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Jens Böttcher - ''Himmelherz''Jens Böttcher
"Himmelherz"


   ( 2005 Asaph Musik )

»Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding,
wer kann es ergründen?«

~Die Bibel, Jeremia 17:9 (Rev.Luther)


Herzensbesinger jetzt solo unterwegs

Mit seinem Kompanion Mark Rosenbrock zog Jens Böttcher bis vor kurzem seine musikalischen Bahnen durch Deutschland. Dieses Bandprojekt liegt erst einmal auf Eis, Jens macht solo weiter. Die unangepaßte Musik ist geblieben, die vom christlichen Glauben und Lebenserfahrungen durchdrungenen Liedtexte ebenso. Der Barde aus der Nähe von Hamburg hat sich dem menschlichen Sinnen und Trachten gewidmet und wird damit zum ungewöhnlichen Herzensbesinger. Die Unergründlichkeit und Vielschichtigkeit der menschlichen Herzensregungen wurde zur Basis faszinierender handgemachter geistlicher Musik. Eingerahmt in Bibelzitate (Psalm 139:1-18 und 1. Johannesbrief 4:16) kommt das liebevoll gestaltete Booklet daher: trüb und melancholisch, inklusive alter "Narnia-Laterne", genau das Richtige für lange (und einsame) Herbst- und Winterabende. Denn so wie die Optik, so die Musik...

Das Evangelium ist nicht belanglos!

Während die Presseinfo poltert, Böttcher würde sich nicht mit "Belanglosigkeiten" wie "Mission" oder "kommerziellen Begehrlichkeiten" aufhalten, so stimmt dies nicht ganz - was Ersteres betrifft: Er ist dem biblischen Evangelium verpflichtet und dies ist nun einmal missionarisch. "Hotel der letzten Hoffnung" (# 14) und "der König allen Seins" (# 12) sind Beispiele für Bekenntnis, Gotteslob, aber auch der Mahnung eines 'Zu spät!'. Böttcher sagt vieles sehr deutlich - was vielleicht nicht jedem passen wird -, manches auf sehr persönliche, eindringliche Art, doch beides immer aus der Motivition der göttlichen Liebe heraus. »So wie du warst, so wie du bist - Gott liebt dich / er ruft nach dir, ruft dich zu sich - denn Gott liebt Dich« (aus "Gott liebt dich", # 5).

Die Texte besitzen genau jene Widerborstigkeit, die der christlichen Musikszene immer öfter fehlt: Hier wird Unbequemes thematisiert und eigenes Versagen eingestanden. Parallelen zu den Songs eines Derek Webb drängen sich durchaus auf. Von insgesamt 16 (!) Stücken sind zwei Traditionals - "welch ein Freund ist unser Jesus" (# 15) und "die ganze Welt in seiner Hand" (# 9), bei letzterem textete Böttcher manche Passage neu. Beide blühen hier im Kontext der Platte wirklich neu auf, ohne irgendwelche Klischees zu bedienen. "IBHNZ" (# 11; "ich bin hier nicht zuhaus") basiert lose auf dem amerikanischen Traditional "this world is not my home" und ist inhaltlich wie musikalisch ein absolutes Markenzeichen für den Christen Jens Böttcher. Als einziges neues nicht-Böttcher-Lied fällt "Nachtgebet" (# 8) positiv auf. Getextet hat hier (der unseren Lesern nicht unbekannte :-) Rainer Buck - die eher klassische Lyrik spricht zu Gott von Einsamkeit und Mutlosigkeit. Böttchers eigene Gedichte und Gebete - das nämlich sind seine Lieder! - enthalten wohl auch stark autobiographische Züge. Hier ist ein Musiker, der von Jesu Retterliebe und Gnade völlig umgekrempelt wurde und dem nichts wichtiger ist, als davon weiterzugeben - freudig, in Wahrheit und mit Liebe.

Zurück zu den Wurzeln - rauh und herzlich

Den Liedtexten gleich, so hat sich auch die musikalische Umrahmung von den direkten amerikanischen Vorbildern der Band-Zeit etwas entfernt, wenngleich die Einflüsse immer noch zu finden sind. Jens Böttcher kann man schlecht in die herkömmliche Rubrik "Liedermacher" einreihen, dafür ist er viel zu variantenreich. Anleihen aus dem riesigen Vermächtnis des Blues, Country, Spiritual, Bluegrass und Folkrock verschmelzen zu einer sehr hörenswerten Melange, die in dieser Form bisher einzigartig innerhalb der deutschsprachigen christlichen Musikszene ist. Ohne Rücksicht auf Ecken und Kanten wurden die Lieder eingespielt, eben urwüchsig, echt. Dieser "zurück-zu-den-Wurzeln"-Sound ist noch eine Idee gelassener, luftiger und teilweise viel ruhiger als beim rosenbrock+böttcher- Vorgängeralbum, aber trotzdem rauh und herzlich. Die Produzenten Henry Sperling und Karsten Deutschmann haben sich wohltuend zurückgehalten. Als besondere musikalische Gäste treten unter anderem Anne Maren Flak (Cello), Pastor Bayless Conley (Mundharmonika bei "Nananana") sowie Sarah Brendel (Gesang bei "Frieden") prägnant in Erscheinung.

Fazit: Jens Böttcher ist herzmäßig am Himmel angebunden und vermittelt diese Perspektive glaubwürdig auf seinem ersten Soloalbum. Seine Lieder möchten nun Begleiter sein, für Gläubige, die Trost und Ermunterung suchen und für all jene, denen der christliche Glaube bisher fremd ist. An ihr Herz ist eine Botschaft gerichtet. So erdig, kraftvoll und eindringlich die Inhalte sind, so ist auch ihre "Verpackung" - Roots-Klänge, denen man immer öfter seine Ohren leiht!


—David Decker für CCM-Rezis, August & Oktober 2005


Daten:
16 Titel / 58 Min.
Musikstil: Roots, Folk, Singer/Songwriter
Label(s): 2005 Asaph Musik, Lüdenscheid
Website: http://www.boettchercom.de


weitere CDs - siehe Jens Böttcher-Künstlerseite >>
 


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