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Judy Bailey - ''run to you''Judy Bailey
"run to you"


   ( 2002 Gerth Music, Asslar )

Judy ist wieder da! Lange drei Jahre mußten sich Fans und deutsche christliche Szene gedulden, um den Nachfolger von "the way we are" (1999, Felsenfest) zu hören. Vieles hat sich geändert: neue Plattenfirma, neuer Produzent, teilweise neue musikalische und inhaltliche Ausrichtung. Eines jedoch nicht: "wie gewohnt" gibt sich das Erscheinungsbild in rot-schwarzen Tönen... ;-) (Leider präsentiert sich das Layout nicht gerade innovativ, sondern eher zweit- bis drittklassig.)

Verflogen ist meiner Ansicht nach der ziemlich unbeschreibliche Charme der Vorgängerproduktion, diese Heimeligkeit. Auch die Introvertiertheit von "after midnight..." und den Reggae von "between you and me" wird so mancher Fan vermissen. "Run to you" ist ganz anders: Es orientiert sich stark am Pop und Rock des Mainstream, natürlich alles auf Judy-Art.
Es ist das erste Album von der Judy Bailey, welches komplett in Deutschland produziert wurde. An den Reglern stand die Künstlerin selbst, neben dem Altmeister Lothar Kosse. Unter den beteiligten Musikern sind jede Menge bekannte Leute, wie zum Beispiel Ralf Gustke, Daniel Jakobi, Florian Sitzmann, Michael Janz (Beatbetrieb) und bei den Background-Vocals nicht zu vergessen ihr Mann Patrick Depuhl sowie ihre Freundin Eska Mtwungwazi (bereits bekannt vom letzten Album).

Der Einsteiger "Jesus first (yes I believe)" ist geschrieben für's Christival 2002 und voll auf Hit produziert, obwohl der Song an und für sich gar nicht so eingängig ist. Dieses Lied sei stellvertretend für Judys neue ModernRock-/BritPop-Richtung genannt, wo die Gitarren rausgeholt wurden. Ein relativ einfach gestricktes Lied - wohl wegen besserer Nachspielbarkeit und Mitsingbarkeit - mit einem Refrain, der mir weniger "schmeichelt", dafür aber mehr "nervt". Ich frage mich besorgt, warum den (zu erwartenden) 20.000 bis 30.000 deutschen Christival-Teilnehmern/-Besuchern eine englischsprachige Hymne zugemutet wird? Das paßt einfach nicht. Nein, das paßt wirklich nicht.
"You care for us" (# 2) ist schon etwas "älter", das Lied ist bereits 1996 komponiert worden (wohl noch für das '97er "between you and me"-Album...). Einziger Titel mit Reggae-Elementen ist "don't you know" (# 6), ein schöner und radiogeeigneter Sommerhit. Die zweite Hälfte der CD ist etwas ruhiger aber auch gefühlvoller als die erste. Hier klingt Judy eher so, wie man sie kennt und live gewohnt ist. Letzter aufgeführter Track ist eine Neuaufnahme von "Jesus in my house" (# 11), dem deutschen Jesus House-Hit von 2000, der damals auf dem entsprechenden Sampler erstmalig erschien. Auf der "Cologne Worship Night" im Februar 2002 wurden für die neue Version live-Gesänge aufgenommen, die das Lied zu einer Hymne machen und dessen Verbreitung wohl noch weiter steigern werden! Als versteckten Bonus-Track gibt es als krönenden Abschluß eine live-im-Studio-unplugged-akustik-Version von "don't you know". Für mich der schönste Titel der CD überhaupt!

Judys Texte haben erstmalig einen leichten Praise-Einschlag. Obwohl ich mir ziemlich sicher bin, daß es bei ihr von Herzen kommt und keine Trendhascherei ist. So deutlich wie hier wird bisher auf keinem ihrer Alben von Jesus bzw. Gott gesprochen. Während es auf dem Vorläufer mehr um zwischenmenschliche Beziehungen ging, steht hier die Beziehung zu Gott bzw. Jesus im Mittelpunkt. Für Judy ist Jesus ein Grund zum Loben, sie möchte "Extra-Augen", um Ihn sehen zu können. "Jesus in my house" handelt von der Lebensübergabe an den Herrn des Lebens und die Christivalhymne ist ein Mutmacher, Ihn dann auch immer an die erste Stelle im Leben zu setzen. In ihrer Stimmung sind die Songs alle sehr optimistisch und hoffnungsvoll, sie versprühen Freude, Dankbarkeit und Leben, sind aber trotzdem sehr ehrlich. Judy hat übrigens alle Texte selbst geschrieben!
Bei sieben von elf Stücken ist eine Bibelstelle als Inspirationsquelle bzw. zur Vertiefung angegeben. Außerdem gibt es bei einigen Texten noch kurze Kommentare zur Entstehung oder zum Inhalt, was wirklich klasse ist. Äußerst schade finde ich, daß es nichts deutsches im Booklet zu lesen gibt. Die Textübersetzungen wären sicher möglich und sehr sinnvoll gewesen.

Fazit: Ein gutes Album kommt da auf das Publikum "zugerannt", wohl aber noch nicht Judys Bestes. Handwerklich feiner Mainstream Pop-Rock, jedoch mit allzu viel Altbekanntem.


—David Decker für CCM-Rezis, Mai 2002 & für komm! 5-2002

Daten: 11 (12) Titel / 58 Min.
Musikstil: Pop, Rock, Modern-Rock
Label(s): 2002 Gerth Music, Asslar
Website: http://www.judybailey.de

Wo kaufen?:
bestellen im Gerth-Shop...

weitere CDs - siehe Judy Bailey-Künstlerseite >>
 


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