Katie Herzig - ''weightless''Katie Herzig
"weightless"


   ( 2006 independent, Marion-Lorraine Records )

Wunderbar schwerelos und phantasievoll

Nach Lori Chaffers "1beginning", Sara Groves' "Station Wagon" und Chris Rices "Amusing" möchte ich Euch ein weiteres Album aus der Kategorie "verspielt, schrullig" vorstellen: Katie Herzigs zweites Soloalbum "Weightless". Es wartet mit hypnotischen Klängen, einer bezaubernden Stimme und augenzwinkernd eigenwilligen Lyrics auf. Die Musikerin, deren Name die Schweizer Vorfahren verrät (ihr Grossvater lebte bis 1940 im Kanton Bern), war die Leadsängerin der College-Band Newcomers Home aus Colorado. Diese begeisterte bis Anfang 2006 mit ihrem eigentümlichen Stilmix und Katie Herzigs Gesang. Man muss einfach hinhören, wenn sie mit heller "Elfenstimme" zu erzählen beginnt, nicht unähnlich Leigh Nash.

»Life is in boxes in back of our car, driving around with our dreams in a jar,
and it's all right here.«
(~ "Sweeter Than This")

Der Funke springt schon im ersten Stück über, der Romanze zwischen Jack und seiner sommerrosenschönen Jill ("Jack and Jill"). Man hört, wie sich das Gefühls-Karussell zu drehen beginnt. Und schon im dahingaloppierenden "Sweeter Than This" ist es der Sängerin nicht mehr ganz geheuer, wie süss Verliebtheit noch werden könnte. Lauern da nicht auch Gefahren, glänzende Lügen ("Fools Gold"), gebrochene Herzen ("Jenny Lynn", "Weightless")? Nicht jedes Liebesangebot ist so vertrauenserweckend wie das wunderschön vorwärts fliessende "The Offer", das Katie Herzig mit Ruby Amanfu (Rachael Lampa) schrieb: "Dies wird keines dieser Lieben-und-Verlassen-Experimente." Anstrengungslos träumerisch und dann wieder eigenwillig beharrlich tastet sich die Sängerin durch ihre andeutungsreichen Verse. Passend zu ihren Grübeleien und Geschichten-Skizzen webt sie stimmungsreiche Klangtexturen und zeichnet zarte Melodien wie Luftschlangen in den Raum.

»I'm not good at soap boxing matters of heart.« (~ "The Offer")

Katie Herzig"Butterfly" und "Jenny Lynn", ein Trostlied für ihre Schwester, strömen schwerelos aus den Lautsprechern, während "Crazy" und "Middle" walzermässig dahertaumeln. Wunderbar retro klingt "Fools Gold". Melancholisch wird's im Titelsong und fast schon wimmernd im theatralischen "Diamond Ring". Neblige Nebenstimmen, geheimnisvolle Beiklänge und zart gezupfte Akustikgitarre verstärken das Hypnotische ihrer Songs, in denen auch Banjo, Cajón, Akkordeon, Pfiffe und ulkig-schöne Stimmeneffekte zum Einsatz kommen. "Not Even Close", in dem die Sängerin unzufrieden auf ihr Leben blickt und sich eine Veränderung wünscht, wechselt spannungsvoll zwischen nuschelndem Gesang und krachendem Geschramme.

»Hey, fellas, why don't we go where the movies are silent
and life is as big as a stage.«
(~ "Charlie Chaplin")

Aus Einflüssen von Shawn Colvin über Norah Jones bis Coldplay und wohl auch von Alternative-Popperinnen wie Emiliana Torrini und Fiona Apple hat die junge Songschmiedin ihre ureigene Handschrift entwickelt. Interessanterweise entstehen bei ihr Musik und Lyrics meist gleichzeitig. Die Musik setze ihre Gedanken erst frei. Und was für originelle Bilder da zu tanzen beginnen! Das verspielte Coverbild fängt's perfekt ein. Ihre Lieder wirken wie aus einer anderen Welt, wo wir uns wie Schmetterlinge im Licht sonnen oder wie im Stummfilm herumtapsen (Ohrwurm: "Charlie Chaplin"). Und doch ist das Leben ihre Inspiration: eigene Erlebnisse und solche anderer. Auch Bücher, Filme oder Konzerte, die etwas in ihr auslösen. Das gesellschaftskritische "Crazy" entstand während der letzten Präsidentenwahl, als Staatsführung, Religion und Krieg in aller Munde waren: "Was haben sie mit Jesu Leben gemacht? Sie lassen es grausam aussehen, sagen, es sei eine Lüge. Aber sie bitten noch immer um seinen Frieden ..." Möglicherweise sei es nur menschlich, irre zu werden mitten in all dem, mitten zwischen Himmel und Erde.

Fazit: taumelig schöne Songwriterkunst! Katie Herzig versteht es, zarten Gedanken Flügel zu verleihen, womit sie die Zuhörer erstaunlich hartnäckig umschwirren. Wer keine Scheu vor andeutungsreichen, auch schrulligen Liedern hat, sollte hier reinhören.

Meine Favoriten: Charlie Chaplin, The Offer, Jenny Lynn, Butterfly.


—Monica Seidler für CCM-Rezis, Februar 2007

Daten:
14 Titel / 50 Min.
Musikstil: Progressive, Alternative Pop/Rock, Indie-Folk-Pop
Label(s): 2006 independent, Marion-Lorraine Records, USA
Website(s): http://www.katieherzig.com  /  bei MySpace

Wo kaufen?: bei Katie Herzig / CDBaby (USA) / Amazon (USA) / iTunes
 


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