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 Late
Tuesday
"looking for flowers again"

( 2002 Independent )
»Mein Herz sehnt sich
nach den Worten, die die Masse all der krankhaft rebellischen verlorenen
Söhne davon überzeugen könnte, dass sie geliebt und verstanden
werden können.«
(aus "Looking Through Rosy Glasses")
Abwechslungsreich, gedankenvoll, fetzig, amüsant,
mal selbstbewusst, mal besinnlich sind die Lieder des quirligen Trios
Late Tuesday aus Bellingham, Washington.
Auch das Nachfolgeralbum ihres erfolgreichen Debüts "Late Tuesday"
(2001) gleicht einer Wundertüte voller Überraschungen und Bonbons.
Akustik- und E-Gitarre, Klavier und Rhodes, die von Tara, Dana und Jocelyn
selbst gespielt werden, bilden den Rahmen für ihre gefühlvollen
Songs. Dazu kommen ihre drei ganz unterschiedlichen Stimmen, Drums & Bass
und komplexe Arrangements mit wunderschönen Harmonien, verspielten
Details und viel Retro-Charme.
Ohrwurm-Refrains und charakteristische Harmonien

Auf das Americana-folkige "Flowers or Honesty" folgt der Wortschwall
von "Everything Means Nothing" zu übermütig rumpelnden
Keys, danach das melancholische, nervös pulsierende "Hallways".
Der zynische Lovesong "I Do" und "Crazy" setzen auf
ausdrucksstark erzählenden Gesang und Klavierbegleitung, veredelt
durch die typische Mehrstimmigkeit der BGVs. In "A Better Hold"
und im groovigen "Again" dominieren wiederum die Gitarren, Bass
und funkige Rhythmen. Eine starke Leistung ist auch das gegen Schluss
immer schrillere "It's Over". Manche Lieder oder Liedstellen
könnte man endlos anhören ...

Die Gruppe, die an ihren Konzerten gerne Coversongs beisteuert, holt sich
vielfältige Anregungen aus der Musikgeschichte und streckt dabei
ihre Fühler auch nach Europa aus. So leitet die Melodie von "La
vie en rose", einem französischen Chanson, "Looking Through
Rosy Glasses" ein, während der "Oooooh"-Chor im Refrain
Erinnerungen an die Gruppe Bangles aus den 80er Jahren wachruft. Das Lied
ist gerade wegen dieser Harmonien ein ebenso hartnäckiger Ohrwurm
wie "Ordinary Day" mit seinem "Sha-na-na"-Gezwitscher
auf dem ersten Late-Tuesday-Album. Natürlich fehlen auch Rückgriffe
auf die Beatles-Zeit nicht. Es macht richtig Spass, in den Hintergrundstimmen,
in den Arrangements oder in wenigen Takten Melodie Déjà-vus herauszuhören,
die von Late Tuesday raffiniert zu ihrem ureigenen, irgendwie zeitlosen
Indiepop umgemünzt und von Aaron Sprinkle sorgfältig produziert
wurden.
Gespräche über Liebe, Freundschaft und
Gott

Auch bei den Liedtexten springt der Funke sofort rüber. Die Gedichte
über Liebesgefühle, Beziehungen, Herzschmerz wenden sich wie
in einem Brief oder einem Gespräch direkt an ein Du und lassen viel
Raum für unsere eigenen Gedanken und Deutungen. Auch von ihrem Lebensfundament
singen die drei Freundinnen: von ihrem Glauben an einen Gott, der alle
mit gebrochenem Herzen und zerschlagenem Geist annimmt und ihr Lob aus
tiefster Seele verdient ("103 and Other Things" zitiert als
ungewöhnlicher Worship-Song aus Psalm 103). Das abschliessende "Home"
beschreibt Gottes Vaterliebe zu seinen Kindern.

Fazit: eine Glanzleistung! "Looking For Flowers Again" liefert
Gute-Laune-Musik mit erfrischendem Indiepop-Charme, ohrenschmeichelnder
Vielstimmigkeit und originellen Texten, die das Herz ansprechen und den
Alltag leichter werden lassen. Wer feminine Songwriter-Kunst à la Jonatha
Brooke, Indigo Girls oder Aimee Mann und die Dreistimmigkeit der deutschen
Gruppe Sharona mag, findet hier viel Vertrautes.
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