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Jason Gray - ''live volume one: hoping''Jason Gray
"live volume one: hoping"


   ( 2003 Independent, Now & Then Records / online )

»Es ist letztlich nur Musik, aber sie hilft mir, aus dem Chaos meines Lebens heraus ein Universum zu erschaffen. Sie hilft mir, meine eigenen Erfahrungen zu entschlüsseln und schliesslich die Hand Gottes in meinem Leben wirken zu sehen.« (Jason Gray)

"Jason Gray hat mich angespornt, eine bessere Songschreiberin zu sein. Er ist ein Songwriter's Songwriter." Dieses Lob stammt von Sara Groves, selber eine äusserst begabte, feinfühlige Liedermacherin, die neben ihrer Musikalität durch Glaubwürdigkeit und Wärme besticht. Und genau diese Eigenschaften fallen mir auch ein, wenn ich Jason Grays Wirkung beschreiben will. Vor mir liegt sein 2003 erschienenes Album "Live Volume One: Hoping" (produziert von Matt Patrick und Jason Gray), das mich vom ersten Ton an gepackt hat, als sässe ich selber mit im Raum und hörte dem 33-jährigen Singer-Songwriter aus Minnesota leibhaftig zu. Der Funken springt sofort rüber, wenn er zur Akustikgitarre greift und mit warmer Stimme, entwaffnender Ehrlichkeit und sicherem Rhythmusgefühl zu singen beginnt. Und was seine Live-Band an Begleitung und Zwischenspielen liefert, während der Sänger die Erzählkunst eines Mark Heard und eines David Wilcox aufscheinen lässt und zuweilen anspielungsreich in den Sound der siebziger Jahre zurückgleitet, ist verblüffend (der Retro-Look der CD täuscht nicht!). Oberflächliches findet sich nicht, Spielerei und eine Portion Schalk sehr wohl, wie man sie auch von Chris Rice und Rich Mullins kennt.

Von Katzenneugier, Fahrrädern und tiefen Wassern

Jason GayIn Anspielung auf Matthäus 11, 28 macht der Eröffnungssong "Come" deutlich, dass es Jason Gray ums Zusammensein und um Herzensinhalte geht, dass er um seines Publikums willen singt. Wie im Vorgängeralbum "A Place Called Hope" (2002, True Tunes Records, Produzent Nate Sabin) steht auch in dieser Auswahl alter und neuer, eigener und fremder Lieder das Thema "Hoffnung" im Mittelpunkt. Mit Bildern und Parabeln baut der Sänger Brücken zu den Zuhörern und ihrer Erlebenswelt: Die Liebe in einer Partnerschaft vergleicht er - keineswegs platt - mit einem Garten ("The Garden"), der nur durch aufmerksame Pflege zu etwas Wunderprächtigem heranwachsen kann. In der neckischen Moritat "Curiosity Killed the Cat" variiert er auf den Glauben bezogen das Sprichwort: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ähnlich spricht "Learning to Ride a Bike" von notwendigen Schrammen, die der einfährt, der im Leben dazulernen und immer wieder zurück auf den Sattel gelangen will. Wie viel Ballast schleppen wir doch mit, gefangen im Gestern und scheu vor dem Morgen! Wo Vorsätze allzu schnell Makulatur werden oder das Herz sich gegen Veränderung sträubt (sehr schön: "Break This Heart" von Nate Sabin), sehnt sich so mancher nach einer starken Hand, die aufrichtet und mitreisst und hilft, das, was hindert, zurückzulassen (leidenschaftlich: "Leaving It All Behind").

