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 Echtzeit
"alles von vorne"

( 2006 Echtzeit / Ruuf Records;
online )
Es ist schon komisch: Den (CD-) Titel "alles von
vorne" kannte ich, sogar live gehört, aber verstanden hatte
ich rein gar nichts. Während ich dachte, es ginge da um offensives
nach vorne gehen, sozusagen "ran an den Speck", geht es eigentlich
genau um das, naja, irgendwie Gegenteil: nochmal von vorne anfangen. Nach
miesen Erlebnissen und Frustrationen wieder aufrappeln. Zweite Chancen
erkennen und ergreifen. - War 'ne richtige Entdeckertour im neuen CD-Booklet
von Echtzeit. Klare, konkret erklärte
Liedtexte, nachvollziehbar, aber in gewisser Hinsicht auch angreifbar.
Ohne Deckung. Echt eben. Dies ist symptomatisch für die ganze Platte:
Das aktuelle Zeitgefühl unserer Gesellschaft wird wie der berühmte
Nagel auf den Kopf getroffen.

Tempo, Rauheit und Eingängigkeit gehen hier eine seltene Verbindung
ein. Die Stimme von Frontmann Dominik Wagner ist dabei hell und klar,
aber auch genügend kraftvoll. Der relativ jungen Band hört man
ihr "Alter" nicht an - durch intensives Touren haben sie sich
schon einen großen Erfahrungsschatz vor jeder Art Publikum erspielt,
sei es als Vorgruppe oder "Hauptattraktion". Als sie noch 'Focus
On God' hießen, sangen sie fast nur auf Englisch und im Bereich
'Worship-Rock'. Aufgrund von Mitgliederwechsel und Neuorientierung hat
man sich der Muttersprache und den etwas härteren Gitarrenbrettern
zugewandt. Zur Freude ihrer Landsleute! Produzent Daniel Konold hat nun
den zehn Rock-Perlen das richtige Mäntelchen verpaßt, das auch
für Radiosender nicht zu klein ist. Bei der Platte zeigt sich wieder
mal die alte "Newsboys-Regel":
lieber "nur" zehn klasse Songs auf einer CD und meinetwegen
40 Minuten Spielzeit, als künstlich aufgeblähtes Repertoire
ohne Seele und 70 Minuten Langeweile. Echtzeit machen lieber ihren Namen
zum Credo.

In ihren Liedern beschäftigen sie sich mit der Lust am Rocken ("wir
sind hier"), mit irdischem Reichtum ("mach die Augen auf")
oder auch - im Rückblick - sehr kostbar gewordenen Lebens-Momenten
("Stückchen Ewigkeit"). Sie wollen sich zudem Jesu Vorbild
anschließen, der die Sünderin nicht verurteilte (vgl. Die Bibel,
Johannes 8,3-11), sondern sie vor dem selbstgerechten "Mob"
schützte ("Glashaus"). Selbst die Frage nach dem Sterben
bekommt hier einen eigenen Song ("was wäre wenn"). Beachtlich!
- Alle Lieder sind im Booklet ausführlich kommentiert, teilweise
mit ausdrücklich christlichem Bezug, inklusive Bibelstellenangabe.
Den Jungs spürt man ihr lebendiges Engagement für Jugendarbeit
ab. Ihre theologische Ausbildung sowie ihre 'Worship'-Ambitionen sind
da mehr als hilfreich.

Fazit: Eine sehr feine CD-Produktion, die vielfälige Vergleiche überhaupt
nicht scheuen braucht, jedoch noch besser ohne sie auskommt: sympathischer
Drauf-Los-Rock mit Echtheitszertifikat inklusive Refraingarantie. "Alles
von vorne" macht natürlich bis zum Ende Freude (Pflichtballade!)
und ist ein richtig klasse Album eben von der Verpackung bis zum Sound.
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