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 Kevin
Max
"stereotype be"

( 2001 Forefront Records / Fierce!
/ Gerth Medien )
Früher hieß er mal Kevin Smith und war bei dc
Talk dabei. Irgendwann ging die Umbenennerei los: erst Kevin Max Smith,
dann nur noch Kevin Max (bis heute), sowie
zwischendurch auch schon mal kmax... Seit neuestem ist er solo unterwegs
und hat nun endlich mal sein Solo-Album rausgebracht. Spätestens seit
der 1996er Europatournee von dc Talk schwirrte es in seinem Kopf umher
und es gab auch schon erste Songs. Jahrelang wurde angekündigt es solle
"London Cowboy" heißen und "demnächst" erscheinen. Quasi in letzter Minute
wurde der jetzige Titel geschaffen und aus dem 'demnächst' ein konkretes
Datum. Kevin war derjenige dc Talker, der schon seit Jahren eine Solo-Website
unterhielt, der bereits eigene Gedichtbände herausbrauchte, und auf den
die Mädels am meisten "scharf" sind... Er hatte frühzeitig die deutlichsten
Avancen Richtung "Solo" gemacht und ihm hatte man es auch am besten zugetraut.

So weit, so gut. Jetzt kommt der Boxentext, natürlich in Stereo, um dem
Titel treu zu bleiben ;-) Was einem da so um die Ohren flattert, braucht
sich keineswegs zu verstecken. Seit dem Werk
von Tait, liegt zwar die Meßlatte hoch, doch
Kevin hat genug Ideen, um zumindest gleichzuziehen...
Als Aufreißer rockt "return of the singer" richtig los, und macht seinem
Titel alle Ehre. "Be" (# 3) ist dann der erste richtige Pop-Smash, an
den sich gleich der Midtempo-Titel "angel with no wings" anschließt. Der
Song "her game" (# 12) wurde übrigens von dem populären Videospiel "Tomb
Raider" inspiriert - da frage ich mich, warum das nicht mit auf den entsprechenden
Film-Soundtrack kam? "Deconstructing venus" beispielsweise, das ursprünglich
mal "dirty bird" heißen sollte, hat im Intro einen schönen akustischen
Pop-/Rocksound, entwickelt sich dann aber schnell zu einer Rocknummer.
Übrigens befindet sich mit "you" noch ein hervorragender, versteckter
Bonus-Track am Ende. Die tolle Popnummer hätte meines Erachtens viel besser
in die Mitte des Albums gepaßt!
Auf dem Produzentensessel saß Kevin selbst, zusammen mit Adrian Belew
(gleiches tat er bereits beim selbstbetitelten Debüt von Jars
Of Clay!). Adrian hat die Begabung, Musik ungewöhnlich zu arrangieren.
Auf dieser CD hört man es wieder. Der Sound kreuzt Gefilde zwischen 90er-Jahre-Rock,
Einflüssen von Weltmusik und Elektro-Spielkasten. Eine interessante Mischung,
die nicht mehr so sehr viel mit den Klängen seiner Band "dc Talk" zu tun
hat. Dadurch wird das Endprodukt abwechslungsreich, doch auch etwas zerklüftet
teilweise. So kann man den Liedern auch nach einiger Zeit noch viel abgewinnen.
Als meinen herausragenden Favoriten des Werkes empfehle ich "I don't belong"
(# 9) als Anspieltip! Hier vereinen sich die Qualitäten des Künstlers
sehr gut.
Die "neue Band" leistet hier sehr gute Arbeit im Studio, da wäre der äußerst
begabte Multiinstrumentalist John Painter zu nennen, natürlich Adrian
Belew, der auch etliche Instrumente drauf hat, und auch noch Bassist Tony
Levin sowie Kevin als begnadeter Sänger.

Kevin, der Max, er ist nun mal der Poeten-Typ und das spürt man auch auf
dieser Platte deutlich. Lange zurück, 1995, ließ er uns erstmals an seinen
poetischen Ergüssen teilhaben. Damals war es der namenlose Song "13.",
der eigentlich "alas my love" [dt.: "Ach, meine Liebe"] hieß und von der
Kreuzigung Jesu handelte. Es war ein kunstvolles Gedicht. Davon gibt es
hier wieder welche, nämlich die Tracks 7 und 14, die als "poetry" aufgelistet
sind. Die Verse der Lieder haben es aber ebenso in sich. So weit erst
mal O.K.. Doch wenn ich mir die Inhalte anschaue, werde ich nicht viel
schlauer - was will Kevin aussagen, was ist seine Botschaft? Den Selbstverwirklichungs-Trip
von "be" kann ich noch nachvollziehen, beim Rest wird's dann aber schwierig.
Sehr nachdenkliche Zeilen über Alltagsthemen; aufgeworfene Fragen werden
nicht immer beantwortet.
Im Bonus-Track kommt dann aber doch noch das Bekenntnis von Kevin: Gott
ist alles für ihn, deshalb betet Er Ihn auch mit diesem Loblied an!
Um das Anfangsthema wieder aufzugreifen: sein neues Buch sollte zuerst
auch "London Cowboy" im Titel tragen, doch auch das ist jetzt verschwunden,
weil es "Unfinished Work" [dt.: "unbeendete Werke"] heißen soll. Ich bin
gespannt, ob sich Kevins lyrische Ader auch bei Buchlänge behaupten kann.

Fazit: DAS Pop-Album unter den drei dc
Talk-Soloalben. Trendy und unbeschwert steht er da am Anfang des neuen
Jahrtausends - Kevin geht ganz einfach seinen eigenen Weg! Wenn man sich
nach einigen Durchläufen mit seiner Musik angefreundet hat, wird es Zeit
in seine lyrischen Gedanken(gänge) einzudringen...
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