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 Jonny
Diaz
"they need love"

( 2007 Jonathan A. Diaz / online )
»Ich kann dich in der Routine sehen, ich spüre dich überall. Du musst keinen Berg versetzen, um mir zu zeigen, dass du da bist.« (~ "I Can See You")
Sanfter Worshipper, Erzähler und Charmeur an der Gitarre

Da steckt eine gehörige Portion Koketterie drin, wenn der 24-jährige Jonny Diaz in der Art von Elton Johns Klassiker "Your Song" mit treuherzigen Reimen die Angebetete auf sich aufmerksam macht ("Writing You A Song") und mit halb schüchternen, halb frechen Ständchen für sich und die Chance auf Beziehungsglück wirbt ("Never Know You", "Other Guys"). Auf seiner neusten CD erklingen – ähnlich wie zuletzt bei Chris Rice – zahlreiche Liebeslieder, mal übermütig, mal Kerzenschimmer-sanft. Im Opener "You Are A Storm" wird eine Frau gar als Sturm bezeichnet, als willkommene Herausforderung im Leben.

Wenn es dann doch zu arg kommt und die Stürme zu grausam toben, sucht der junge Songwriter jedoch bei einem unsichtbaren Gegenüber Halt: bei Gott. "What is still unknown has caused my fear to grow, fear of what's unseen. But with your embrace I know I can face all that's facing me", dichtet er im Ohrwurm "Hold Me", der mit seinem "aufpoppenden" Refrain – ein Markenzeichen des Floridianers – zum Mitsingen einlädt. Dass der Draht zu Gott leider oft von unserer Selbstbezogenheit gekappt wird, gesteht er in "11:59". Statt auf den mächtigen Schöpfer zu hoffen, schrumpfen wir lieber unsere Erwartungen, stutzen unseren Träumen die Flügel. In "Monotone" wünscht sich der Sänger darum sein kindliches Rechnen mit Wundern und sein unbeirrbares Vertrauen zurück: "Why are my dreams monotone, are they no longer big enough? If I can reach them on my own, it never forces me to trust in you."

Die Lieder erzählen nicht nur von der Suche nach Liebe, sondern auch vom Liebe-Schenken. Nicht mit der Hammermethode möchte Jonny Diaz evangelisieren, sondern mit der Botschaft von Jesu Liebe und Gottes Gnade ("They Need Love"). Gott will ja zurückgeliebt und nicht nur respektiert werden. Dazu passen der warme Gesang und der freundliche, weiche Folk-Pop, der eine einladende Atmosphäre schafft. Jonny Diaz dichtet geradlinig, flüssig und so, dass man sogleich drin ist und an seine Geschichten anknüpfen kann. Etwa wenn er im Hoffnungssong "Soon She Will Run" von einem Leben nach dem Tod spricht oder in der obligaten Acoustic-Ballade zum Abschluss einer Halbwaisen den Vater beschreibt, den sie offenbar nie gekannt hat ("He Would Tell You").

Da "They Need Love" wie Scott Phillips' "Next Stop Willoughby" (2007) im Sputnik-Studio entstand, mit dem gleichen Produzenten (Mitch Dane) und z. T. denselben Sessionmusikern aus dem Umfeld von Caedmon's Call und Jars of Clay (Andy Osenga, Ben Shive, Aaron Sands, David Henry), drängt sich ein Vergleich auf. Die beiden gitarrenbewehrten Singer-Songwriter nähern sich der Musik, wie sich schon nach wenigen Takten zeigt, auf ganz unterschiedliche Art. Scott Phillips ist der Grübler, der tiefschürfende Wortschmied, der seine kreativen Fühler gerne nach Grossbritannien ausstreckt. Jonny Diaz ist der sanfte Worshipper, Tröster und gewitzte Charmeur. Sein geschmeidiger Sound ist in der Nashviller Tradition verwurzelt, in Folk/Americana mit flinkem Gitarren- bzw. Saiten-Handwerk, aber auch elektronischen und programmierten Elementen. Auch er ist auf seine Art spürbar nahe beim Publikum.

Fazit: ein wohlig-warmes, wenn auch etwas gleichförmiges Folk-Pop-Album. An Jonny Diaz' geradlinige Lyrics über das Suchen, Erfahren und Geben von Liebe lässt sich gut anknüpfen. Ein Tipp besonders für Freunde der Musik von Andrew Peterson, Bebo Norman oder Shane & Shane.
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