Jason GayWunderbar ist auch der Vergleich von Gottes Wort mit einem sorgfältig verfassten Liebesbrief ("The Letter"): »Ich schrieb diesen Brief gerade für Dich ... in der Hoffnung, dass meine Botschaft zu Dir durchdringt. Ich sähe es gerne, wenn Du ihn überall mitträgst und wenn Du Dich zuweilen von ihm tragen lässt.« Und wie verlockend klingt schliesslich dieser Ort namens Hoffnung, der im Gegensatz zu einer auslaugenden Hintergassen-Vergangenheit in "A Place Called Hope" beschrieben wird und nicht zuletzt den Ort der Gnade und Vergebung am Fusse des Kreuzes Jesu meint: »Es hat immer noch Platz für einen mehr. Komm doch nach Hause an einen Ort, wo Du niemals Angst davor haben musst, Dein Gesicht zu zeigen, Kind. Ich spreche von einem Ort namens Hoffnung.« - Jedes dieser Lieder ist wie eine Schatzkiste, die auch in der hintersten Ecke und in der letzten Ritze immer noch ein neues Geheimnis birgt, wenn man schon glaubt, man habe sie restlos umgestülpt und kenne den Inhalt. Man hört mit angehaltenem Atem zu. Nicht zuletzt, weil Jason Gray von echten Gefühlen, echten Problemen, echten Fragen und darum auch von echter Hoffnung singt.

Anspielungsreicher Folk-Pop

Jason GayDass der hörbar konzerterprobte Sänger mit seiner Musik Gemeinschaft schaffen und zum gemeinsamen Nachdenken anregen will, kommt in dieser Live-Zusammenstellung auch in Liedeinleitungen, Sing-Alongs mit dem Publikum (aufnahmetechnisch nicht ganz gelungen) oder stimmungsvollen Rückgriffen auf die siebziger Jahre zum Ausdruck. "Live Volume One" ist vom ersten folkigen Ton bis zum Ausklang der Hymne "Holy, Holy, Holy" im Anschluss an den allbekannten Gospel "People Get Ready" von Curtis Mayfield ein anregendes Gespräch mit den Zuhörenden. Mühelos vermischt der Troubadour den von seiner Art her seit je publikumsnahen Folk mit Soul, Rock, Jazz, Blues und Funk. Band und BGVs achten sehr genau auf die Stimmung der Lieder und prägen diese wesentlich mit. Immer wieder brechen Gesang und Instrumente in Improvisationen und Jams aus. Eindrücklich ist etwa, wie das über 9-minütige "If You Lead Me" in ein hypnotisches Cover von Steve Millers "Fly Like an Eagle" mündet und wie danach eine ganz eigene, funkige 10-Minuten-Version von Charlie Peacocks "Down in the Lowlands" nach Psalm 69 entsteht. - Verlorenheit, Nachdenklichkeit, Sehnsucht, Zärtlichkeit, Übermut oder Rebellion werden in den Liedern mit Händen greifbar. Überhaupt ist die Darbietung stellenweise schon fast unheimlich suggestiv. So auch im 8-minütigen "A Place Called Hope", das wiederum stark von Wortwiederholungen, verschiedenen Lautstärken, Verzögerungen und Pausen lebt und das Jason Gray selber als "läuterndes" Lied bezeichnet.

Fazit: ein starkes Live-Album, das mit seinen acht neuen Stücken und der erstklassigen musikalischen Darbietung auch für die, welche die vorhergehenden Studioaufnahmen kennen, viel Neues und anderes bereithält. Selbst wenn der letzte Ton verklungen ist, hallen die gedankenvollen Verse nach und bleiben einige Bilder und mit ihnen ihre zeitlose Bedeutung für unser Leben weiter im Raum stehen: die Katze, der Brief, das Fahrrad, die tiefen Wasser, der Zug ... Jason Gray - den Namen muss man sich definitiv merken!

Bonus: "Getting Better", das auf der CD keinen Platz mehr fand, kann auf Jason Grays Homepage angehört werden.


—Monica Seidler für CCM-Rezis, Januar 2005

Daten:
12 Titel / 76 Min.
Musikstil: Singer-Songwriter, Acoustic Folk-Pop
Label(s): 2003 Independent, Now & Then Records, USA / online
Website: http://www.jasongraymusic.com  /  bei myspace

Wo kaufen?:
Jason Gray online shop...

weitere CDs - siehe Jason Gray-Künstlerseite >>
 


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