Morris - ''the right thing''Morris
"the right thing"


   ( 2004 Tantrix Music; Goodsongs; Sony Music /
           'Plattenläden'; online )

Wieder mal ein Newcomer-Album? Richtig, die vorliegende CD "the right thing" ist das eines Newcomers! Jedenfalls in dieser Besetzung: Der Brite (!) Wayne Morris (Gesang, Gitarren, Komponist), Martin Engler (Schlagzeug, Klavier, Gesang) und Carl Fornia (Baß-Gitarre) kennen sich zwar schon seit Mitte der 90er und arbeiteten auch immer wieder zusammen, doch erst Anfang 2003 sprang der berühmte Funke über und sie gründeten ihre neue Formation namens "Morris".

Kennzeichnend für den Sound der Truppe ist die super Stimme von Frontmann Wayne Morris, rauh und emotional, dennoch hervorragend zu den Melodien passend. Toll sind die schönen Mitgrölrefrains, die heutzutage schon selten geworden sind. Mal klingen die Stücke nach mitreißender Stadionatmosphäre, dann wieder nach verqualmter Club-Location... Wayne und seinen Kollegen merkt man die langjährige live-Erfahrung an: sie klingen routiniert, dennoch entdeckt man immer wieder neue Akzente. Sie verbinden dabei gekonnt radiogenen Mainstream-Rock mit dem Alternative der mittleren Neunziger Jahre. Meine Anspieltips vom Album sind: der Titelsong "the right thing" (# 4), "pray" (# 3), "if you've been loved" (# 11) sowie "I still love you that way" (# 12).

Interessanterweise spielen einige der Liedtexte mit religiösem Vokabular; bisweilen glaubt man sich im falschen Film, wenn man an christliche Rockmusik erinnert wird. Songschreiber Wayne verarbeitet hier ein ganzes Stück seine musikalische Geschichte. Große und kleine Lebenslinien - Träume, die Liebe, alltägliche Erfahrungen. Die Texte sind erstaunlich poetisch, werden jedoch kaum konkret.

Fazit: Morris spielen klassischen handgemachten Rock mit Einflüssen aus den 80ern und 90ern. Hauptkennzeichen sind die großartigen Hooklines und groovigen Arrangements. Wer Morris im Plattenladen oder gar live begegnet, sollte diese Chance nutzen!


—David Decker für CCM-Rezis, September & Oktober 2004


in "amm (all my music)" September 2004:
»Erfahrener Newcomer

Fragt man Wayne Morris, britischer Gitarrist, zudem Sänger und ein fürwahr begnadeter Songschreiber, nach seinen musikalischen Vorlieben, so gesteht er einem unumwunden, dass er insbesondere den Britpop à la Coldplay mag und den Rock der seligen T.Rex. Waynes Freund und Kollege Carl Fornia (Bass) hingegen schätzt am meisten Bush, die Band von Gavin Rossdale. Schlagzeuger Martin Engler wiederum hat Tommy Lee, ehemals Mötley Crüe, zum Vorbild – zumindest was die musikalischen Fähigkeiten betrifft und nicht die unrühmlichen Yellow-Press-Aktivitäten seiner jüngeren Vergangenheit. Aber Scherz beiseite. All diese unterschiedlichen Einflüsse verschmelzen Morris, unser Newcomer des Monats, auf ihrem Debüt 'The Right Thing' zu einer spannungsgeladenen und überaus abwechslungsreichen Rock-Legierung. Jeder hat seine eigenen Einflüsse mit in die Songs eingebracht. Und wenn hier von Rock die Rede ist, darf man nicht den Pop-Anteil unter den Tisch kehren. Denn die Kompositionen von Wayne Morris & Co. haben ein großes Hitpotenzial. Man nehme nur mal "We All Belong", das zweite Stück des Albums. Der eingängige Refrain, die simple wie effektvolle Songstruktur und die Gitarren-Melodien lassen einen schwärmen.

