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 Late
Tuesday
"remember we forget"

( 2004 Bluetree Records / online
)
»Ben Folds und die Indigo
Girls hängen mit Aimee Mann rum.«
(Selbstbeschreibung von Late Tuesday)

Musikalität hoch drei

Vergleiche mit den Indigo Girls, mit Aimee Mann und Sarah McLachlan, die
seit ihrem Debüt "Late Tuesday" (2001) an dem gleichnamigen
Trio haften, umschreiben nur einen Bereich ihres dreifach reichen Spektrums:
Dana Little, Tara Ward und Jocelyn Feil bringen jede einen eigenen Liederschreibstil,
ihre Stimme und ihr Können an den Tasten und/oder Saiten ein. Dazu
kommt eine überschäumende Musizier- und Experimentierfreude,
die sich in vielschichtigen Arrangements mit anspruchsvoll verwobenen
Harmonien niederschlägt. Was sich neben und hinter den Leadstimmen
abspielt, ist ein Ohrenschmaus, eben typische Late-Tuesday-Vielstimmigkeit.

Auch auf ihrem 2004 veröffentlichten dritten Album, "Remember We
Forget" (Produzent Cam Nicklaus), wagt sich das Singer-Songwriter-Trio
in den Instrumenten und Gesangspartien an vielfältige neue Herausforderungen:
"To Not Be Let Down" etwa klingt in einem hymnischen Gloria-Chörlein
aus, während "Coffee Drinks" von luftigem Gitarrenfolk
geprägt ist. Auf das bittersüsse "Not The One", das
auf einem dichten Stimmen- und Klangteppich voranrumpelt, folgt "Simply
Beautiful" mit seinen träumerischen BGV-Seufzern. Eines der
vielen Highlights ist auch der beatleske Schlusstrack "Exactly How
You Feel" mit seiner Violinenbegleitung, den "Bababa"-Rufen
und Honky-Tonk-Takten, die sich gegen Schluss schrill auftürmen,
um dann brüsk zu verstummen. Jeder Song erhält so eine eigene
Stil- und Spielart – an wenigen Stellen nicht ganz ausgereift (v. a. "23"),
manchmal mit gar viel Ostinato, doch immer entwaffnend stimmungsvoll.
Sonnen- und Schattenseiten des Lebens und der Liebe

In ihren Liedern, die sie einzeln oder zusammen schreiben, denken die
drei Mittzwanzigerinnen vor allem über Liebe, Freundschaft und Beziehungen
nach. Mit Gespür für die feinen Zwischentöne und (Diss-)Harmonien,
aber auch mit Biss ("My Nice-Friend Face", "Not The One").
Der Wortschatz ist oft ziemlich "sophisticated", doch gerade
darin liegt wohl ein Grund für den weit ausstrahlenden Erfolg der
quirligen Indie-Gruppe. Dass die drei Christinnen sind, zeigen sie in
Stücken wie "23" nach Psalm 23 oder "To Not Be Let
Down", einem Trostlied an einen Freund: »Stell dir Gott
vor in all seiner Majestät. Er hält dich noch immer. Und er
liebt dich ohne Ende. Stell dir den Himmel vor in seiner Pracht, er ist
ganz anders als diese Erde – deine Liebe wird dort nicht enttäuscht.«
Late Tuesday sehen sich jedoch nicht als "christliche Band",
es sei nicht ihr Ziel, zu predigen oder in ihren Liedern zu belehren,
vielmehr wollen sie mit erstklassiger Musik unterhalten: »Wir
möchten das Gute und das Schlechte in unserem Leben rüberbringen,
und es ist unser Traum, dass die, die zuhören, an diese Erfahrungen
und die Lektionen, die wir gelernt haben, anknüpfen können.«

Fazit: munter, redselig, eigenwillig. "Remember We Forget" liefert
anspruchsvollen femininen Folk-Pop in der Art von Aimee Mann, Jonatha
Brooke und den Indigo Girls – aber aus einer christlichen Warte, wenn's
drauf ankommt.
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