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Caedmon's Call - ''overdressed''Caedmon's Call
"overdressed"


   ( 2007 INO Records / Gerth Medien )

Über Schuld, Feigenblätter und Gott, der trotz und in allem da ist

Nach dem Weltmusik-Experiment "Share The Well" (2004) und der Worship-Fortsetzung "In The Company of Angels II – The World Will Sing" (2006) melden sich Caedmon's Call, die nun bei INO Records unter Vertrag sind, mit einem neuen Album zurück. Zurück – im wahrsten Sinne! "Overdressed" klingt in manchem wie eine Rückkehr zu den Wurzeln. Nicht gar so weit zurück wie "Caedmon's Call" (Demo, 1993) oder "Just Don't Want Coffee" (1995), aber etwa zu "40 Acres" (1999). Auch Derek Webb, der von Anfang an bis 2003 zur Gruppe gehörte, ist wieder dabei als Songwriter, Gitarrist und am Mikrofon, das er mit seinem Nachfolger Andrew Osenga sowie mit Cliff und Danielle Young teilt. Das mit Spannung erwartete "Wiedervereinigungs-Album" lässt jenen erdig-warmen, rootsigen Folk-Rock wieder aufleben, der durch und durch nach Gemeinschaft klingt und gerne in den Spuren von Rich Mullins wandelt. Mit starkem Handmade-Gefühl und lebensbejahendem Vorwärtsdrang. Gleichzeitig hört man den vielstimmig abwechslungsreichen Liedern, die Einflüsse aus Worship-Pop, Rock'n'Roll, der Beatles-Ära und Weltmusik aufgreifen, auch an, wo die Band beziehungsweise ihre Mitglieder zurzeit stehen.

»Ich habe Probleme seit dem Tag meiner Geburt, es ist nicht einfach ein Kampf,
es ist das Blut,das durch meine Adern fliesst, all die Kleider, die ich je trug.
Und vor euch fühle ich mich so 'overdressed'.«

(~ "Trouble")

Keiner bleibt im Hintergrund: Die Akustikgitarren, Background-Gesänge, Klavier, B3, Wurlitzer und natürlich Schlagzeug/Perkussion und Bass sind wesentlich für die schwungvoll rhythmisierten Begleitungen mit ihren stimmungsvollen Zwischenspielen und Ausklängen. Danielle Young singt fröhlich und persönlich über Familie und Liebe ("Sacred", "Love Grows Love"). Andrew Osenga, der mit Randall Goodgame die Mehrzahl der Lieder schrieb und an diversen Instrumenten wirkt, ist fürs Tiefehrliche und Nachdenkliche zuständig. Zu bedrohlichen Gitarren-Hörner-Vamps beschreibt sein "Expectations" die Folgen eines billigen Billboard-Christentums, das Show statt Ehrlichkeit fördert. Unter die Haut geht auch "Hold The Light" über den Beistand von Freuden in schuldbeladenen Zeiten. Derek Webb bleibt seinen (selbst)kritischen Texten treu. Und Cliff Young strahlt in den helleren, extravertierten Songs wie "Need Your Love" und "There Is A Reason" (das im Internet übrigens eine theologische Debatte lostrat). Ein exotisches Hörerlebnis ist "Two Weeks in Africa" mit seinem "Share-The-Well"-Vibe und einem ernüchternden Blick auf unseren Einsatz für die Ärmsten.

»Gib nicht den Bomben die Schuld für die Kriege, die du gesät hast!
Gib nicht dem Winter die Schuld, wenn du deinen Mantel vergessen hast!
Wenn du seit hundert Jahren gleich handelst und eine Veränderung erreichen willst,
so musst du zum Spiegel greifen und dich mit unter den Tadel stellen.«

(~ "Share In The Blame")

Kennzeichnend für Caedmon's Call, die sich dem presbyterianischen / reformierten Bekenntnis zuzählen, ist seit je das engagierte Songwriting über das Alltagsgesicht des Glaubens. Dabei stellen sie oft Gottes Grösse und Güte den Abgründen des menschlichen Herzens gegenüber. Mit Beobachtungen aus ihrem Leben beschreiben sie unsere Abhängigkeit von Gott und voneinander. Dieser Ansatz findet sich auf "Overdressed" wieder deutlich, eingeleitet von Derek Webbs titelgebendem "Trouble". Die bluesige Beichte darüber, wie wir das Ausmass unseres sündigen Wesens verbergen und damit Gottes Erlösungswerk abschwächen, könnte glatt seinem Soloalbum "She Must And Shall Go Free" (2003) entnommen sein... "Share In The Blame" fordert mit für Caedmon's Call ungewohnt scharfen Worten zu einem ehrlichen Blick in den Spiegel auf, bevor das nächste Mal die Verantwortung für Missstände andern zugeschoben wird. Man hört dem Retro-gefärbten Song spätestens in den Er-Sie-Harmonien an, dass er von Sandra McCracken stammt. Sie schrieb auch am gesellschaftskritischen "All Across The Western World" mit, dessen federnder Americana-Rock mich an ihr "Chattanooga" erinnert. Umso hoffnungsvoller (und einfacher verständlich) nehmen sich daneben die von Cliff Young zündend dargebotenen Loblieder aus, die den gnädigen Erlöser in Reichweite wissen.

»Ich glaube an einen Gott, der seinen einzigen Sohn auf diese Erde sandte,
wo er wandelte und sein Leben für uns hingab, mit Blut und Tränen in einer langen, finsteren Nacht. Wir wissen, dass er glaubte, dass es einen Grund dafür gibt.«

(~ "There Is A Reason")

In Kürze: ein auf hohem Niveau handgemachtes Folk-Rock-Gemeinschaftswerk, das wachrütteln möchte mit ein paar heavy Enthüllungen über den Zustand unseres Inneren, über Maskeraden des christlichen Lifestyle und über Gott, dessen Geschenk der unverdienten Vergebung und Liebe wir alle so nötig haben.


—Monica Seidler für CCM-Rezis, November 2007

Daten:
12 (oder 14 in der Special Limited Edition) Titel / 44 Min.
Musikstil: Folk-Rock
Label(s): 2007 INO Records, USA / online
Website(s): http://caedmonscall.com  /  bei myspace  /  US-Fan-Site

Wo reinhören und kaufen?:
im Gerth-Shop...  /  bei Amazon (D)...

weitere Infos & CDs – siehe Cademon's Call-Künstlerseite >>
 


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