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 Greg
Adkins
"lower than the angels"

( 2005 Independent / online )
Das Debüt ist zugleich ein Best-of-Album

Im Oktober 2003 beschloss Greg Adkins – Sohn
eines Rock-DJ, "Musikdirektor" einer Gemeinde in Tennessee,
Gelegenheitskomponist und Blogger –, in 52 Wochen 52 Lieder zu schreiben.
Diese jeweils im Heimstudio aufgenommenen und im Internet veröffentlichten
Songs stiessen bald auf begeistertes Echo. Nun legt er in "Lower
Than The Angels" (Produzent Andrew Osenga) Studioversionen von 10
dieser Wochenlieder sowie 2 neue Stücke vor. Er erweist sich dabei
als ausgezeichneter Sänger, Geschichtenerzähler, Unterhalter
und Soundtüftler, der oft ungewöhnliche Aufhänger für
seine Ohrwurm-verdächtigen Lieder wählt: ein zerfledertes Notizbuch,
die Vorliebe seiner Frau für Hollywood-Romanzen, die Meldung über
eine computergesteuerte Worship-Band ...
Mit zwei begabten Andrews im Studio

Greg Adkins ist in Folk-Rock, Alt-Country und Americana zu Hause, er beherrscht
hier sowohl kuschelweiche wie kantige Spielarten. "Heavenly Descent"
(# 1) mit seinen vielen Gitarren, warmer B3-Orgel und Geige erinnert nicht
von ungefähr an Andrew Peterson.
Hier wie auch im Duett "Rock of Ages" (# 11) singt AP sogar
mit, zusammen mit andern wohlbekannten Stimmen. Selbstredend prägt
auch die Band den Sound: Andrew Osenga (Caedmon's
Call), Ben Shive (AP), Aaron Sands (Jars
of Clay), Paul Eckberg (Eager, AP, Michael
Card, Amy Grant) und Kenny Hutson
(Vigilantes of Love) steuern unter anderen ihr Können bei.

Als erstes Werk stellte Greg Adkins vor zwei Jahren "Are You Out
There Tonight?" (# 6) in solidem Alt-Country vor. Während einer
nächtlichen Autofahrt schüttet ein Ich sein einsames Herz vor
Gott aus. Der Track ist wie auch das Americana-gefärbte "On
The Edge" (# 2) mit griffigem Bass, Baritongitarre und beatlesken
Begleitstimmen ein absolut stimmiger Wurf. "The Black Keys"
(# 4) mit Ben Shives grossartigem Klavierspiel – samt Richard-Marx-Zitat!
– versetzt in die Ära von Billy Joel zurück. Der Sänger
bezieht sich selbst auf den Pianoman, wenn er erzählt, wie er Zuflucht
in den schwarzen Klaviertasten gefunden hat. "Romantic Comedy"
(# 5) mit seinen Xylophon-Akzenten über dröhnenden Gitarren
sträubt sich gegen den Einfluss von Film-Schmonzetten auf unser Leben.
Ein ungewöhnliches Schlaflied ist "Connor’s Lullaby" (# 8) mit seinem
70er-Jahre-Touch. Greg Adkins bezeichnet es als „New Orleans / Memphis
style lullaby“.
Retro-Klänge und ein Blick in die Zukunft

Daneben finden sich auch im engen Sinn geistliche Lieder: Während
"Be The Body" (# 10) mit seinen U2-Anklängen poppig daherprescht,
dringt das innige "Come Lord Jesus – Not Another Worship Song"
(# 3) mit den wunderschönen Harmonien von Allison Osenga tief ins
Herz: »Dies ist kein weiteres Anbetungslied voller Wörter,
die ich nicht brauchen würde, wenn ich nicht in einer Kirche stünde
... voller Versprechen, die ich nicht zu halten gedenke, wie ich zu gut
weiss ... voller Gefühle, die eine zerrissene Seele nicht verstünde.
Ich weiss nur, dass ich irgendwo fehlgegangen bin, und ich werde dich
brauchen, wenn ich je ein besserer Mensch werden möchte ... Komm,
Herr Jesus, lies mich vom Boden auf.«

Den am Schluss versteckten "Talkin' Church of the Future Blues" muss man
einfach gehört haben! Inspiriert von Bob
Dylans "Talkin' Bear Mountain Picnic Massacre Blues", wirft
er in schnoddrigem Sprechgesang zu Gitarre und Mundharmonika einen Blick
in die Kirche der Zukunft: Starbucks im Vorraum und Hightech im Saal,
Techno-Worship, Nebelmaschinen, Roboter, eine Band aus geklonten David
Crowders, computergesteuerte Prediger auf riesigen Plasmabildschirmen
... entsetzt flüchtet der Besucher in seine alte Gemeinde zurück,
die noch Gesangbücher, Bänke und ältere Geschwister kennt
...

Fazit: Das zarte Engel-Cover täuscht ein wenig – dieses Debüt
ist eine Wucht! Greg Adkins überzeugt mit seiner tollen Stimme, packenden
Texten und einem anspielungsreichen Sound, dem die Bewunderung für
Folksänger wie Andrew Peterson ebenso anzuhören ist wie der
Soundtrack der Kindheit.

Highlights: Heavenly Descent, Come Lord Jesus, The Black Keys, Talkin'
Church of the Future Blues.
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