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 Brian
Moss
"prayerbook, no. 1 - new songs inspired by
the psalms"

( 2005 One-Fifty Records / online
)
CD-Rezi und ein Kurzinterview
...
15 Lieder zu den Psalmen jedes Jahr - während 10 Jahren

Brian Moss ist nicht nur ein vielseitiger Liedermacher, Klavierspieler
und Anbetungsleiter an der John Knox Presbyterian Church in Seattle, WA,
sondern auch Blogger. Er versteht sein musikalisches und schriftstellerisches
Schaffen als kulturelles Engagement, als Verbindung von Kunst, christlichem
Glauben und Leben. Eines seiner Mottos lautet denn auch "Art+Faith+Life
= A Beautiful Thing". Unter www.prayerbookproject.com
predigt, philosophiert, erzählt, rezensiert, verweist und kommentiert
er - ohne dabei der Jeden-Tag-1-Beitrag-Sklaverei zu verfallen. Der rote
Faden sind die Psalmen, das Gebet, der Lobpreis.

Alles begann damit, dass Brian Moss in seinem Bibelstudium festsass, besonders
bei den Psalmen: Einerseits fassten sie seine eigenen tiefsten Wünsche
und Ängste in Worte, anderseits verwirrte ihn manche radikale Aussage.
Auf den Rat hin, er solle sich gerade diesen Stellen zuwenden, die er
schwer verständlich finde, liess er sich auf eine Reise durch das Buch
der Psalmen ein - eine Reise in Gebet und Musik: Er meditierte über den
Bibelversen, betete, studierte Kommentare von Dietrich Bonhoeffer, C.
S. Lewis, Robert Davidson u. a. Und er setzte sich zum Ziel, zu jedem
Psalm ein eigenes Lied zu dichten. 150 neue Psalmen will Brian Moss in
den nächsten 10 Jahren schreiben und vertonen, 15 Stück jedes Jahr. Seine
im April herausgekommene, selbst produzierte CD "Prayerbook, no. 1 - new
songs inspired by the psalms" bringt nun die erste Tranche. Und es ist
deutlich hör- und spürbar, wie "lebensverändernd, überwältigend, lohnenswert,
anstrengend, belebend, geistlich erneuernd" diese Vertiefung in das grosse
Gebetsbuch der Bibel ist.
Stimmungsvolles Stilgemisch und Topmusiker

Geschmeidig vermischt Brian Moss Elemente aus Jazz, Folk, Pop-Rock und
Electronica und erfindet so für jeden Psalm einen passenden Stil und eine
eigene Stimmung. Er liebt jazzige Muster und Improvisationen, Klangtüfteleien,
hypnotisierende Rhythmen und Loops, die er seinem etwas spröden Gesang
unterlegt, ebenso wie urige Mandoline, Akustikgitarre und viel Klavier/Keys.
Spannende Intros und instrumentale Zwischenspiele, dynamische Harmonien
und klasse Mitmusiker (Kenny Meeks, Timothy James Meaney, Mandy Troxel,
Katy Bowser u. v. a.) kennzeichnen auch diese vierte Solo-CD. Auch dringt
immer wieder seine Liebe zu alten Hymnen und Gemeindeliedern durch (er
wirkte neben Matthew Smith, Derek Webb
und Sandra McCracken beim Projekt
"Indelible Grace" mit). Ein Vergleich mit den Veteranen Michael
Card, Michael W. Smith oder Wayne
Watson kann nur grob die Richtung angeben; Brian Moss' Sound klingt
ein gutes Stück moderner, experimentierfreudiger, abstrakter ;-).
Anbetung in jeder Lebenslage

Die Liedtexte verraten ein persönliches Studium der Bibelverse, und es
lohnt sich, dazu die Erklärungen auf der Prayerbook-Website und die Psalmen
im Original zu studieren. Die beiden eröffnenden Tracks "Joy Will Come
To You" und "Kiss The Son" erinnern wie die ersten beiden Psalmen daran,
dass unser Leben und Wohlergehen davon abhängt, dass wir im lebendigen
Wort Gottes bleiben. Es ist das vollkommene Gesetz Gottes, und der Weg
ist Jesus Christus, auf den so mancher alttestamentliche Psalm vorausweist.
Jedes Lied stellt einen Aspekt unseres Zugangs zu Gott, unseres Wandels
auf seinen Wegen heraus: die Bitte um Erlösung ("Arise, O Lord"), die
abendliche Hingabe des Vergangenen und des Kommenden an Gott ("I Will
Lie Down") und die Entscheidung jeden Morgen, in seinem Licht zu wandeln
("In The Morning"), der Hilferuf in der Not ("Heal Me"), aber auch besonders
das Warten und Hören auf eine Antwort nach dem Gebet ("I Will Rise Up",
"How Long?").

