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 Galileo
"carpe diem"

( 2003 edel records / 'Plattenläden';
online )
Galileo, das ist ein Mann mit "Two Voices in One Soul."
Was das bedeuten soll? Nun, Freddy Scholl - so Galileo's richtiger Name
- kam wie alle Jungs als Teenager in den Stimmbruch, doch verlor er die
hohe Stimmlage merkwürdigerweise nicht. Somit besitzt er eine vielleicht
einmalige Gabe und kann zwischen glockenhellem Sopran und tiefem Bariton
wechseln. Keine Frage - solch ein musikalisches Phänomen ist ein Hörerlebnis.

Bereits 1999 erschien Galileo's Debütalbum bei seinem eigenem Label Inhouse
Music, wurde dann im Mai 2003 bei Edel in neuem und schöneren Outfit neu
veröffentlicht. Produziert wurde das ganze von Galileo selbst, Altmeister
Edo Zanki und dem Sohn Mannheims
Florian Sitzmann. Und wo Zanki und Sitzmann drauf steht, ist meistens
auch Cae Gauntt nicht weit… Zum einen singt
die Dame unüberhörbar im Background-Chor mit, zum anderen ist sie Texterin
von acht der zwölf Lieder. Wie man es von ihr kennt, dichtet sie kunst-
und gefühlvoll. Großartiges Beispiel dafür ist Track Nr. 5, eine gospelige
Ballade über Freundschaft: "Remember this: No Man's an Island. You
can't live alone." Ihr langjähriger Partner Florian Sitzmann komponierte
drei Songs und ist Arrangeur aller Titel. Dass er ein Händchen für die
Verbindung von Klassik und Pop besitzt, hat er u.a. eindrücklich mit dem
Meisterwerk "Der Messias" und Cae's
"Classic meets Pop"-Konzerten bewiesen. In diesem Fall verpasst Galileo
dem Pop noch eine gehörige Ladung Soul.

Das erste Anhören dieser Platte mag die meisten Hörer sicher befremden,
doch mit jedem Mal Hören faszinieren Sänger und Sound mehr. Er singt also
Sopran - jedoch keine Kopfstimme - und Bariton. Wenn er tief singt, klingt
er nicht nur verständlicher, sondern auch wärmer und stimmgewaltiger.
Weniger Opernhaft, also mit kaum Koloratur in der Stimme. Wie er innerhalb
einer Sekunde die Stimm- und Tonlagewechselt, ist absolut erstaunlich.
Dass sein Vater Afro-Amerikaner war, ist bei Titeln wie "A Love Eternal"
nicht zu überhören. Während die Strophen einen cool groovenden Rhythmus
á la Tom Jones haben, wird's im Refrain klassischer. Dabei verliert der
Song jedoch etwas an Fahrt, die er mit der zweiten Strophe und Bridge
aber wieder bekommt.

Sein Faible für Latein beweisen neben dem Titelsong, der gleichzeitig
Galileo's Lebensmotto ist, zwei auf Latein gesungene Titel (einer von
Händel, einer von Virgil). Außerdem tut das auch mein Album-Highlight:
"Ave Maria"! Nach 3 Minuten klassischem Ave Maria folgt ein Tempowechsel
- und was dann kommt, reißt einen unweigerlich mit und man bekommt es
nicht mehr aus dem Kopf. Unbedingt selbst anhören!

Fazit: "Carpe Diem" begeistert mit einer absoluten Ausnahmestimme, verpackt
in wunderbare atmosphärische Klänge. Nichts zum Nebenbeihören - am besten
laut im Auto auf der Autobahn!
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