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 Adie
Camp
"don't wait"

( 2006 BEC Recordings / Gerth Medien )
»Wie soll ich anfangen, meine Dankbarkeit auszudrücken, Jesus?« (~ Overwhelm Me)
Lieblich frisch statt heavy und ausgefallen

Das CD-Cover mit der kunstvoll gestylten Sängerin macht neugierig.
Adie Wer? Es ist niemand anders als die ehemalige
Frontfrau der südafrikanischen Prog-Rock-Band The
Benjamin Gate. Die Gruppe hatte sich 2003 aufgelöst, im gleichen
Jahr wurde aus Adrienne Liesching Adie Camp, Jeremy
Camps Ehefrau. Mit "Don’t Wait", das hörbar in enger
Zusammenarbeit mit ihrem Mann entstand, meldet sich die zweifache Mutter
nun musikalisch zurück – und erntet, nicht zuletzt dank Band-Vergangenheit
und Connections, viel Aufmerksamkeit. Aber Achtung: Wer eine Fortsetzung
des TBG-Stils erwartet, könnte enttäuscht werden. Vorbei scheint
die Zeit des aggressiven Gitarrengezerres, des technisierten Heavy Rock
und der grungigen und technoiden Beiklänge.

"Don’t Wait" verbreitet stattdessen mit Trip-Hop und Folk angereicherten
Elektro-Pop, der oft sehr melodiös dahinzieht und ganz von Adies
wandlungsfähiger, weicher Stimme lebt. Keyboard, Rhodes und (Akustik-)Gitarren
weben warme, lebhafte Klangschichten, die den Gesang mal luftig, mal dichter
umspielen und mittragen. Energischeres geschieht vorwiegend im antreibenden
E-Gitarren- und Bass-Department und an den Drums. Zwischen dem wuchtigen
Opener "Your Way" (der im Refrain nicht zum letzten Mal Jeremy
Camps griffigem Sound ähnelt) und dem rockigen Abschluss erklingen
vorwiegend leichtfüssige Pop-Ohrwürmer und auch ausgesprochen
zarte Töne, besonders im nur von Klavier und Adie-Nebenstimmen begleiteten
"What Have I Done". Manches tönt zwar wie schon einmal
gehört, und mit Wiederholungen wird nicht gespart, aber es klingt
alles so freundlich und heiter, dass man gerne zuhört. Was dagegen
ganz am Schluss vertraut klingt, ist ein Folk-Oldie aus den 60er Jahren:
"Turn, Turn, Turn", das von den Byrds zur Zeit des Vietnam-Kriegs
gesungen wurde, ist heute genauso aktuell. Es zitiert aus dem Buch Prediger:
»Es gibt eine Zeit zu lieben, eine Zeit zu hassen, eine Zeit
des Friedens. Ich schwör’s, es ist noch nicht zu spät!«
Jesus glauben, vertrauen und nachfolgen – jeden Tag neu

Alles dreht sich in diesen geradlinigen Worship-Songs um Jesu erstaunliche
Liebe, Erlösung und Führung. Dabei drückt jedes Lied einen
leicht fassbaren Kerngedanken aus, der Adie Camp wichtig geworden ist:
Dass Glaube kein Gefühl ist, sondern ein Entschluss, Gott zu glauben
und zu vertrauen ("Your Way"). Dass wir dereinst vor ihm stehen
werden (Überflieger-Song: "When It’s Over") und darum jeder
Tag zählt, um etwas für die Ewigkeit zu bewirken ("Don’t
Wait"). Mit ihrem südafrikanischen Akzent singt sie auch davon,
wie sie bei Gott Stärke, Friede und Hoffnung findet, wenn sie schwach
oder traurig ist (lieblicher Psalm: "Sufficient"), und wie der
Blick auf die überwältigende Liebe ihres Heilands ihre Sichtweise
verändert ("Overwhelm Me", "What Have I Done",
"If I'll Ever"). In "Time" legt sie ihr Leben in Gottes
Hand: »Ich will keine Zeit verschwenden ... Jesus, fern von dir
bin ich ohne Leben. Vergib, dass ich zögerte, an die Gnade zu glauben,
die du mir schenkst. Mein Widerstand ist gebrochen. Und hier bin ich,
ohne dass ich dir viel geben kann.«

Fazit: Sommerlich frisch und leichtfüssig, mit viel Ohrwurm-Potenzial
und leicht verständlichen, an Jesus gerichteten Versen. Wenn man
Adie Camps Kreativität und Gesangsleistung bei The Benjamin Gate
in die Waagschale wirft, aber geradezu konventionell. Das Ausgefallenste
ist ihre Frisur auf dem Albumcover ;-)

Meine Favoriten: When It's Over, Sufficient, If I'll Ever, What Have I
Done.
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