge, "author of confusion" (# 3) ist eine Abrechnung mit dem Teufel, "help me / the spirit and the flesh" (# 6) charakterisiert den verzweifelten Kampf des (gläubigen) Menschen zwischen fleischlischer und geistlicher Gesinnung. Komplettiert wird das Werk durch drei eher herkömmlich wirkende Songs in "normaler" Länge: "the man's gone" (# 2) behandelt die Vertreibung aus dem Paradies, "cradle to the grave" (# 5) dagegen den Lebensweg von der Geburt bis zum Tod, während "father of forgiveness" (# 7) Jesu Christi erlösende Kraft der Barmherzigkeit und Vergebung vorstellt, welche den Menschen von seinem bemitleidenswerten Dasein zu erlösen vermag.

Der forsch eingeblendete Rucksacktourist auf dem Coverbild paßt hier ebenfalls ins Konzept, denn er besieht dort den Weg und am Horizont die helle Stadt. Das Eins-Thema wird meines Erachtens damit zusätzlich auf die persönliche Ebene heruntergebrochen, denn die Menschheit und die Heilsgeschichte besteht aus Einzelnen. Zudem erinnert das Bild des Weges nicht nur Bibelkenner daran, daß Jesus Christus der einzige - und schmale, meist wenig bevölkerte - Weg zu Gott ist.

Dargeboten wird diese inhaltliche Schwere in Form von erfrischendem Progressive-Rock, welcher zu keiner Zeit Langeweile aufkommen läßt - bei einer wahnsinnigen Spielzeit von 80 Minuten überhaupt nicht selbstverständlich! Gleichwohl ist die musikalische Bandbreite - parallel zum Inhalt - etwas verdichtet worden, vergleicht man die CD mit dem Vorgängerwerk. Nichtsdestotrotz wurde Morse wieder von verschiedenen Profimusikern begleitet. Während er selbst singt, die Keyboards und Gitarren bedient, übernahm Randy George die Baßgitarre und Mike Portnoy (von Dream Theater) das Schlagzeug. Als Gäste treten unter anderem Rick Altizer am Gesang und Phil Keaggy an den Gitarren in Erscheinung, außerdem singt jener mit Morse ein herrliches Duett ("cradle to the grave")! Der von Morse selbst sowie Bill Evans produzierte Sound schält sich in hervorragender Aufnahmequalität aus den Boxen; wenngleich das ganze mitunter etwas "technisch" klingt, d.h. mehr akustische Instrumente hätten etwas mehr "Wärme" rüberbringen können...

Neal Morse hat hier eine erstaunliche Abhandlung geschaffen, die das biblische Zeugnis und sicher einen Teil seiner eigenen Lebensgeschichte in eine Art musikalisches Theaterstück in acht Akten transformiert. Es ist ein Gesamtkunstwerk, das man geschlossen wirken lassen sollte: Arrangements & Instrumentierung, Gesang und natürlich die Textinhalte sprechen wie eins. Daher empfiehlt sich ein aufmerksames, konzentriertes Studium des Werkes, um den Gehalt dahinter zu erfassen. Was jedoch die Klänge an und für sich betrifft, so brillieren sie häufig mit einer gewissen Unbeschwertheit und Natürlichkeit, was einmal mehr die Schönheit dieses Opus unterstreicht.

Tip: Dieses Album ist auch in einer "Special Edition" erhältlich, mit einer zweiten CD, die acht Aufnahmen enthält und praktisch ein komplettes Studioalbum darstellt. Hier erklingen neue Versionen von "one"-Songs, Bonus-Tracks und interessante Cover bzw. Duette!


—David Decker für CCM-Rezis, Dezember 2005


in "amm (all my music)" November 2004:
»Nicht jeder Rocker geht zum Teufel. Bestes Beispiel ist Ex-Spock's Beard-Mainman Neal Morse, der zum Christ wurde und daraufhin seine Stamm-Band verließ. Um erstmal in sich zu gehen und dann mit 'Testimony' ein Album rauszuhauen, dass so verteufelt (tschuldigung) gut klang, dass sich die Prog-Welt doch keine Gedanken machen musste, Neal Morse würde nun in Choräle und ähnliches verfallen. Der Mann ist noch immer ein echter Progger! Und das zeigt er auf dem neuen Werk 'One' eindrucksvoll auf. Zusammen mit Drummer Mike Portnoy (Dream Theater) und seinem Tour-Bassisten Randy George ging Neal Morse daran, die Geschichte der Menschheit in der Beziehung zu Gott niederzuschreiben und zu vertonen. Dabei ist keine Bibelzitaten-Story herausgekommen, sondern ein durchaus lebendiges Prog-Album mit Ecken und Kanten - das kennt man so außerdem von den ebenfalls bekennenden Christen King's X.
(Für Fans von Dream Theater, Spock's Beard, King's X)«

—amm (all my music), 11/2004
Hinweis: Hier dargelegte Meinungen von Gastautoren müssen nicht die Meinung der CCM-Rezis-Redaktion wiedergeben.

Daten:
8 Titel / 80 Min.
Musikstil: Progressive Rock; Konzeptalbum
Label(s): 2004 Radiant Records, USA / Inside/Out Music, USA / InsideOut
               Music, Kleve / SPV Recordings, Hannover / 'Plattenläden'; Asaph
               Musik, Lüdenscheid; online / 2
Website: http://www.nealmorse.com  /  bei myspace

weitere CDs – siehe Neal Morse-Künstlerseite >>
 


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