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Sara Groves - ''the other side of something''Sara Groves
"the other side of something"


   ( 2004 Sponge; INO / grassrootsmusic.com )

Überraschend neue, experimentierfreudige Klänge
Sara Groves kehrt mit einem neuen, ihrem mittlerweile vierten Album zurück: "The Other Side of Something" (INO/Sponge Records). Was schon in der Aufmachung des bilderreichen CD-Booklets anklingt, bestätigt sich beim Anhören der 11 Tracks: Wiederum werden neue Wege beschritten, lotet die begabte Songschreiberin und Sängerin neue musikalische Stilmöglichkeiten, Klangwelten und Themen aus (z. B. Armut in "Esther", Ehestreit in "Roll to the Middle", Luxus in "All I need"). Einen nicht unwesentlichen Anteil am experimentierfreudigen Auftritt dürfte zum einen Produzent Charlie Peacock haben, der auf 4 Tracks mitverantwortlich zeichnet. Doch auch die mit Nate Sabin in bewährter Zusammenarbeit produzierten restlichen Lieder sind zum Teil überraschend energisch, komplex und extrovertiert ausgefallen. Neben den gewohnten Klavier- und Streicherklängen tauchen harte Schlagzeugeinlagen, rasante oder tänzerische Rhythmen, jaulende Gitarren, flirrende oder schnarrende Geräusche, dumpfe Basslinien, Dobro-Klänge, orientalische Schlenker, eine neckische Mundharmonika, geheimnisvoller Keyboardsound und jede Menge originelle Nebenstimmen auf. Zahlreiche Musiker, Soundtüftler und Stimmen haben mitgewirkt (u. a. Jerry McPherson, Steve Brewster, Chris Eaton, Scott Dente, Nirva Dorsaint, Ehemann Troy Groves und sogar Söhnchen Kirby :-).

Sara Groves ...Nach dem Kampf der befreiende Wendepunkt
Prägend war zum andern das keineswegs nur erholsame Pausenjahr abseits des Rampenlichts, aus dem sich Sara Groves nach der Geburt ihres zweiten Kindes zurückgezogen hatte. Es sei ein Jahr voller Kämpfe und Fragen gewesen. Mit dem Bild eines Boxers beschreibt sie, wie sie sich angesichts des Bösen in der Welt, der Unwägbarkeiten im Leben gefühlt hat: »Geistlich war ich genau dort. Ich fühlte mich geschlagen, aber ich kehrte in meine Ecke (des Rings) zurück. Nun bin ich erholt und bereit, vorwärts zu gehen. Und ich fühle mich sicherer in meiner Berufung, zuversichtlicher in dem, was ich tue.«  Sie sehe sich nun buchstäblich "auf der andern Seite von etwas", soll sie Charlie Peacock gegenüber ihre jetzige Verfassung beschrieben haben - daher der CD-Titel. Das ungewöhnliche, jazzig-abstrakte und fast ein wenig unheimliche Konzeptlied "The Boxer", das aus einer Improvisation hervorgegangen ist, endet mit dem zuversichtlichen Vers: »Er, der in mir ist, ist grösser.«

Im melodiösen Upbeat-Song "Compelled" (geschrieben zusammen mit Peacock) erzählt sie von dieser aus den Herausforderungen heraus gewonnenen neuen Zuversicht: »Ich habe eine neue Hoffnung, die alle kleinen Hoffnungen, die ich zuvor kannte, wegfegt.« Sie habe weniger Antworten als vielmehr Friede mitten in all den Fragen gefunden. Habe erkannt, dass das, was wir wollen, nicht unbedingt das ist, wovon Gott weiss, dass wir es brauchen ("What I Thought I Wanted"). Dieser gefestigte Ausgangspunkt leuchtet auch im stellenweise beatelesken Ohrwurm "The One Thing I Know" auf: »Das ist alles, was ich weiss: Du hast gesagt, dass du mich nicht verlässt. Du hast ein gutes Werk in mir begonnen und wirst nicht aufhören, bis ich frei bin.« Mit dem sich entpuppenden Schmetterling und der sich häutenden Schlange vergleicht Sara Groves im poetischen "Like a Skin" ihre Sehnsucht danach, den alten Menschen endgültig abzustreifen wie eine überflüssig gewordene Haut - auch wenn diese Befreiung schmerzhaft sein könnte.