Doch wer ist dieser Wayne Morris überhaupt, der aus dem Nichts heraus mit der nach ihm benannten Band ein solch überzeugendes Debüt abliefert? Seine Musikerkarriere begann im zarten Alter von 15 Jahren. Aus North Wales stammend, gründete er irgendwann die Formation T-Set und tourte mit ihr in England und Wales durch die kleinsten und entlegendsten Clubs. Zuerst noch mit mäßigem Erfolg. Langsam, aber sicher konnten sich T-Set auf dem Live-Sektor eine gute Reputation erarbeiten, so dass ihnen Auftrittsangebote aus der ganzen Welt zugingen – zum Beispiel aus Neuseeland, Australien und auch aus Mauritius. Diese konnten T-Set nicht ausschlagen und wollten es verständlicherweise auch nicht. Wann bekommt man schon einmal solch eine Chance?

Mitte der Neunziger strandete Morris schließlich in Hamburg. Dort lernte er über seinen Musikverlag die deutschen Vollblut-Musiker Carl Fornia und Martin Engler kennen. Beide waren seinerzeit noch in der Band Wild Thing aktiv, für die sich Morris in der Folge als Produzent verantwortlich zeigte. Das Aus von Wild Thing kam dann doch eher als erwartet. Morris und Engler schlugen sich fortan als Songschreiber durch. Mit Erfolg. Parallel dazu schrieb Morris an eigenen Songs, die er mit verschiedenen Produzenten aufnahm. Doch mit dem Ergebnis war er einfach nicht zufrieden. Zeitgleich erkannten er und sein Partner Engler, dass ihre Songs fast zu gut für andere Musiker/Künstler waren. Sie machten aus der Not eine Tugend und gründeten mit Bassist/Gitarrist Fornia ihre eigene Band, schlicht Morris getauft. Die Rollenverteilung war somit auch klar: Wayne Morris schrieb die Songs und Engler produzierte sie. Da hatten sich also drei gefunden, die gleiche Vorstellungen von der Musik teilten. Morris war geboren und machte sich flugs daran, Songs zu sammeln, um möglichst bald ein Album veröffentlichen zu können.

Wichtig war ihnen im Verlauf der Albumproduktion, dass ihre Songs möglichst ihren Live-Charakter bewahren und nicht zu steril wirken sollten. Daher haben sie auf Overdubs und Samples gänzlich verzichtet. Was eine kluge Entscheidung des Trios war. Selten klang in den vergangen Wochen ein Rock-Album dermaßen roh und authentisch produziert.

Die langjährige Songschreiber-Erfahrung der beteiligten Musiker ist vielen Songs anzuhören. Die erste Single, "Pray", eine klassische Rock-Ballade, scheint wie gemacht für ihre erste mögliche Stadion-Tournee. Doch so weit sind Morris noch nicht ganz. Erst einmal gilt es, die Musikliebhaber von 'The Right Thing' zu überzeugen. Was – ehrlich gesagt – kein größeres Problem werden sollte. Das schon angesprochene "Pray" weiß den Hörer ebenso zu begeistern wie das Titelstück "The Right Thing". Die Up-Tempo-Nummer geht – wie auch ein Großteil der restlichen Stücke – ohne Umschweife nach vorn. Hinzu kommt, dass einem die Melodie und der Refrain "Do the right thing, gotta do the right thing" schon nach kurzer Zeit nicht mehr aus dem Kopf gehen wollen. Kurzum: Morris haben wirklich alles richtig gemacht. Die einzig unbeantwortete Frage ist: Wann gehen sie denn nun auf Stadion-Tournee?«

—amm, 09/2004
Hinweis: Hier dargelegte Meinungen von Gastautoren müssen nicht die Meinung der CCM-Rezis-Redaktion wiedergeben.

Daten:
12 Titel / 48 Min.
Musikstil: Rock
Label(s): 2004 Tantrix Music, Hamburg / Goodsongs, Peine / Sony Music
               Entertainment GmbH, Berlin / 'Plattenläden'; online
Website: http://www.morris.de  /  bei Add On Music
 


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