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Matt Brouwer - ''the b-sides recording vol. 1'' Matt Brouwer
"the b-sides recording vol. 1"


   ( 2006 Black Shoe Records / online )

»Manchmal geht ein Lied verloren und wird wiedergefunden.« (Matt Brouwer)

Fast wäre aus Matt Brouwer ein weiterer dieser Worship-Popstars geworden. Die Musikindustrie hätte den Kanadier gewiss in diese Richtung gepuscht, doch er hat sich früh genug aus Nashville zurückgezogen und nach Texas abgesetzt, aus dem Rampenlicht, zurück in den Gemeindedienst. Damit war es ruhiger um den Newcomer von 2001 geworden, bis er sich 2004/05 mit dem Indie-Album "Unlearning" zurückmeldete, das hörbar einen Reifeprozess festhält. Gegenüber CCM-Rezis erklärte er vor drei Jahren, dass er sich nie recht habe anfreunden können mit der Verpoppung seiner College-Songs auf "Imagerical" (2001). Auch machten ihm der Erfolgsdruck und das Geschäftsdenken Mühe. Seine Abkehr vom polierten Worship-Pop hin zu rauerem Alt-Country Rock in der Art von Jars of Clay war daher nur konsequent. (Nicht nur wegen seiner etwas heiseren Stimme, die der von Dan Haseltine ähnlich ist :-) Die neuen Singles "I Shall Believe" und "Surrender" stiessen auch im Mainstream-Radio auf Begeisterung, was ihn darin bestärkt, die neue Richtung weiterzuverfolgen.

Wiederentdeckte Songs

Mit "B-Sides Recording" blickt der 30-Jährige anhand von bisher unveröffentlichtem Songmaterial noch einmal zurück auf Stationen seiner Musikerlaufbahn: als jugendlicher Lobpreisleiter der "Monday Night Worship" (MNW) am Prairie Bible College in Alberta, als angehender Popstar in Music City und als gereifter Folk-Rocker, sozusagen. Fünf neue, selbstproduzierte Aufnahmen erklingen neben älteren Einspielungen, Eigendichtungen neben Covers, vielschichtiger Bandsound neben sparsamen Akustik-Arrangements mit starkem Live-Charakter. Allen Liedern anzuspüren ist sein Herz für gemeinschaftliche Anbetung. – Stephen Smiths "All I Want" (1) regt mit beschwingt rumpelnden Drums, hüpfender Mandoline (Jason Hoard) und leidenschaftlichem Gesang sogleich zum Mitwippen und spätestens beim zweiten Durchlauf zum Mitsingen an. Die neue Akustik-Version von "Here I Am Again" (2), das Matt während seiner Zeit bei Provident co-schrieb, wird um Wurlitzer und helle BGVs bereichert, während die tollen "asiatischen" Strophenübergänge leider wegfallen. Typisch sind die brütenden Strophen im Gegensatz zum hoffnungsvoll aufatmenden Refrain und die ansteckenden Wiederholungen, die schon ein Markenzeichen seiner MNW-Lieder waren und "Imagerical" so speziell machten.

Matt Brouwer Frischer Acoustic Folk/Country prägt auch die neu eingespielten, schlicht-andächtigen Hymnen "'Tis So Sweet" (3) und "It Is Well" (8). Nach einer rockigen Klangkulisse und energischem Gesang ruft dagegen der "Freedom Song" (4). Der stürmisch dahinfegende Beitrag an den "Left Behind 2"-Soundtrack ist wie das geniale "Surrender" (6, Radio-Remix) ein Fan-Favorit. Freunde finden dürfte auch der ruhige Schlusssong "The Source" (10) mit seinen zerfliessenden Keyboardklängen, die sich stimmungsvoll abstrakt mit Akustikgitarre und Cello (Max Dyer) vermischen, während der Sänger, der seinen Vater früh verloren hat, Gott liebevoll sprechen lässt: »Öffne deine verletzte Seele weit / Lass nicht zu, dass Furcht zu Zweifeln an mir führt ... Ich werde der Vater sein, den du nie gekannt hast.«

Ein Herz für Anbetung

In die College-Zeit zurück weisen Matts sehr schönes Loblied "Your Name" (8) samt Chor und Richard Caminios "(Nails) Forever" (9), das den Blick auf Jesu Wunden richtet und darin das Ausmass seiner erlösenden Liebe erkennt. Wie das in charismatischen Kreisen beliebte "Father I Adore You" (5) stammen die Aufnahmen vom mittlerweile vergriffenen MNW-Album "Swimming" (1999). Das Ineinander der Lead- und Nebenstimmen, die Klangspielereien und Ideen an Bass und E-Gitarre (Eldon Winter) sind phantastisch. Ruth Eliasons und Jill Paquettes sanfte Harmonie-Stimmen sind die perfekte Ergänzung zu Matts gefühlvollem Gesang. Während die Songs auf "Unlearning" sehr persönlich ausfielen, nachdenklich, auch gespickt mit Fragen, sind diese leicht zugänglichen und sangbaren Gemeinschaftslieder wie auch die neu arrangierten Hymnen voller Zuversicht. Sie staunen über Gottes Wesen und laden zur Anbetung, zum Dank und zur Erneuerung ein. Matt selber erinnert sich an die "Unschuld und Liebe", die das Musizieren und Lobpreisen damals geprägt haben.

Fazit: diese "B-Seiten" sind keineswegs überflüssige Tonspuren! Die seit 1999 entstandenen Aufnahmen porträtieren zusammen mit neuen Songs das Herz eines begabten Singer-Songwriters, der sich nach einem ernüchternden Abstecher ins grosse CCM-Business neu orientiert und am Beginn eines neuen Kapitels an seine Anfänge und den wichtigsten Antrieb hinter seinem Singen erinnert: Menschen in Gottes Nähe zu führen.

Anspieltipps: All I Want, Surrender, (Nails) Forever, The Source.


—Monica Seidler für CCM-Rezis, November 2006

Daten:
10 Titel / 45 Min.
Musikstil: Worship, Alt-Country Rock, Acoustic/Folk
Label(s): 2006 Black Shoe Records, USA / online
Website: www.mattbrouwer.com  /  bei myspace

Wo anhören und kaufen?:
bei CDbaby (USA) / bei Profimusic (CH) / iTunes

weitere CDs & Interviews – siehe Matt Brouwer-Künstlerseite >>
 


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