|
 Cae
Gauntt
"the circle of love"

( 1991 Pila Music / Hänssler-Verlag
)
"The circle of love" ist ein durch und durch ungewöhnliches
Album, an das sich die damaligen Cae-Fans sicher erst einmal gewöhnen
mußten. Stand Cae Gauntt am Ende der 80er
noch für flotten Pop bis Poprock und Gospel-ähnliche Balladen, so präsentierte
sich Cae 1991 mit ganz neuen Tönen, die man wohl nie von ihr erwartet
hätte.
Akustik-Pop stand auf dem Programm, aber auch experimentelle Ausflüge
in die Gebiete Jazz und Blues. Lediglich zwei reine Popstücke finden sich
auf der Platte ("You're the same forever", "Was bleibt zurück?"), die
aber gut ohne die treibenden Synthis der Vorgängeralben auskommen. Neben
wunderschönen Balladen ("Sehnsucht", "Was uns bleibt"), bieten durch akustische
Gitarren betonter Softpop ("Seine Gnade") und Titel mit einem Hauch von
Blues ("God bless the child", von Billie Holiday) und Jazz (This light")
ein breites Interpretationsfeld für Caes ausdrucksstarke Stimme. Immer
wieder tauchen sparsame Percussion-Einlagen auf und werden Oboen-, Saxophon-,
Gitarren- und selbst Streicher-Soli eingefügt. Dieter Falk hat das ganze
einfühlsam produziert und schreckte auch nicht vor (für Pop-Hörer) ungewöhnlich
klingenden Stilen zurück. So mag die Klavier-Ballade "Circle of love",
ein Duett mit Opern-Bariton und Ehemann Eddie, vielen Hörern zunächst
als "merkwürdiger Stilbruch" (Zeitschrift "Punkt") erschienen sein, mittlerweile
ist der Song aber ein Klassiker auf den Konzerten. Als angenehm erweist
sich, daß Eddie sich sehr zurückhält, so daß der Song nicht zu sehr in
die "Opern-Ecke" abdriftet und nicht als überspannt erscheint. Wie ein
alter Spiritual erklingt "One door" und nicht als ob es eine Vertonung
aus Caes und Ebi Rinks Händen wär - in Gedanken sieht man bereits dunkelhäutige
Tänzer vor sich!
Da Caes Texte schon immer eine tiefe Ehrlichkeit und Nachdenklichkeit
aufwiesen, muß man diese 12 Texte (deren Übersetzungen leider fehlen)
als eine weitere Steigerung bezeichnen. Sie werden durchzogen vom Thema
"Leben in Bezug auf die Liebe" bzw. "Liebe in Bezug auf das Leben". Am
Anfang steht die Beständigkeit und Macht Gottes, beschrieben in dem Lied
"You're the same forever" von Leslie Phillips. Der Titel "Sehnsucht" ist
mehr als nur die deutsche Version von Michael W. Smiths bekanntem Song
"Place in this world": zum einen interpretiert Cae in viel gefühlvoller,
zum anderen beschreibt Jan Vering bewegend einen zu Gott schreienden Menschen
auf der Suche nach seinem Lebenssinn. In "Seine Gnade" wird die Erstaunlichkeit
der Gnade Gottes beschrieben, in "Circle of love" der Liebeskreis aus
Frau, Mann und Gott. Ein betroffen machendes Lied ist "Mutterseelenallein":
weinend und anklagend interpretiert Cae den Text von Jan Vering (Original
von Julie Miller) über die Abtreibung
von Gott-gemachtem Leben als Opfer der menschlichen Eitelkeiten. Nach
dem zweiten Song der Platte über das ungeborene Leben, "God bless the
child" (Cae war zum Zeitpunkt der Aufnahme schwanger), gibt es "The edge"
zu hören, was über die sinnlose Motivation des Menschen, immer Entfernteres
und Größeres zu erreichen, spricht. Auf zwei Texte über die durch Jesus
hervorgerufene Veränderung von Menschen ("This light", "Inside me") folgt
"One door", ein Text aus dem alten Liederbuch der Erweckungsprediger im
19. Jahrhundert, der in bildhafter Weise von der Wahl eines jeden Menschen
zwischen einem Leben mit oder ohne Gott redet. Bevor in "Was uns bleibt"
als Fazit gezogen wird, daß einzig Gottes Liebe und die Liebe, die wir
durch Gott tun, von Dauer ist, fragt Cae in "Was bleibt zurück?", dem
persönlichsten Titel des Albums, ob sie vermißt wird, wenn sie nicht mehr
singt (sie machte ja fast drei Jahre Mutterschaftspause) - worauf sicher
jeder Cae-Hörer mit einem entschiedenen "Ja" antworten würde!
Wer ruhigen, akustischen Pop mag, eine ganz andere Seite an Cae kennenlernen
oder ein wirklich beeindruckendes Album hören möchte, für den ist "The
circle of love" genau das Richtige!
|