Gottes Gnade steht immer vor Augen, dass er sich unser erbarmt dank der
Gerechtigkeit in Jesus Christus; so etwa im mitreissend-rockigen Popsong
"Heal Me", in der eindringlichen Hymne "Not Even One", im verspielt vorwärts
drängenden "To See Your Face" mit Blick auf das Gericht am Ende der Tage
und im ruhigen "I Hide Myself". Brian Moss hat nach eigenen Angaben lange
mit gewissen Versen und ihrer Bedeutung für sein Leben gerungen. Neben
Lob, Trost und Verheissungen finden sich auch unbequeme Bekenntnisse und
harte Einsichten. Doch jede Erkenntnis bestärkte ihn in seinem Lob: "Glory
On Display" und "I Worship You" rufen zur Verherrlichung Gottes in jeder
Lebenslage auf. Und auch das unmittelbar anschliessende "You Are The Only
Hope", das nach Psalm 10 und in Erinnerung an 11/9 entstand, hält - nun
in Moll - das Lob in Bedrängnis aufrecht. Ein Lied, das mit seinem Blick
auf das Kreuz und die Auferstehung wirklich "nach oben" lenkt! Mit den
zwölf kurzen Versen von "Only Believe", die den Hörer zart, aber bestimmt
zu einem rechtschaffenen Wandel aufrufen, schliesst das Album nach über
einer Stunde.

Fazit: Kunst+Glaube+Leben = eine schöne Sache. "Prayerbook, no. 1" ist
ein reifes, stimmungsvolles und reichhaltiges Psalmen-Projekt, das mit
seinen starken Texten die Zuhörer unmittelbar in die Psalmen hineinnimmt
und durch musikalische Eigenständigkeit und Vielfalt hervorsticht. Unter
den künftigen Liedern Nr. 16 bis 150 wird gewiss noch so manche Perle
sein.
3
Fragen an Brian Moss (ccmtexte, Juni 2005)
(Dies ist eine Übersetzung. Die englische
Originalversion findet sich hier...)
Monica Seidler: Es ist nicht ganz einfach,
Deinen Musikstil einzuordnen: Ich entdecke Jazz, Folk, Pop, Rock, Hymnen
und "Electronica". Wie würdest Du Deine Musik beschreiben?
Brian Moss: Ich denke, Deine Klassifizierung mit Jazz/ Folk/ Pop/
Rock/ Hymne/ Electronica deckt es in etwa ab. Ich habe an vielen Musikrichtungen
Freude, sei's beim Zuhören oder beim Liederschreiben. Meine früheren Projekte
waren in Stil und Klang etwas einheitlicher, aber die Auseinandersetzung
mit den Psalmen erfordert mehr Anpassungsfähigkeit. Die Psalmen rufen
so viele verschiedene gefühlsmässige Reaktionen hervor, und es braucht
ein feines Gespür, um festzulegen, welche Klänge ein Lied brauchen könnte.
Monica: Wurde auf eine
besondere Art aufgenommen und abgemischt?
Brian: Die Kunst, Musik aufzunehmen, hat in den vergangenen paar
Jahren eine ziemliche Revolution erfahren. So viele Aufnahmen werden heutzutage
auf nichts weiter als einem Laptop produziert; während dies in gewissen
Situationen gut funktionieren mag, denke ich doch, dass es die Vielschichtigkeit
und die Tiefe unserer Erwartungen an Musik verengt hat. Dieses Projekt
enthält sowohl analoge als auch digitale Elemente. Wir wandten eigentlich
keine besondere Technik beim Aufnehmen/Abmischen an, ausser dass wir versuchten,
eine angemessene Ausgewogenheit zwischen den beiden Welten analog - digital
zu finden.
Monica: Wie Du es [auf
prayerbookproject.com] beschreibst, führt ein Rhythmus durch die Psalmen.
War es Deine Absicht, dass Rhythmus und Tempo anziehen und dynamischer
werden von Track 1 zu 15 - so wie die Erfahrung von Gottes Majestät, seiner
Barmherzigkeit und Gnade zunimmt, die uns näher zu ihm hinzieht? Und dann
schliesst das Album mit dem eindringlichen Gebet um Erlösung in "Not Even
One" und der freundlichen Einladung von "Only Believe".
Brian: Meine grösste Furcht beim Schreiben von aus den Psalmen
(oder nach irgendeinem biblischen Text, was dies betrifft) inspirierten
neuen Liedern ist, auf sie einzuwirken. Anders gesagt: Sie das sagen zu
lassen, was ich sagen möchte, statt was sie tatsächlich sagen. Es behagte
mir nicht immer, das schreiben zu müssen, was ich schrieb, aber dies ist
einer der umformenden Aspekte der Psalmen. Wenn wir diese Lieder/Gedichte
singen/beten, verändern sie uns und verhelfen uns zu einer umfassenderen
Sicht des Glaubenslebens.

Ich plante nicht, dass das Tempo schneller oder dynamischer werden soll,
aber ich denke, dass es irgendwie so herauskam aufgrund des Wesens der
Psalmen selbst. Ich dachte ständig über die Abfolge der Aufnahme nach,
und ich glaube, dass dies den Schreibprozess dramatisch mitgestaltete.
Ich dachte auch sehr viel darüber nach, ob diese Scheibe (und die kommenden)
in ihrer Art eher persönlich oder eher auf die Gemeinde bezogen sein soll.
Schliesslich beschloss ich, jeden Psalm für sich selbst sprechen zu lassen.
Während die einen einfacher in eine Antwort einer Gemeinschaft gefasst
werden können, sind andere auf den einzelnen Menschen bezogen. Zugleich
bin ich überzeugt, dass kein einziges gebetetes Gebet alleine gebetet
wird.

Dieses Projekt ist keinesfalls ein Ersatz für die echte Sache [d. h. das
Buch der Psalmen, das Gebet], aber ich hoffe, es hilft als ein Eingangstor.
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