Sara Groves ...Bewährte tiefgründige Texte
Der Gedanke, dass mit Gottes Hilfe das Widerwärtige und Böse, das sich uns in unserem Leben immer wieder entgegenstellt, besiegt werden kann bzw. besiegt worden ist, findet sich übrigens als eine Art Leitmotiv bereits in den früheren Liedern "Less like Scars" und "The Word". Auch die Fokussierung auf Jesus als einzigen Reichtum und als Antwort auf die Fragen des Lebens fand sich etwa bereits im Lied "Conversation": »Das ist alles was ich habe, alles, was ich bin ... Jesus Christus.« Es gehört zu ihrem einfühlenden Erzählstil, dass Sara Groves solche Erfahrungen und Erkenntnisse in ihrer ganzen Tiefe ausschöpft und in Liedern mit allen Facetten für andere erfahrbar macht.

Daneben tauchen auch ganz neue Themen auf: Im 6-minütigen "Jeremiah", das aus den dumpf-fordernden Cellos am Anfang geradezu rockige, wuchtige Klänge entwickelt, hält die Sängerin energisch Zwiesprache mit dem für Gott brennenden und kämpfenden Propheten. "All I Need" mit seinen ulkigen Hintergrundstimmen entlarvt in einem ironischen Monolog unsere unersättlichen Ansprüche, während das eindringliche "Esther" gerade den ärmsten der Armen gewidmet ist. Als ein Liebes- und Dankeslied für Ehemann und Manager Troy Groves spricht "Undone" von den Masken und Verstellungen, die wir oft vor andern annehmen, obwohl wir uns doch am geborgensten dort fühlen, wo wir echt sein dürfen. Unter die Haut geht "Roll to the Middle" über Versöhnung nach einem Ehestreit: Stolz verhindert gar zu oft den ersten Schritt. Andächtig, warm und träumerisch-schwerelos schliesst das Album mit der zurzeit sehr beliebten Hymne "Come Thou Fount" (jüngst auch von Suzanne Brewer, Chris Rice, Spurfiftyeight, David Crowder Band vertont).

Spätestens seit der Umorganisation der Homepage www.saragroves.com zu einer virtuellen Plattform über die Musikerin wie auch über "music, culture, and worthy causes" allgemein ist klar, dass Sara Groves ihre Musik nicht als abgehobene Kunstwelt versteht, sondern als Kommunikationsmittel. Als ihre ganz persönliche "Kanzel" für ein Evangelium, das sich an jeden einzelnen Menschen in unserer heutigen Zeit richtet. Das Zentrum ihrer Lieder bleibt unüberhörbar Jesus Christus. Ihre Themen: Beziehungen, Erneuerung, Heilung und der alltägliche Kampf zwischen Gut und Böse. Ihr Markenzeichen: Originalität, Poesie, Authentizität und eine einnehmend warme Altstimme. Dass sich Sara Groves als Person in ihrer jeweiligen Lebenslage und Verfassung ganz bewusst - und unverstellt - miteinbezieht, macht ihr Schaffen so persönlich, bodenständig und unverwechselbar. Es bewahrt sie bei aller drohenden Kommerzialisierung (die ehemalige Indie-Musikerin ist mittlerweile ein Unternehmen) vor Kitsch und oberflächlicher Unverbindlichkeit und macht sie vor allem glaubwürdig.

Fazit: Sara Groves ist hörbar an einem neuen Ort angelangt. Aus Bewährtem und Neuem ist ein vielfältiges, abwechslungsreiches und verspieltes Album einer nicht nur musikalisch bemerkenswerten Christin entstanden! - Es wäre schön, wenn die mir vorliegende limitierte Edition mit einer Bonus-CD (u. a. unveröffentlichte Lied-Demos, ausführliches Interview zur Entstehung der Lieder, Notenblätter) den Weg auch nach Europa findet.


—Monica Seidler für CCM-Rezis, März 2004

Daten:
11 Titel (Bonus-CD: 22 Titel) / 48 Min. (Bonus-CD: 51 Min.)
Musikstil: Pop/Rock, Folk, Singer/Songwriter
Label(s): 2004 Sponge Records/INO Records, USA / Asaph Musik,
               Lüdenscheid; online
Website: http://www.saragroves.com

Wo kaufen?:
online bei www.grassrootsmusic.com

weitere CDs - siehe Sara Groves-Künstlerseite >>
 


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