|
 Sara
Groves
"conversations"

( 2000-2001 INO Records / Asaph,
Gerth)
Intime Musik mit Tiefgang

»Erinnere mich bei jeder Entscheidung daran: Generationen werden ernten,
was ich gesät habe. Ich kann einen Fluch oder Segen an die weitergeben,
die ich vielleicht nie kennen werde.« ("Generations") – Dies ist nur eine
der starken, lebensverändernden Aussagen, die die 1972 geborene Sängerin
und Songschreiberin Sara Groves aus Minneapolis
– Abgängerin 1994 der Evangel University in Springfield, Geschichtslehrerin
an der Highschool von Minnesota und seit Frühling 1998 Musikprofi – in
wunderbar schlichter, aber aufwendig arrangierter Folk/Acoustic-Pop-Musik
nahebringt. Überzeugend und einnehmend, nicht lärmend überredend. Differenziert
und tiefgründig statt oberflächlich effektheischend. Indem sie sehr viel
von ihren tiefsten Gedanken und Fragen offenlegt. "Conversations" eben,
Gespräche mit Gott, mit Mitmenschen, mit sich selber.

Sara Groves Lieder auf ihrer zweiten CD, "Conversations", handeln von
Zukunftsängsten ("What Do I Know?") und Enttäuschungen in der Vergangenheit,
vom Treffen der richtigen Entscheidung und von einem Leben in Wahrhaftigkeit
und mit einem klaren, sinnvollen Ziel vor Augen ("How Is It Between Us?",
"Know my Heart"). Der erste von dreizehn Tracks, "Conversations", eröffnet
stimmungsvoll und direkt das Gespräch mit dem Zuhörer, erst nach einigen
Takten greifen Klavier, Gitarre und Mandoline diskret in die Worte der
Sängerin ein. Liest man die Gästebucheinträge auf der Homepage www.saragroves.com,
so hat gerade dieses erste Lied vielen die Ohren und Herzen geöffnet für
das, was Sara Groves in ihren Texten offen anspricht. »We've had every
conversation in the world about what is right and what has all gone bad,
but have I mentioned to you that this is all I am, this is all that I
have: the only thing that isn't meaningless to me is Jesus Christ and
the way he set me free.«

"This Journey is my own" und "Going home" sind sanfte, warme, von Klavierbegleitung
dominierte Balladen. Stark an Sarah McLachlan erinnern "Painting Pictures
of Egypt" und das eindringlich-flehentliche "Cave of Adullum". In "Word"
(was, is, will be) zitiert Sara Groves zu härteren, rockigeren Bassklängen
und Percussion die Bibel pur – eindrücklich und ausdrucksstark. Ein Ohrwurm
ist die Live-Einspielung "Tent in the Center of Town", ein humor- und
zugleich liebevolles Stück über sommerliche Zeltmissionen in der Stadt.
Und die Hymne "He's always been faithful", die raffiniert und respektvoll
um die Melodie des bekannten Liedes "Bleibend ist Deine Treu" ("Great
is Thy Faithfulness") mäandert, ist zweifelsohne schon jetzt ein Klassiker.

Die 2002 mit dem begehrten Dove Award (New Artist of the Year) nominierte Sängerin/Songschreiberin führt die Mission eines Michael Card oder Rich
Mullins, nämlich die Menschen via anspruchsvolle Musik und ebensolche
Texte auf Gott und die Bibel aufmerksam zu machen, überzeugend weiter.
Es fiele mir leicht, zahlreiche starke, poetische Bilder und ergreifende
Aussagen aus ihren Liedern zu zitieren. Etwa das in unsere eigene Befindlichkeit
projizierte Bild der undankbaren, aufmüpfigen Israeliten, die sich nach
den Fleischtöpfen Ägyptens – nach ihrem alten Leben – zurücksehnen und
doch bekennen müssen, dass sie ihre Vergangenheit rückwärts verklären
aus Angst vor dem Ungewissen der Zukunft: »Ich habe Bilder von Ägypten
gemalt, indem ich all das ausliess, was dort fehlte. Die Zukunft erscheint
mir so hart. Und ich möchte zurückkehren.« Und dann die Erkenntnis – das
ist typisch für Sara Groves Texte, die meistens auch Erklärungen, Erkenntnisse
oder Lösungen bereitstellen: »Doch die Orte, die früher auf mich zugeschnitten
waren, können nicht mehr fassen, was ich dazugelernt habe. Und all die
Wege waren mir verschlossen, solange ich ihnen den Rücken zukehrte.«

Der Wunsch nach Aufbruch ins Neue, Veränderungen, mutigen Schritten mit Gottvertrauen
findet sich auch in dem Gebet "Hello Lord", das Sara Groves nach eigenen
Angaben vor einer schwierigen Entscheidung geschrieben hat: »Jetzt gerade
kann ich Dich nicht so gut hören. Ich frage mich, ob Du nicht lauter sprechen
kannst. Ich weiss, dass Du den Vorhang zerrissen hast, damit ich mit Dir
persönlich zusammen sein und hören kann, was Du sagst. Aber jetzt gerade
kann ich Dich nicht hören ... Nein, ich zweifle nicht an Deiner Souveränität,
ich zweifle an meiner eigenen Fähigkeit zu hören, was Du sagst, und das
Richtige zu tun. Und ich will unbedingt das Richtige tun!«

Fazit: Ich kann diese wunderbare CD nur wärmstens empfehlen, ebenso die Indie-Produktion
"Past the wishing" (1998) und die neue
"All right here" (2002), in der sich
Sara Groves musikalisch weiterentwickelt hat und stilmässig breiter geworden
ist. Sara Groves wird nach ihrer langen Konzert- bzw. Babypause im März
2004 ihre vierte CD, "Other Side of Something", veröffentlichen.
|